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06.09.2010 | 19:30 Uhr | Autor: Von Stefan Lommatzsch

„Ohne Pilze gäbe es nur einen kümmerlichen Wald“

Der Pilzberater Wilhelm Härtl über die Funktion der vielgestaltigen Gesellen in der Natur / Lieber unter dem Mikroskop als in der Pfanne

Von Stefan Lommatzsch

LICHTENFELS - Wilhelm Härtl ist seit vielen Jahren staatlicher Pilzberater am Lichtenfelser Landratsamt und Autor von Fachartikeln zum Thema „Mykologie“. Warum ihm Pilze unter dem Mikroskop weit lieber als in der Pfanne sind, erläuterte er im OT-Interview.

OT:Herr Härtl, in diesem Jahr schießen die Pilze förmlich aus dem Boden. Woran liegt das?

OT:Neben den Niederschlägen, welche Rolle spielen dabei die Temperaturen?

OT:Auch in unseren Breiten wird das Klima wärmer. Hat dies auch Auswirkungen auf das Wachstum bestimmter Pilzarten?

OT:Aufgrund der Klimaerwärmung werden viele der hiesigen Fichten- und Kiefermonokulturen durch Laubbaumbestände ergänzt bzw. ersetzt. Werden dadurch künftig auch andere Pilzsorten in den Wäldern gedeihen bzw. Arten verschwinden?

OT:Ist ihrer Meinung nach die Anzahl der Schwammerl-Sucher in den vergangenen Jahren gestiegen? Was sind die Gründe dafür?

OT:Was raten sie dem „Anfänger“?

OT:Was empfehlen sie: Die Pilze aus dem Boden herausdrehen oder abschneiden?

OT:Worauf sollte der Pilzesucher noch achten?

OT:In vielen Nachbarländer ist das Pilzesammeln an strenge gesetzliche Auflagen gebunden. Sollten auch bei uns solche Regelungen getroffen werden?

OT:Pilze spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem Wald, viele Arten leben in Symbiose mit bestimmten Baumarten. Wie sähe der Wald ohne Pilze aus?

Wilhelm Härtl: Kümmerlich! Die Symbiose, also das Zusammenleben von Mykorrhiza-Pilzen und Bäumen funktioniert folgendermaßen: Das Pilzgeflecht umspinnt in großer Menge die Baumwurzel und schlüsselt Nährstoffe auf, die der Baum ohne den Pilz nicht gewinnen könnte. Auf gleichem Boden wächst ein Baum, der in Symbiose mit einem Pilz wächst also besser. Für Bäume, die auf schlechten Böden gedeihen, ist diese Symbiose also unabdingbar.

OT:Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Mykologie. Was fasziniert sie so an den Pilzen?

OT:Pilze in der Pfanne oder unter dem Mikroskop. Wo sind sie ihnen am liebsten?

Wilhelm Härtl (70) ist seit 1979 staatlicher Pilzberater am Landratsamt in Lichtenfels. Nachdem er als Kind vom „väterlichen Pilzexperten“ in die Welt der Pilze eingeweiht wurde, bildete er sich autodidaktisch weiter und schloss schließlich als Externer bei der Naturhistorischen Gesellschaft in Nürnberg die Prüfung zum Pilzberater ab. Seitdem hat er auch Fachartikel und das Büchlein „Pilze aus Nordbayern“ veröffentlicht. 1980 wurde von ihm im Lichtenfelser Forst mit dem „Dattelbraunfleckenden Filzröhrling“ sogar eine neue Art entdeckt.


Der Pilzexperte Wilhelm Härtl.


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