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01.09.2010 | 19:00 Uhr

Schlechter als Platz 3 indiskutabel

1. Bundesliga über 120 Kugeln verkommt zur Zwei-Klassen-Gesellschaft / Gespräch mit Hans-Karl Brütting

SPORTKEGELN - In gut einer Woche beginnt die neue Serie der 1. Sportkegler-Bundesliga. Zum zweiten Mal werden dabei die Spiele über 120 Kugeln ausgetragen, wie vom internationalen Verband gefordert. Der SKC Staffelstein, Dritter der Vorsaison, gilt dabei wieder als Anwärter auf einen Spitzenplatz.

Mit dessen Vorsitzendem Hans-Karl Brütting sprachen wir unter anderem über die Aussichten des SKC und die drohende Langeweile in der 1. Liga.

Obermain-Tagblatt:Durch die Verpflichtung von Florian Bischoff von Victoria Bamberg und Sebastian Schlund von Gut Holz Scheuerfeld geht der SKC Staffelstein erstmals seit langem mit acht Keglern in die neue Bundesliga-Saison. Erhoffen Sie durch den nun zu erwartenden Konkurrenzkampf mit den bisherigen sechs Stammspielern einen Leistungsschub der Mannschaft?

Hans-Karl Brütting:Da muss ich mit ja und nein darauf antworten. Wir haben in der Bundesliga über 120 Kugeln drei gute Mannschaften: Bamberg, Zerbst und wir. Alle anderen haben darin eigentlich nichts zu suchen. Ich habe deshalb das Gefühl, dass sich gerade bei unseren vier tschechischen Spielern die Einstellung breit macht, sie müssten deshalb zu Hause nicht so viel trainieren. Somit rufen sie im Grunde nie ihr optimales Können ab. Gegen schwache Gegner reicht das, doch gegen starke fehlt's dann an der Leistung. Ob die beiden Neuen daran etwas ändern? Wenn, dann ist der Florian Bischoff dazu fähig.

OT:Wie stark kann man die beiden Neuen einschätzen?

Hans-Karl Brütting:Der Bischoff ist künftig in der ersten Mannschaft unantastbar. Er ist bei mir gesetzt, sofern er als Braumeister nicht beruflich verhindert ist. Ihn schätze ich stärker ein als Bernd Schwarz und Alexander Wellach. Bei ihm kann man mit 580 Holz aufwärts rechnen. Sebastian Schlund bemüht sich und ist fleißig im Training, um seine Leistung zu steigern. Aber noch ist er zu schwach für die 1. Bundesliga. Schließlich ist das Niveau bei uns doch ziemlich hoch.

OT:Die Verpflichtung von weiteren zwei deutschen Keglern war in erster Linie nötig, damit der SKC Staffelstein sein Startrecht als Bundesliga-Dritter beim NBC-Pokal wahrnehmen darf. Sind doch für diesen internationalen Wettbewerb mindestens vier deutsche Kegler gefordert. Zuletzt waren Sie und der SKC internationalen Wettkämpfen gegenüber ehe negativ eingestellt. Was bewirkte den gedanklichen Wandel?

Hans-Karl Brütting:Naja, negativ eingestellt. Unsere Haltung lag vorrangig daran, dass wir bisher keine vier adäquaten deutschen Kegler hatten. Und der NBC-Pokal ist ja auch nur einmal. Anders sieht es bei der Champions League aus, weshalb wir dafür nicht gemeldet haben. Als Dritter hätten wir da auch starten dürfen. Da musst du aber quasi in der Welt herumfahren. Das ist hinausgeschmissenes Geld. Das ist uninteressant.

OT:Was rechnet man sich der SKC Staffelstein beim NBC-Pokal vom 5. bis 9. Oktober in Split aus?

Hans-Karl Brütting:Dazu kann ich nichts sagen, denn ich kenne die Drittplatzierten der anderen Länder nicht. Früher gab's noch eine Kegelzeitung vom Deutschen Kegelbund. Da stand etwas über die höchsten Ligen der anderen Länder etwas drin. Aber die gibt es ja nicht mehr.

OT:Dieser NBC-Pokal, aber auch die Spiele der Champions League zerreißen den Bundesliga-Spielplan mal wieder gewaltig. So findet beispielsweise im Oktober ein einziger Spieltag statt. Wie soll da ein Kegler seinen Rhythmus finden?

Hans-Karl Brütting:Ich finde das unverschämt, und das sage ich schon seit Jahren, dass wegen drei Mannschaften und dem Nationalteam die anderen paar hundert Klubs leiden müssen. Natürlich kann man beim Kegeln nicht verlangen, dass wie beim Fußball international unter der Woche gespielt wird. Für einen normalen Kegler ist so ein Spielplan allerdings furchtbar.

OT:Okay, durch den überraschenden Rückzug der SpVgg Weiden sind es ohnehin nur noch 16 Bundesliga-Spiele für jede Mannschaft. Kennen Sie die Gründe des Weidener Auscheidens?

Hans-Karl Brütting:Das sind rein finanzielle Gründe. Denen sind Sponsoren weggebrochen und dann haben sie gesagt: aus, Schluss. Die Weidener gelten jetzt für diese Saison als erster Absteiger.

OT:Bleiben wir bei der Bundesliga. Im Spiel über 120 Kugeln hat sich der SKC nach Zerbst und Bamberg scheinbar als dritte Kraft etabliert. Darf man am Ende der kommenden Saison wieder den dritten Platz erwarten?

Hans-Karl Brütting:Naja, wenn der nicht erreicht wird von unserer Mannschaft, dann ist es eine Schande. Mit diesen Keglern wäre eine schlechtere Platzierung absolut indiskutabel. Wenn wir wie in der Vorsaison Bamberg daheim schlagen und vielleicht auch Zerbst, dann wären sogar Entscheidungsspiele um die Deutsche Meisterschaft für uns denkbar. Dann könnte auch ein zweiter oder selbst erster Platz herausspringen. Ich muss aber auch sagen, dass unsere Mannschaft noch nie überragend gespielt hat bei solch entscheidenden Duellen. Da ist dann bei uns einfach zu viel Nervosität dabei.

OT:Man kann also sagen, die 1. Bundesliga ist zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft verkommen?

Hans-Karl Brütting:Wäre die Bundesliga nicht zerrissen worden in 120- und 200-Kugel-Spiel, hätten nur die großen Drei in der 1. Liga etwas zu suchen, die anderen sechs nicht.

OT:Beide Zweitliga-Meister Gut Holz Weida und Bahnfrei Aschaffenburg-Damm haben sich dafür entschieden, lieber in der international nicht mehr anerkannten Bundesliga über 200 Kugeln zu spielen. Verkommt damit die Bundesliga über 120 Schub zu einem elitären Kreis?

Hans-Karl Brütting:Das Spiel über 200 Kugeln ist bei den deutschen Keglern über Jahre hinweg verinnerlicht. Und wenn man sich eh keine Chance auf ein internationales Spielrecht ausrechnet. Warum soll man dann über 120 Schub kegeln?

OT:Somit ist die 120-Kugel-Bundesliga doch nur noch ein Spiel von drei Mannschaften um die Deutsche Meisterschaft.

Hans-Karl Brütting:Genau! Die anderen haben keine Chance. Gut, vielleicht ist Amberg jetzt etwas stärker, nachdem der Vicha von Weiden aus dorthin gewechselt ist.

OT:Schlimm, die 200er-Bundesliga ist nur eine Freundschaftsspiel-Liga, und der 120er-Bundesliga droht die totale Langeweile.

Hans-Karl Brütting:Logisch! Im Wesentlichen ist es langweilig. Im Grunde haben wir nur vier wichtige Spiele.

OT:Die unsinnige Zweiteilung ist nun wahrlich nicht der Weisheit letzter Schluss. Bestehen beim Deutschen Kegelbund Überlegungen, hieran in naher Zukunft etwas zu ändern?

Hans-Karl Brütting:Ich weiß nur, dass Spielleiter Robert Rammler vom DKB-Vorsitzenden beauftragt worden ist, ein neues Konzept auszuarbeiten. Und dessen Vorschlag wurde dann in der DKB-Sportaussschusssitzung nicht einmal vorgetragen, weil er dem Herrn nicht gepasst hat. Hierzu kann ich nur sagen: Es ist schlimm, wenn Funktionäre ihr Idiotentum zum Tragen bringen.

OT:Vor einem Jahr haben Sie als Bedingung, um den SKC Staffelstein weiter auf hohem keglerischen Niveau zu halten, die Bereitschaft im Klub genannt, entsprechend mitzuwirken. Ist hier eine positive Entwicklung erfolgt?

Hans-Karl Brütting:Da hat es eine absolut positive Entwicklung gegeben. Im Klub ist wieder ein größeres Zusammengehörigkeitsgefühl entstanden. Es gibt mehr Engagement. So haben wir erstmals seit langem wieder eine dritte Mannschaft melden können.

Mit Hans-Karl Brütting sprach Frank Gorille




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