MICHELAU - Ein neuer Erdenbürger oder ein Geburtstagskind wird gerne mit bunten Luftballons begrüßt. Auch die jüngste Einrichtung des Mehrgenerationenhauses (MGH) durfte sich über eine Girlande aus bunten Luftballons freuen. Der politische Pate des MGH, Landtagsabgeordneter Christian Mießner, zerschnitt sie bei der offiziellem Eröffnung der „Fachstelle für Pflegende Angehörige für den Landkreis Lichtenfels“ am vergangenen Samstag feierlich.
„Das Mehrgenerationenhaus in Michelau hat das Leben im Landkreis aufgewertet“, betonte der Kreisvorsitzende des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK, Träger der Einrichtnung), Dr. Jürgen Zürbig.
Viele an Demenz erkrankte Menschen würden zu Hause in ihren Familien liebevoll versorgt und gepflegt. Eine Aufgabe, die nicht selten rund um die Uhr geschehe und die ganze Kraft des pflegenden Angehörigen fordert. Für die Erfüllung eigener Wünsche bleibe oft wenig Zeit. Mit der „Fachstelle für Pflegende Angehörige“ sei nun im Landkreis Lichtenfels ein zentraler Anlaufpunkt für diese Menschen geschaffen worden.
„Die Fachstelle soll als Dreh- und Angelpunkt im Landkreis dienen“, erläuterte der MGH-Leiter Frank Gerstner. Dabei werde sie sowohl als Vermittlungsstelle zu den zahlreichen Anbietern im Landkreis fungieren als auch eigene Angebote bereithalten. Neben dem bereits bestehenden Angebot des MGH für Demenzkranke und ihre Angehörigen (immer mittwochs von 15 bis 18 Uhr) wird ab Oktober eine zweite Betreuungsgruppe (Freitag von 10 bis 13 Uhr) eingerichtet. In der Endphase soll das Angebot bis auf neun Betreuungsgruppen ausgebaut werden, die dann von Montag bis Freitagmittag Demenzkranke stundenweise betreuen. Gerstner machte darauf aufmerksam, dass es sich bei dem Angebot nicht um eine Tagespflege, sondern um eine Entlastung für pflegende Angehörige handelt. Zeitgleich mit dem Start der zweiten Betreuungsgruppe sollen zwei angeleitete Selbsthilfegruppen (Angehörigengruppen) für pflegende Angehörige installiert werden. „Wenn man sich mit Betroffenen austauscht, lassen sich viele Probleme leichter lösen.“ Der Start der Abendgruppe ist für den 7. Oktober, 19.30 Uhr, vorgesehen. Die Vormittaggruppe trifft sich einen Tag später am 8. Oktober um 10 Uhr. Der Vorteil des Vormittagstermins ist, dass die Teilnehmer ihre zu pflegenden Angehörigen mitbringen können.
Erika Hofmann aus Michelau ist eine von 15 Betreuungshelferinnen, die durch die bayerische Alzheimergesellschaft ausgebildet wurden und jetzt durch die Fachstelle an betroffene Familien vermittelt werden. In 45 Unterrichtseinheiten wurden die Frauen fachlich qualifiziert und auf ihre Aufgabe vorbereitet. Dabei haben sie viel über das Krankheitsbild Alzheimer und den Umgang mit dem Betroffenen erfahren. „Vielfach geht es darum, den Menschen zu stützen und ihn aufzufangen“, so Erika Hofmann. Betreuungshelfer übernehmen keine Pflegetätigkeiten, sondern entlasten die Angehörigen. Sei es, dass sie mit dem Erkrankten spazieren gehen, mit ihm „Mensch ärgere Dich nicht“ spielen oder gemeinsam mit ihm seinem Hobby nachgehen. Nach einem langen Arbeitsleben wollte Erika Hofmann einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen. „Ich will ein Stück weit zurückgeben, was ich von älteren Menschen erfahren habe“, erklärt sie. In der Vergangenheit war schon ehrenamtlich in einer entsprechenden Einrichtung des BRK in Bad Staffelstein tätig.
MdL Christian Meißner würdigte die Arbeit des MGH und erinnerte daran, dass pflegende Angehörige dem Vater Staat viel Geld sparen. Eingehend auf die finanzielle Lage der Einrichtung, machte er deutlich, dass „der Bund mit den MGH viele schöne Kinder auf die Welt gebracht hat, jetzt darf er sie aber mit Auslaufen der Förderung nicht zu Waisenkindern werden lassen“. Für die die Gemeinde brachte Zweiter Bürgermeister Klaus Krügl seine Freude zum Ausdruck, dass die Einrichtung in Michelau angesiedelt ist. „Die Fachstelle ist eine gute Institution für die Menschen im Landkreis Lichtenfels“. -gst-

