FESSELSDORF - Gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass die Fesselsdorfer Freiwillige Feuerwehr kurz vor der Auflösung stand. Seitdem hat sich in dem Dörfchen jedoch Einiges getan: Durch die Gewinnung neuer Mitglieder kam es zu einem Aufwärtstrend, der bei der Hauptversammlung am Samstagabend zu einer nahezu komplett neu formierten Führung führte.
„Ende 2009 war kaum noch Interesse an der Feuerwehr da, jetzt können wir wieder eine gute Quote vorweisen.“ Die Erleichterung war dem ersten Kommandanten Hans-Jürgen Brietzke im Anschluss an die Jahreshauptversammlung in der Gastwirtschaft Göring anzumerken, als er die Entwicklung anhand von Zahlen verdeutlichte: Vor knapp zwei Jahren hatte die Wehr ein Dutzend aktiver Mitglieder - und das auch nur auf dem Papier. „Nur die Hälfte davon war bei den Übungen anwesend“, erinnert sich Brietzke, weshalb die Fusion mit einer anderen Wehr oder die Auflösung im Raum standen.
Die Fesselsdorfer wählten einen anderen Weg. Appellierten an den Gemeinschaftsgeist der Bewohner, suchten das Gespräch mit potentiellen Neumitgliedern, nahmen das Angebot von „Zuzüglern“, die von sich aus Interesse am Brandschutz äußerten, gerne an. Deshalb steht die Wehr laut Brietzke nun wesentlich besser da: Der Übungsbesuch sei gut; 20 aktive und sieben passive Mitglieder bedeuteten, dass knapp 30 Prozent der Dorfbewohner der Feuerwehr angehören.
„Ende 2009 war kaum noch Interesse an der Feuerwehr da, jetzt können wir wieder eine gute Quote vorweisen.“ Die Erleichterung war dem ersten Kommandanten Hans-Jürgen Brietzke
Hoffnungsvoll für die Zukunft stimmten auch die Neuaufnahmen. So wurden neben Alfred Golf auch Julia Schmidt, Sandra Stubner, Theresa Stubner und Alexandra Löw als Neumitglieder - und damit als die ersten Frauen in der Historie der Wehr - mit Vereins-Shirt und Käppi begrüßt. Die letzteren Beiden erklärten sich auch bereit, mit der Übernahme eines Amtes Verantwortung tragen zu wollen: Stubner ist künftig für die Kassenführung zuständig, Löw fungiert als stellvertretende Vorsitzende.
Zuvor hatte fast der komplette Vorstand seine Posten aus Alters- und Zeitgründen zur Verfügung gestellt: „Wir haben genug junge Leute“, begründete der 62-jährige Otto Popp, der seit zwölf Jahren an der Spitze des Feuerwehrvereines stand, seinen Schritt.
Der neue Vorsitzende heißt Winfried Gräf, ist 32 Jahre alt und bekundete bei der Versammlung, die Arbeit im Sinne seines „Vorgängers und Nachbars“ Popp weiterzuführen, auch weil dieser bereits seine Unterstützung angeboten habe. Bevor Schriftführer Edwin Bergmann als einziger Funktionsträger in seinem Amt bestätigt wurde, wählten die Anwesenden Uwe Hannemann (zugleich mit Matthias Göring Kassenprüfer) zum Kommandantenstellvertreter. Nicht zur Wahl stand 1. Kommandant Hans-Jürgen Brietze, der seinen Posten außerhalb des Wahlturnus übernommen hatte.
Als letzte Amthandlung hatte Vorsitzender Otto Popp zu Beginn auf die geselligen Aktivitäten, darunter das erfolgreiche Wiesenfest, zurückgeblickt. Sein Dank galt den scheidenden Vorstandsmitgliedern Harald Bergmann (bisher 2. Vorsitzender) und Alfred Kretter (2. Kommandant). Besonders betonte er die Verdienste von Robert Leykam, der mehr als 20 Jahre die Kasse der Wehr führte. Popps Vorschlag, den 72-Jährigen zum Ehrenmitglied zu ernennen, wurde von der Versammlung einstimmig angenommen.
Sowohl Kreisbrandmeister Matthias Müller als auch Weismains Bürgermeister Udo Dauer lobten in ihren Grußworten den „Neustart“ der Wehr. Wie Dauer erklärte, hätten sich die Fesselsdorfer „zusammen gerauft und ihre zweite Chance genutzt“.
Neben den Personalien war auch die Ausrichtung der Feuerwehr auf neue Aufgabengebiete ein Thema. Müller wies darauf hin, dass sich die Mitglieder im Übungsbetrieb auch auf eventuelle Einsätze am Solarpark neben dem Dorf, an den neuen Windrädern bei Roßdorf oder der Biogasanlage im benachbarten Buckendorf vorbereiten müsse („Das alles sind Sachen, an die wir vor zehn Jahren nicht gedacht haben, und auf die wir uns einstellen müssen“). Wie Hans-Jürgen Brietzke ergänzte, müsse zudem in die Ausbildung einbezogen werden, dass es im Dorf einen Reifenhändler gebe, der zirka 2000 Räder auf Lager habe.
Weitere Themen waren die Versicherung von Feuerwehrleuten, Informationen und Terminankündigungen von Matthias Müller (Florianstag am 5. Mai in Weismain, Aktionswoche vom 15. bis 23. September) und eine aktualisierte Vereinssatzung, die die Fesselsdorfer Feuerwehr während einer separaten Versammlung verabschieden will. -lut-

