LICHTENFELS

Rückkehrer Steffen Hartan als „Joker“

Nichts als Entschlossenheit: Nicht nur der reaktivierte Steffen Hartan (rotes Trikot) gab alles im Bayernliga-Spitzendue... Foto: Christian Voll

Ringer-Bayernliga

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte für die These „der Sport ist dann am faszinierendsten, wenn?s richtig um was geht“, dieser Ringer-Samstagabend in der AC-Halle hätte ihn erbracht: große Mannschaften, große Stimmung, großer Sport – und am Ende der für viele „richtige“ Gewinner. Denn der Bayernliga-Erste AC Lichtenfels bezwang den bis dato ebenfalls noch verlustpunktfreien Tabellenzweiten SC Unterföhring mit 15:9.

Klar: Es überwog die Freude bei den Einheimischen. „Wir haben gewonnen, also sind wir zufrieden“, verkürzte Mannschaftsführer Heiko Scherer die Dinge bewusst etwas. Trainer Ali Hadidi klang da etwas differenzierter: „So zwei, drei Punkte Unterschied mehr hätten wir schon gerne gehabt. Entschieden im Meisterschaftskampf ist durch unseren Sieg noch nichts.“

Denn im letzten Saisonkampf können die Unterföhringer den Spieß in Sachen Titelgewinn und Aufstieg noch umdrehen – und zwar durch einen Erfolg mit mehr als sechs Zählern Differenz. Schwer, aber nicht unmöglich. Immer vorausgesetzt, keiner der bislang so dominanten Titelanwärter erlaubt sich bis dahin einen Ausrutscher.

Zwei, drei Punkte mehr. Die wollten manche Augenzeugen mit und ohne Vereinsbrille gerne dem Kampfrichter zugeschrieben wissen. „Das war ganz gewiss kein Heimschiedsrichter“, war die noch wohlwollende Einstufung des Unparteiischen Michael Koch (AV Zella-Mehlis), der im „Hexenkessel“ zwar kein leichtes Amt hatte, aber besonders in der Bestrafung des Passivringens mehrfach den Faden verlor.

Ein spektakuläres Ass aus dem Ärmel hatten die ACL-Verantwortlichen mit der Reaktivierung von Steffen Hartan (130 Kilo griechisch) gezogen. Der bezwang nach der Auftaktniederlage von Mario Petrov (57 Kilo, Freistil) mit 0:16 gegen Abdul Basir Ibrahimi seinen starken Kontrahenten Richard Mahn wie erhofft mit 3:2 Punkten. Ohne allzu viel Mattentraining gab er sein Comeback nach fünfjähriger Pause, tat dies aber mit bemerkenswerter Entschlossenheit und Konditionsstärke.

Dominik Sohn (61 Kilo, griechisch) dagegen konnte seine anfängliche 4:0-Führung gegen Vincent Kurth nicht halten und unterlag am Ende noch deutlich mit 4:14.

So war bei einem 1:7-Gesamtrückstand Christoph Meixner (98 Kilo, Freistil) mehr gefragt denn je. Er hielt dem Druck stand und revanchierte sich bei Christian Axenbeck mit kluger Strategie und einem tollen 11:2-Punktsieg für eine Niederlage im Vorjahr.

Nicht verdient hatte dagegen Christian Lurz (66 Kilo, Freistil) seine 2:2-Niederlage (aufgrund der höheren Wertung) nach einer längeren Verletzungsunterbrechung gegen den tüchtigen, aber halt doch sehr passiven Youngster Florin Teschner.

Wie sehr die ACL-Ringer diesen Kollektiverfolg wollten, wurde erst recht nach der Pause so richtig deutlich: Die Griechisch-Experten Tobias Schütz (86 Kilo) und Venelin Venkov (66 Kilo) holten mit spektakulärem Vollgasringen 11:0- bzw. 16:0-Punktsiege über Julian Stadelbauer bzw. Siegfried Jonak. Freistiler Christian Merkel (86 Kilo) steuerte weitere zwei Mannschaftspunkte bei durch ein mit letzter Hingabe erkämpftes 12:6 über Alessandro Punzo.

Einzig Krum Chuchurov (75 Kilo, Freistil) brachte seine Aktionen nicht so ins Ziel wie erhofft, so dass er dem gewieften Ex-ACler Timur Seidel mit 5:7 unterlag.

Weil aber zum Finale auch Rumen Savchev (75 Kilo, griechisch) noch einmal alle Reserven mobilisierte und Amlet Mamatzanian mit 5:0 ausbremste, durften die Korbstädter und ihre frenetisch mitgehenden Anhänger einen 15:9-Gesamterfolg bejubeln.

Gruppenoberliga Nord

AC Lichtenfels II – RCA Bayreuth 36:12

Vor allem in der Höhe unerwartet bezwang die ACL-Reserve den bisherigen Tabellenvierten aus Bayreuth. Sieben bzw. acht Punkte steuerten mit je zwei Siegen Casyen Irmler, Mario Mihaylov und Niklas Zillig bei. Einmal erfolgreich waren Michael Schwarz, Marius Geuß Daniel Luptowicz und Lukasz Banak.

Wagner ist Polizei-Europameister

Und sogar einen dritten Grund zur Freude hatten die ACL-Fans an diesem Samstagabend. Wie gleich nach Kampfende gemeldet wurde, holte sich der bei Einzelturnieren für den ACL startende Hannes Wagner bei der Polizei-Europameisterschaft die Goldmedaille in der Gewichtsklasse bis 80 Kilo.