publiziert: 11.07.2016 10:10 Uhr
aktualisiert: 11.07.2016 10:11 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text Saint-Denis (dpa)

Auf Ballacks Spuren: Griezmann und das Final-Trauma

Das wird an ihm nagen. Das zweite verlorene Finale binnen anderthalb Monaten setzte Antoine Griezmann zu. Den Goldenen Schuh hätte er nur zu gern gegen den silbernen Pokal eingetauscht.

  • Antoine Griezmann Antoine Griezmann nach dem verlorenem EM-Finale. Foto: Srdjan Suki 
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Den Goldenen Schuh für den EM-Torschützenkönig nahm Antoine Griezmann ohne irgendeine Regung entgegen. Nicht mal ein gequältes Lächeln.

Und dann sollte er noch ein zweites Mal für den Fotografen posieren. Er machte es, anstandslos, wortlos. Dann verschwand Antoine Griezmann. Als einer der ersten der völlig niedergeschlagenen Franzosen passierte er die Mixed-Zone. Nur schnell weg nach dem zweiten verlorenen großen Finale binnen anderthalb Monaten.

Ein Schicksal, das Griezmann mit Michael Ballack teilt. Der langjährige deutsche Nationalmannschaftskapitän unterlag 2008 im Finale der europäischen Vereins-Meisterklasse mit dem FC Chelsea gegen Manchester United im Elfmeterschießen. Danach verpasste er mit der DFB-Elf im EM-Finale gegen Spanien den Titel.

Griezmanns Final-Trauma besiegelten Real Madrid und Portugals Nationalmannschaft. 43 Tage vor dem 0:1 nach Verlängerung im EM-Endspiel in Saint-Denis gegen die Portugiesen hatte Griezmann mit Atlético das Finale der Champions League gegen Real mit dessen neuen Europameistern Cristiano Ronaldo und Pepe verloren. Im Elfmeterschießen. Die mögliche Entscheidung in der regulären Spielzeit hatte Griezmann vergeben, er hatte einen Strafstoß verschossen. Genau deswegen wollte er den Handelfmeter im EM-Halbfinale gegen die Deutschen schießen.

Auch gegen die Portugiesen versuchte Griezmann viel, diesmal gelang dem 25-Jährigen aber nicht alles. «Wir waren nicht so abgebrüht wie gegen Deutschland», meinte er. «Er war vielleicht nicht kaltschnäuzig genug», befand Trainer Didier Deschamps. Kritik sollte das aber nicht sein, eher Bedauern. «Ich möchte ihm gratulieren für das, was er geleistet hat», betonte der Coach der Franzosen.

Das, wie auch das Mittagessen mit der Mannschaft bei Frankreichs Staatspräsident François Hollande wird Griezmann erstmal nicht trösten können. «Etwas später werde ich stolz sein, aber im Moment denke ich an das Team, ich bin enttäuscht», sagte er: «Ich wollte diese Trophäe mit ihnen gewinnen.» Die EM-Trophäe.

In seiner Geburtsstadt Mâcon nördlich von Lyon hatten sie eigens Plakate zur Unterstützung ihres berühmten Fußballers aufgehängt. Griezmann war zunächst ganz schwach in die EM gestartet, mit seinen Toren hatte er sich danach aber in die Herzen der Fußball-Fans in ganz Frankreich gespielt. Schnell wurde der einst in jüngeren Jahren auch schon mal eher undisziplinierte Griezmann zum «kleinen Prinzen» und «Retter» auserkoren.

Bis auf drei Treffer war er mit seinen sechs Tore an das einstige große Idol der Grande Nation, Michel Platini, herangekommen, der mit neun EM-Endrunden-Toren immer noch unerreicht ist. Griezmann ist in dieser Statistik nun Zweiter.

Fußball sei brutal, aber auch großartig. «Es gibt tolle Zeiten und traurige Zeiten», meinte er. Er erlebte die ganz traurigen, die wie entfesselt um ihn herumspringenden und rennenden Spieler des Europameisters Portugal die besonders schönen. «Es nervt. Aber ich werde versuchen, stärker zurückzukommen», versprach Griezmann.

Von Jens Marx, Miriam Schmidt und Florian Lütticke
    
    

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