LICHTENFELS

Trotz fünf Einzelsiegen verloren

Und so geht beim Ringen ein sogenannter Achselwurf: „Wie aus dem Bilderbuch“, fand ACL-Trainer Ali Hadidi diese Aktion v... Foto: Christian Voll

Ringer-Bundesliga Nord

Die gerade im Sport so beliebten „Hätte-wenn-und-Aber“-Diskussionen machten auch am Samstagabend in der AC-Halle die Runde. Hätte also der ACL wirklich gewinnen können gegen die doch recht klar favorisierte RWG Mömbris-Königshofen, wenn er seine beste Besetzung auf die Matte gebracht hätte? Kann sein. So aber hieß es trotz 5:5-Einzelsiegen letztlich 14:20 für die Gäste – und das ging in Ordnung so.

Die Meinungen, ob diesmal tatsächlich ein Überraschungserfolg drin war, gingen dabei hörbar auseinander: „Mit optimaler Aufstellung hätten wir wohl gewonnen“, befand ACL-GmbH-Geschäftsführer Uwe Hetzel. „Mit optimaler Aufstellung hätten wir auch verloren, nur noch knapper“, resümierte Trainer Ali Hadidi.

Bei Lichte betrachtet musste man aber schon auch sehen, dass vier, fünf ACL-Einzelsiege im Vorhinein nicht zwingend zu erwarten waren. So zum Beispiel der von Juhasz Bence (55 Kilo, griechisch), denn immerhin hatte sein Kontrahent Krasimir Krastanov (RWG) heuer noch kein einziges Mal verloren. Doch die 20-jährige „Kampfmaschine“ (so Mannschaftsführer Jürgen Lieb) warf seine ganze Ringerseele ins Gefecht und in einem hin- und herwogenden Duell glückte ihm in der Schlussminute tatsächlich ein brachialer Kopfzug zum 4:3-Punktsieg. Weniger Freude indes hatten die ACL-Fans diesmal mit David Vala (120 Kilo, Freistil), der chancenlos mit Ablauf der ersten Runde von Robin Ferdinand ausgepunktet wurde. Und auch bei Adam Bienkowski (ACL, 60 Kilo, Freistil) schien es zunächst ruck, zuck zu gehen, nachdem Ivan Djorev (RWG) mit einigen blitzschnellen und beinharten Aktionen schon nach Sekunden mit 8:0 vorne lag. Dann aber erwachte das bekannt hingebungsvolle Kämpferherz des AC-lers, sodass er sich am Ende mit 5:10 Punkten noch achtbar aus der Affäre zog. Marthin Nielsen in der 96 Kilo-griechisch-Kategorie war wohl der einzige AC-Ringer, dem man nach dem Abwiegen einen sicheren Sieg zugetraut hatte. Gegen den lange Zeit recht passiven Felix Radinger erfüllte er mit einem unspektakulären 6:0 auch sämtliche Erwartungen.

Aufreger des Tages

Weitaus höheren Pulsschlag für alle Beteiligten rief dagegen das Duell in der 66 Kilo-Klasse (griechisch) zwischen Benjamin Hofmann (ACL) und Venelin Venkov hervor. Was über fünf Minuten noch ein offenes Klassikerduell wie jedes andere zu sein schien, kulminierte urplötzlich zum Aufreger des Tages. Der stark formverbesserte und knapp nach Punkten führende Ex-RWG-ler im ACL-Trikot konterte einen Doppelschleuderer Venkovs so exakt, dass dieser sekundenlang und für alle offensichtlich „auf dem Ast“ lag. „Der hat sich gar nicht mehr gewehrt“, gab RWG-Coach Gerhard Weisenberger, ein bekanntermaßen feiner Sportsmann, ohne Umschweife zu. „Der hatte gar keine Körperspannung mehr“, spürte auch der AC-ler selbst, der deshalb irgendwann von seinem Kontrahenten abließ. Zu dumm nur, dass der diesmal nicht überzeugende Unparteiische Ingo Gleisberg (KFC Leipzig) den Kampf weiter laufen ließ. Selbst beide Ringer wirkten perplex und so war es fast schade, dass der eigentlich tolle 6:0-Punktsieg von Hofmann angesichts der aufgebrachten „Schieber“-Rufe fast unterging.

Trotz des überraschenden 9:8-Pausenvorsprungs des ACL war auf einen Gesamterfolg nicht wirklich zu hoffen, denn der punktbeste ACler Tim Müller (66 Kilo, Freistil) konnte verletzungsbedingt seinen Kampf gegen Vladimir Dubov gar nicht erst aufnehmen. Und auch Christoph Meixner (84 Kilo, Freistil) stand gegen den Mömbriser Trainersohn Peter Weisenberger trotz einiger guter Ansätze letztlich auf verlorenem Posten und unterlag mit 0:11.

Auch Tobias Schütz (84 Kilo, griechisch), der in dieser Saison bislang richtig starke Kämpfe lieferte, kam gegen Benjamin Stange nicht optimal zurecht, weil sämtliche seiner Angriffsversuche wirkungslos blieben. Letztlich führte eine Verzweiflungsattacke des Pferdsfelders in den Schlusssekunden sogar noch dazu, dass der RWG-ler nicht mit 2:1, sondern sogar mit 5:1 gewann.

Dass es schließlich doch ein respektables Ergebnis aus Lichtenfelser Sicht gab, lag an beiden 74 Kilo-Duellen, in denen sich die Mömbriser aus Sicht ihres Trainers „Nachlässigkeiten“ erlaubten. Martin Szabo (RWG, griechisch) vergeigte durch eine Unachtsamkeit in der Schlussminute eine sicher scheinende 3:0-Führung und unterlag Tomas Sobecky (ACL) noch mit 3:5. Und der ehemalige EM-Dritte Saba Bolaghi (RWG, Freistil) „verschlief gleich die ganze erste Runde“, so Weisenberger, indem er sich nicht an die taktische Marschroute hielt, gegen den 33-jährigen und lange verletzten Sergej Siscov (ACL) „von Beginn an Druck zu machen“. So glückte diesem sogar ein „Achselwurf aus dem Bilderbuch“, wie ACL-Coach Ali Hadidi lobte. Die daraus resultierende 4:0-Führung nach Runde eins konnte der konditionsstärkere Bolaghi im zweiten Durchgang zwar ausgleichen, doch die höhere Wertung entschied das Duell für den AC-ler, der strahlend das passende Schlusswort zum Besten gab: „Ich habe selbst nicht geglaubt, in meinem Alter gegen so einen Mann gewinnen zu können.“

Kopf an Kopf: So verlief lange Zeit das Match zwischen dem stark formverbesserten Benjamin Hofmann (ACL, rechts) und Venelin Venkov, ehe es zum Aufreger des Tages kam, einem nicht gegebenen Schultersieg.