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02.09.2010 | 19:15 Uhr | Autor: Von Birgid Röder

Weniger Abfallkörbe, weniger Müll ?

Umweltbewusste Wandergäste entsorgen Abfall im Quartier / Mühsame Wege für Bauhofmitarbeiter beim Entleeren

Von Birgid Röder

BAD STAFFELSTEIN - Wer seinen Rucksack auf der Wanderung gefüllt auf den Staffelberg tragen kann, der müsste ihn erst recht geleert wieder mit herunter nehmen können. Folglich könnte doch an den Sitzgruppen und Ruhebänken, die entlang der attraktiven Wanderwege im Bad Staffelsteiner Land auf Abfallkörbe verzichtet werden.

So ein Verzicht brächte zahlreiche Vorteile: Gibt es Abfallbehälter, so müssen sie regelmäßig geleert werden, das heißt Personal- und Kostenaufwand für die Stadt oder zuverlässige Patenvereine der Wanderwege.

„Weniger Abfallkörbe bedeutet sogar weniger Müll in der Landschaft als bisher“, diese These stellt der Ortssprecher von Stadel, Stadtrat Werner Freitag auf. Oft werde nicht bedacht, dass das nach Salamibrot riechende Einwickelpapier nachts, wenn die Wanderer sich bereits wieder in ihrem Quartier erholen, Füchse und anderes Getier anlockt, die in den Kübeln nach Fressbarem wühlen, Papier und Jogurtbecher heraus zerren und verstreuen. Markus Alin, stellvertretender Leiter des Kur und Tourismus Service, ergänzt, dass die Mülleimer auch immer wieder zum Entsorgen von Hausmüll verwendet werden.

Skepsis überwiegt noch

Das Thema werde schon seit längerer Zeit immer wieder angesprochen, beispielsweise im Bauausschuss, doch die Entscheidung dafür, die Zahl der Abfallbehälter an den Wanderwegen Zug um Zug abzubauen, stehe immer noch aus, da sich bisher keine Mehrheit dafür finden lasse, sagte Bauamtsleiter Jakob Aigner dem Obermain-Tagblatt.

Mitarbeiter des Stadtbauamtes fahren regelmäßig, in der Saison mindestens alle zwei Wochen, die Wanderstrecken ab, um die Abfallkörbe zu leeren. Dass an den Spazierwegen, etwa im Kurpark, Abfallbehälter stehen, das sei selbstverständlich. Manche Stellen an den Wanderwegen seien allerdings schwer zugänglich, die Arbeiter müssen während ihrer Tour dorthin noch eine längere Strecke zu Fuß gehen, der zeitliche Aufwand sei unverhältnismäßig hoch, so Aigner.

Naturerlebnis

Idyllische Bachläufe, romantische Auen sowie imposante Felsgebilde und schöne Aussichten bieten dem Wanderer rund um Bad Staffelstein ein abwechslungsreiches Naturerlebnis. Doch es gibt überall Unbelehrbare, die das Schöne genießen, es dann aber selbst verschandeln. „Es ist schlimmer geworden“, lautet Wanderführer Wolfgang Hüttners Erfahrung. Wenn er die Nistkästen der Wasseramseln kontrolliert, sieht er Müll in der Lauter schwimmen, sogar einen ganzen Abfallkorb, auf seinen Wanderungen findet er immer öfter Flaschen und Pampers in den Hecken liegen. Übermütige stellen Mülleimer auf den Kopf und verstreuen den Inhalt. Hüttner bückt sich oft und hebt Glasflaschen auf, um sie zu entsorgen. Glassplitter sind nicht nur hässlich, sondern auch gefährlich für die Tierwelt. „Am schlimmsten ist es zurzeit zwischen Vierzehnheiligen und Oberlangheim, am saubersten rund um den Marienberg“, so sein Eindruck.

In manchen Urlaubsregionen wird bereits bewusst überwiegend auf Abfallkörbe verzichtet, auch im Interesse des Wildes. An den Sitzgruppen gibt es Schilder, die an die Wanderer appellieren, den Wald in einem sauberen und ursprünglichen Zustand zu erhalten.

Verzicht hat sich bewährt

Beispielsweise in Oberstdorf. Bereits vor mehr als zehn Jahren wurden hier an den 200 Kilometer Wanderwegen in der freien Landschaft die Müllbehälter entfernt, mit Erfolg.

„Der Müll hat sich wesentlich reduziert. Allerdings achten wir darauf, dass der Außenbereich sauber ist und loser Müll eingesammelt wird, denn wo Müll liegt, wird hemmungslos neuer dazu geworfen“, so die Erfahrung der Kurverwaltung in Oberstdorf. In Traunreut und Umgebung gibt es insgesamt rund 110 Kilometer gekennzeichnete Rad- und Wanderwege. Die Wege sind zum Teil „naturbelassen“ und vermitteln das Erlebnis, sich wirklich frei in der Natur zu bewegen. Der Wanderer findet Ruhebänke, aber auf Abfallkörbe neben den Bänken wurde, vor allem wegen der Wespen, verzichtet. Der Appell an die Gäste lautet „Bitte nehmen Sie Ihr Butterbrotpapier und Ihre leere Getränkedose wieder mit!“

Wenn das dort funktioniert, sollte den Wanderern rund um Bad Staffelstein nicht auch zugetraut werden, dass sie mit dieser Regelung umgehen können? Das Gros der Gäste liebt schöne Landschaft hier und hat gelernt, seinen Müll nicht unter den Tisch oder in den Graben zu werfen. Die Unverbesserlichen gibt es auch heute schon, trotz der Abfallkörbe.


In manchen Urlaubsregionen wird bereits erfolgreich auf Abfallkörbe an Wanderwegen verzichtet. Foto: wf


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