LICHTENFELS - Der Umgang mit Tradition zwischen den Polen Demut und Frechheit bestimmt die Kunstausstellung „Auf den Schultern von Riesen“ der Theatergruppe Bumerang, die am Dienstagabend im Stadtschloss eröffnet wurde. Sie ergänzt die Theateraufführung von Goethes „Urfaust“, die am heutigen Donnerstag im Stadtschloss ihre Premiere hat.
Die Ausstellung im Vorfeld gehört zu einer gut gepflegten Tradition der Theatergruppe, die damit den wesentlichen Inhalt ihrer jeweiligen Inszenierung aufgreift und die heuer den Titel „Auf den Schultern von Riesen“ trägt.
Bilder, Fotos, Texte, Objekte
Bernhard von Chartres kam 1120 zur der Erkenntnis, dass die jeweils aktuelle Wissenschaft von den Leistungen früherer Generationen profitiert. Und quasi als Zwerg ihren eigenen bescheidenen Beitrag zu dem vorgefundenen Wissensschatz hinzufügt. Gleiches lässt sich laut den Machern der Theatergruppe Bumerang auch auf die Religion und die Kunst übertragen. In der Kunst wirkt Goethe als der Riese, dem heute Zwerge gegenüberstehen. Dennoch haben Zwerge durchaus auch Vorteile. „Als Zwerg auf einem Riesen kann der Zwerg weiter sehen, als der Riese auf dem der Zwerg steht“, sagt Silvan Wagner. Die Ausstellung zeigt die verschiedenen Ansätze von neun Künstlern, die sich dem Thema auf höchst unterschiedliche Weise genähert haben. Zu sehen sind Bilder, Fotographien, Texte und Objekte, die nicht nur die Fantasie sondern auch zum nachdenken anregen.
Das Thema der Ausstellung greift die Malerin Eva Volk in einem ihrer ausgestellten Bilder von seiner pragmatischen Seite auf. Denn „Auf den Schultern von Riesen“ - in ihrem Fall ist es ein Porträt mit menschlichen Zügen - ist viel Platz. Neben Häusern tummeln sich Bäume, Türme, Menschen und eine vielfältige Vegetation. Minimalgeschichte nennt Guido Apel seine Werke, bestehend aus einer Kombination von Text und Grafik. Geschichten, die neue Denkdimensionen eröffnen. Irgendwann wird vielleicht die jetzige Epoche diejenige sein, auf deren Schultern sich nachfolgende wie Zwerge vorkommen werden. Die „Anarcho-Zwerge“ des Fürthers Michael Matthaeus Martha tragen alle eine Art Zipfelmütze. Die Zeitgenossen mit den harmlosen Kindergesichtern hantieren aber mit gefährlichem „Spielzeug“, dass sie damit in eine unheilvolle Rolle versetzt. In eine Art Karton verpackt der Bamberger Illustrator Reimar Limmer seine Botschaften. Der Betrachter blickt damit in eine eng umgrenzte Welt im Kleinformat. Die Menschen, die Sebastian Magnus in seinem zum Teil großformatigen Bildern abbildet, fehlt entweder komplett der Kopf oder der Künstler hat ihnen das Konterfei von Tieren verliehen. Surrealistisch muten dagegen die Landschaften und Kreaturen von Constanze Schöder an. „Spuren“ nennt Ines Markowski einen Bilderzyklus, der sich aus verschiedenen Techniken zusammensetzt. In ihren Texten und Gedichten widmet sich Nicole Bethe der Liebe und anderen Katastrophen, die nur darauf warten entdeckt zu werden.
Die Ausstellungseröffnung wurde durch einen musikalischen Beitrag von Britta Ender, Guido Apel und Jens Kußmann ergänzt. Die theatralisch anmutenden Stücke und Gedichte stammen aus der Feder von Britta Ender und wurden mit viel Beifall seitens des Publikums bedacht. Die besten Glückwünsche zur Ausstellungseröffnung überbrachte seitens der Stadt, Elke Richter, vom Tourismus- und Kulturamt.
Bis 5. September
Die Ausstellung im zweiten Stock des Stadtschlosses ist noch bis zum 5. September täglich zwischen 16 und 19 Uhr zu sehen. Die Premiere des „Urfaust“ am heutigen Donnerstag findet um 19.30 Uhr ebenfalls im Stadtschloss statt. Weitere Aufführungstermine sind Freitag, 3. September, Samstag, 4. September, und Sonntag, 5. September, jeweils 19.30 Uhr. Gerda Völk
