BAUNACH

Droht Baunacher Reiterhof das Aus?

Auch wenn es nicht leicht werden wird: Michaela Hohlstein, die Vorsitzende des Vereins, sucht nun nach einem Alternativg... Foto: Karoline Wirth

Der Baunacher Reiterhof soll einem neuen Wohngebiet weichen. Das hat der Stadtrat entschieden. Nun kämpfen die über 260 Mitglieder des Reitvereins um den Erhalt ihres Hofs.

Michaela Hohlstein, die Vorsitzende des Vereins Pferdepartner Franken, steht in der Mitte des Reitplatzes und gibt Unterricht: „Teeerrrabbb“, ruft sie. „Sehr schön, Alicia. Lächeln, Anna-Sophie, dann sitzt du lockerer. Super!“

Rund 100 Kinder reiten hier jede Woche. Neben dem Reitunterricht finden immer wieder Veranstaltungen für Schulen und Kindergärten statt – hier engagieren sich die Vereinsmitglieder ehrenamtlich.

Außerdem bietet der Verein Tobias Kolefe von Integra Mensch (Lebenshilfe) eine feste Arbeitsstelle. Der 32-Jährige mit Down-Syndrom hat sich durch die Pferdepflege enorm weiterentwickelt und eine Aufgabe gefunden, die ihm am Herzen liegt, und die er zuverlässig erledigt.

Dementsprechend brisant war auch die Baunacher Stadtratssitzung Anfang des Monats, in der es um den Antrag des Vereins auf eine Änderung des Flächennutzungs- und Landschaftsplans der Stadt Baunach zur Errichtung eines Reiterhofes im Bereich des Örtleinswegs ging. 2008 hatte der Stadtrat einer Nutzung des Geländes zur Pferdehaltung zugestimmt. Dabei wurde, wie die Leiterin der Baunacher Bauverwaltung Monika Calnbach erklärte, auch darauf hingewiesen, dass der Grund als Erweiterungsfläche für mögliche Wohnbebauung vorgesehen ist.

Ursprünglich war auf den Grundstücken Holz gelagert worden, die Holzlagerhalle wurde von den Betreibern des Vereins eigenhändig zu einer kleinen Reithalle umgebaut, Offenställe wurden errichtet. Ging es zunächst nur um private Pferdehaltung, so kamen im Laufe der Zeit immer mehr Kinder aus Baunach und baten um Reitunterricht.

„Doch wir geben nicht auf, das bin ich unseren Reitkindern und den Pferden schuldig.“
Michaela Hohlstein Pferdepartner Franken

Diesen Kindern wollte Michaela Hohlstein den Wunsch nicht abschlagen. Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, hatte sie gemeinsam mit ihrem Mann und weiteren Mitstreitern den Verein gegründet. Da die vier Pferde, die zunächst auf dem Hof standen, für die vielen reitbegeisterten Kinder nicht ausreichten, wurde die Herde vergrößert. Derzeit stehen 15 Pferde in den offenen Stallungen. Aus dem Privatstall war ein kleiner – wenn auch kein kommerzieller – Reiterhof geworden.

Um den Betrieb des Reiterhofes an dieser Stelle aufrechterhalten zu können, so Calnbach weiter, hätten unter anderem Trink- und Abwasseranschlüsse, eine weitere Zufahrt und befestigte Parkplätze gefehlt.

Gegen den Verein sprach aus Sicht von Bürgermeister Ekkehard Hojer die finanzielle Lage des Vereins, welche aus seiner Sicht die Kosten für die Planung eines Flächen- und Bebauungsplan sowie die notwendigen baulichen Maßnahmen nicht zulassen würden.

Zudem waren die Beschwerden der Nachbarn über Kindergeschrei und Fliegen- und Geruchsbelästigung aus Sicht des Bürgermeisters ein wichtiges Argument gegen den Betrieb des Reitvereins an dieser Stelle. Schon im Vorfeld der Stadtratssitzung waren bei Michaela und Erich Hohlstein anonyme Anrufe eingegangen, dass es nicht um eine Genehmigung des Reitstalls gehen würde, sondern darum, das Land zu Bauland umzuwidmen.

So kam es dann auch. Vor den Augen von rund 100 fassungslosen Vereinsmitgliedern wurde der Antrag der Familie Hohlstein für die nötige Flächennutzungsänderung im Stadtrat abgelehnt. Ob dies der „Todesstoß für den Verein“ ist, wie Stadtrat Peter Großkopf (SPD) sagte, ist derzeit noch völlig unklar.

Fünf Jahre lang hatten die Vereinsmitglieder auf dem Grundstück eigenhändig Reithalle, Sattelkammer, Reitplatz und Reiterstüberl anlegt.

Dementsprechend entsetzt war Michaela Hohlstein auch über den Beschluss. „Wir haben ein Grundstück für befestigte Parkplätze gekauft und hätten dem Verein die Toiletten im Erdgeschoss unseres Privathauses zur Verfügung gestellt. Und Beschwerden über Kindergeschrei machen mich traurig.“

Auch ist sie enttäuscht, dass keiner der Nachbarn, die sich nun in Online-Kommentaren über den Verein beschweren, jemals persönlich das Gespräch gesucht hat.

Engagement für Jugend

Der Stadtrat, der ausdrücklich das Engagement des Vereins für Kinder und Jugendliche betonte, hat dem Verein bei der Suche nach einem Alternativstandort Unterstützung zugesagt. Darüber, wie diese Hilfe konkret aussehen kann, spricht der Verein nun mit dem Stadtrat und dem Bürgermeister.

Michaela Hohlstein hofft jetzt auf eine einvernehmliche Lösung: „Ich gehe davon aus, dass wir ein anderes Grundstück finden, aber auch dann werden wir viel Geld benötigen, um neue Ställe und eine neue Reithalle zu errichten. Doch wir geben nicht auf, das bin ich unseren Reitkindern und den Pferden schuldig.“

Die Stadt könnte für einen Neubau einen Investitionszuschuss von 15 Prozent der zuschussfähigen Kosten gewähren, der Rest, und das wären für einen neuen Reitstall etwa 500 000 Euro, müsste vom Verein getragen werden. Dafür braucht der Verein nun Spenden von Bürgerinnen und Bürgern.

Info: Im Internet unter www.pferdepartner-franken.de.