LICHTENFELS

1. Bundesliga – Ende oder Neuanfang?

Topringer: Den WM-Dritten und Europameister Zhan Belenyuk (li.) im Trikot des AC Lichtenfels ringen zu sehen, war für je... Foto: Christian Voll

Ringen

Gegärt hat es zwischen den deutschen Spitzenvereinen und dem Deutschen Ringerbund (DRB) schon länger. Das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht haben scheinbar nun die Ergebnisse der Viertelfinalkämpfe um die Deutsche Meisterschaft zwischen dem ASV Nendingen und dem Luckenwalder SC. Denn die hat der aktuelle Deutsche Meister gegen den früheren Meister aus Brandenburg mit sage und schreibe 21:3 und 24:1 gewonnen. Selbst der deutsche Topringer Nick Matuhin, der in der gesamten Saison der Bundesliga Nord im Schwergewicht unbesiegt geblieben ist, hatte gegen einen von Nendingen „aus dem Hut“ gezauberten Georgier keine Chance.

Die meisten der ohnehin nur noch 14 Erstbundesliga-Vereine haben nun die „Schnauze“ gestrichen voll von der Allmacht des Ringerbundes. Sie finden ihre Ziele vom DRB nicht mehr in ausreichender Form vertreten. Kurzfristige Regeländerungen und Änderungen in der Anzahl der Kämpfe bringen ihre Jahresplanungen jedes Jahr erheblich durcheinander.

Die Konsequenz daraus: Mit Ausnahme des ASV Mainz 88 haben alle Erstliga-Vereine zum Stichtag an diesem Donnerstag, 15. Januar, nur unter dem Vorbehalt eines Mitspracherechts in Sachen 1. Bundesliga für die neue Saison 2015/2016 eine Meldung abgegeben. Auch der AC Lichtenfels. Und selbst der alte und wahrscheinliche neue Deutsche Meister, der Dominator ASV Nendingen, hat sich angeschlossen!

Die Forderungen der Bundesliga-Klubs beziehen sich dabei auf ein Mitsprache- bzw. Mitbestimmungsrecht zu den Themen:

• Änderungen der Gewichtsklassen und Kategorien;

• Gebührenerhöhungen, die sich von anderen Ligen unterscheiden;

• Änderungen der Bundesliga-Richtlinien;

• Änderungen der Ligenstruktur;

• Änderungen der Deutschquote, also der Anzahl der deutschen und ausländischen Sportler.

Alle beteiligten Vereine sehen es als existenziell an, auf Augenhöhe mit dem DRB zu diskutieren und zu verhandeln. Doch der Deutsche Ringerbund hat die Muskeln spielen und die Vereine mit ihrem Ansinnen abblitzen lassen. Ihre Forderungen wurden nicht akzeptiert und die Meldungen der Vereine für ungültig erklärt. Selbst diverse Gesprächsangebote von Seiten der Vereine wurden vom DRB mit dem Hinweis auf die Bundesliga-Tagung im Februar abgewiesen.

Gemäß den Statuten des DRB hat faktisch alleine der ASV Mainz 88 eine gültige Bundesliga-Meldung abgegeben. Für alle anderen Vereine sehen sie eine Rückstufung in die jeweiligen regionalen, unteren Ligen vor. Damit ist aktuell das Ende der 1. Ringer-Bundesliga in ihrer derzeitigen Form besiegelt.

Bezogen auf den heimischen AC Lichtenfels, bedeutet dies, dass er den Platz seiner bisherigen zweiten Mannschaft in der Bayernliga einnehmen muss. Der Verein ist natürlich durch seinen Vorsitzenden Stefan Heinlein an den laufenden Diskussionen der Bundesliga-Vereine direkt beteiligt. Zusammen mit der sportlichen Leitung und den Geschäftsführern der ACL Sport GmbH werden momentan alle Möglichkeiten zur Fortsetzung des Mannschaftsringens in Lichtenfels auf den Prüfstand gestellt. In welcher Form auch immer.

„Ich bin mir sicher, die Bundesliga in ihrer derzeitigen Form wird es nicht mehr geben!“
Stefan Heinlein Vorsitzender des AC Lichtenfels

Stefan Heinlein gehört dem kurzfristig gegründeten, siebenköpfigen Ringer-Bundesliga-Ausschuss an, der Alternativen diskutiert sowie Wege und Möglichkeiten eines Neuanfangs sucht. Heinlein betonte dazu im Gespräch mit dem Obermain-Tagblatt: „Ich bin mir sicher, die Bundesliga in ihrer derzeitigen Form wird es nicht mehr geben!“

An diesem Samstag kommt die Verbandsspitze des DRB am Rande des Halbfinalkampfes ASV Mainz gegen ASV Nendingen in Mainz zusammen und will sich mit der gegenwärtig ziemlich verfahrenen Situation befassen. Das Siebener-Gremium um Stefan Heinlein will auch vor Ort sein. Fraglich ist, ob die „Revoluzzer“ von den Verbandsoberen angehört werden.

Stellt sich abschließend die Frage: Wäre es wirklich ein „Beinbruch“, wenn der AC Lichtenfels in der kommenden Saison statt in der Bundes- nur in der Bayernliga ringen würde? Mit Hannes Wagner, Tobias Schütz, Serghei Shishkov, Christoph Meixner, dem talentierten Leon Raps, den drei in Lichtenfels wohnenden und arbeitenden Bulgaren Rumen Sawchev, Krum Chuchurov und Venelin Venkov sowie einigen Akteuren aus der bisherigen „Zweiten“ wären die Korbstadt-Ringer gewiss stark genug für den Aufstieg in die bayerische Oberliga.