Von Ferdinand Karnoll
FUSSBALL -
Auch wenn ihr Trainer Robert Licht sie lobt, ist sie selbst unzufrieden: „Der Schuss war zu schwach. Hätte eine Torhüterin zwischen den Pfosten gestanden, hätte sie ihn gehabt.“ Der Ehrgeiz, den sie beim Training an den Tag legt, erklärt Bernhard Alt, sei bei den meisten Mädchen und Damen stark, ausgeprägter noch als bei den Männern.
Seit 2004 gibt es jetzt die Damenabteilung bei den Fußballern des TSV Staffelstein – ein sehr junger Bereich im Großverein der Adam-Riese-Stadt. „Damals kamen meine Tochter und ein paar andere Mädchen zu mir und wollten mit dem Fußball anfangen“, erinnert sich Alt. Dass sich dann so viele bereits zum ersten Training eingefunden hatten, überraschte auch ihn. „So konnten wir gleich eine D- und eine B-Jugend gründen“, berichtet der Staffelsteiner.
In dieser Zeit habe es zwar in ganz Deutschland einen Aufschwung beim Frauenfußball gegeben. Dass das Interesse aber so groß war, erklärt sich der 40-Jährige dadurch, dass es damals im Staffelsteiner Raum noch keine Damenteams gegeben habe. Martin Fritz war der Organisator, René Büttner und Martin Weiß waren die ersten Trainer.
Auch Bernhard Alt hat sich einmal als Trainer der B-Jugend versucht. „Das war nichts für mich“, erklärt er lächelnd, da hätten seine Nerven nicht mehr mitgespielt. Denn pubertierende Jugendliche, vor allem Mädchen, zu betreuen, sei alles andere als leicht. Deshalb bewundere er die Trainer, die ihre Vorhaben bei den Mädchen „knallhart durchziehen“. Vor allem für die ersten Coaches müsse es manchmal schrecklich gewesen sein.
Seitdem hat sich der Frauenfußball beim TSV Staffelstein sehr gut entwickelt. Heute gehören dem Verein fast 40 Juniorinnen und 19 Damen an, verkündet der Abteilungsleiter nicht ohne Stolz. Bis auf eine A-Jugend ist der TSV in allen weiblichen Altersklassen vertreten.
Der Grund dafür, dass es keine A-Juniorinnen-Mannschaft gibt, liege beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV). „Bisher war es immer so, dass weibliche Jugendliche nach der B-Jugend direkt zur Damenmannschaft stießen“, erklärt Bernhard Alt. Der BFV wolle das jetzt ändern und auch diese Altersklasse etablieren. Dabei stoße man auf viel Widerstand bei den Vereinen. „Würde man eine A-Jugend einführen, hätte man bei den Damen oft Personalmangel. Die A-Jugendlichen müssten häufig zweimal spielen“, sorgt sich der 40-Jährige. Das alte System habe sich zudem bewährt.
Bisher beste Saison
Ansonsten bestünde beim Frauenfußball des Turn- und Sportvereins kein Grund zur Sorge. Vor allem die Resultate der vergangenen Saison sind beachtlich. „Insgesamt hatten wir in der letzten Spielzeit drei Meisterschaften zu feiern“, verkündet Alt stolz. Die B-Jugend hat mit ihren Trainern Benny Beetz und Josef Grasser den Aufstieg in die Bezirksoberliga geschafft. Die Damen gehen nach ihrem Titelgewinn in der Kreisliga jetzt in der Bezirksliga West an den Start. An Bord sind wieder die zwei Coaches Robert Licht und Marco Lins. Die C-Jugend hat trotz ihres Titelgewinns den Aufstieg in die nächsthöhere Spielklasse nicht geschafft. „Da die Mannschaft auf dem Kleinfeld spielt, haben wir leider kein Aufstiegsrecht“, macht Bernhard Alt klar.
Dieses Problem hatte man schon in der Vergangenheit, als die D-, die C- und die B-Jugend schon einmal Meister waren. Die D-Jugend wurde in der letzten Spielzeit unter Leitung von Trainer Michael Kolb immerhin Vizemeister in ihrer Gruppe. In der kommenden Saison sind die Erwartungen bei Weitem an die Älteren nicht so hoch wie letztes Jahr: Während die D- und C-Jugend wieder vorne mitspielen sollen, ist das gemeinsame Ziel für die B- und die Damenteams der Klassenerhalt. „Das Ziel ist es, dass sich die zwei Mannschaften in den nächsten Jahren in ihren Ligen etablieren“, meint der Abteilungsleiter Alt.
Sicherlich werden auf die B-Jugend und die Frauen jetzt wieder mehr Niederlagen zukommen. Bernard Alt verrät: „Nach verlorenen Spielen sind die Mädels immer total deprimiert, nach Siegen ist die Stimmung dafür immer himmelhoch jauchzend.“ Allgemein seien die Frauen mit mehr Euphorie und Einsatz dabei. Trotzdem bleiben die Begegnungen gegen die Konkurrenz weitgehend fair. Die „eine oder andere Grätsche und Karte“ gebe es zwar, aber insgesamt sei der Frauenfußball nicht so hart wie bei den Männern. Auch bei Derbys gegen Schwabthal halte sich alles im Rahmen. Dennoch herrsche hier eine gewisse Rivalität. Schließlich ist Schwabthal nicht nur ein Ortsteil der Adam-Riese-Stadt, sondern der SSV mit seinen Damen noch etwas besser. Deshalb sei die Motivation seiner „Mädels“ vor diesen Spielen immer besonders hoch.
„Ab und zu gibt es aber auch das eine oder andere Loch und fehlt es am Antrieb“, erklärt Benny Beetz, Trainer der B-Jugendlichen. Der 22-Jährige spielt selbst in der zweiten Mannschaft des TSV Fußball und hilft auch manchmal in der ersten aus.
Trainer Beetz: „Mir macht’s Spaß“
„Warum ich Trainer bei den Mädels geworden bin? Weil's Spaß macht und ich mich im Verein sozial engagieren wollte“, erklärt er. Er habe zuvor schon ein Jahr lang eine Jungenmannschaft betreut, bis ihn Bernhard Alt für die weibliche B-Jugend animiert habe. Beim Training mache er keinen Unterschied zwischen Junge oder Mädchen. Und wenn's mal ungeordnet zugeht, gebe es auch mal eine Strafe. „Ich muss aber zugeben, die Mädchen verhalten sich disziplinierter und haben auch mehr Ehrgeiz als die Männer“, gesteht er. Lustig mache sich in seinem Umfeld keiner über Benny. Denn beim Verein sei man froh über seine Arbeit als Trainer. Der Erfolg mit dem Meisterschaftsgewinn sei Beweis genug. Nicht nur ihm mache die Zusammenarbeit mit den Mädchen Spaß. Das gelte auch umgekehrt.
So hat auch Luisa Lohneis ihren Gefallen am Fußball gefunden. „Es hat mich einfach interessiert, und ich wollte es ausprobieren“, erklärt die B-Jugendliche. Jetzt spielt sie schon seit mehr als fünf Jahren Fußball bein TSV. Davor hat die 14-Jährige schon öfters in ihrem Garten „gekickt“. Jedes Spiel sei für sie ein Großereignis. Aber eines hat sie in besonders guter Erinnerung: „Letztes Jahr haben wir gegen Ketschenbach 18:0 gewonnen. Obwohl ich in der Abwehr aufgestellt war, habe ich zwei Tore geschossen.“ Sonst spielt die Teenagerin aber meistens im offensiven Mittelfeld.
In der nächsten Saison will auch Rebecca Grasser wieder als Feldspielerin agieren. Sie bleibt aber weiterhin Ersatztorhüterin. „Deshalb war für mich das Finale in der Qualifikation zur Bezirksmeisterschaft mein schönstes Spiel“, erklärt die 16-Jährige. „Damals war ich Torhüterin, und es kam zum Siebenmeterschießen in der Halle. Ich habe ein paar Schüsse gehalten, und wir haben gewonnen.“ So durften sie dann bei der Bezirksmeisterschaft teilnehmen, bei der sie den vierten Platz belegten.
Klassekameraden fiebern mit
Wie Luisa Lohneis betreibt auch Rebecca den Fußballsport, weil sie Spaß daran hat. Zudem dient er ihr als sportlicher Ausgleich zur Schule. Durch ihre Schwester, die ebenfalls Fußball spielt, ist sie mit zwölf Jahren zum TSV Staffelstein gekommen. Heute spielen auch viele ihrer Freundinnen im Verein. Auf die Frage, ob sich die Klassenkameraden und die Familie manchmal über ihre Sportart lustig machen, reagiert die 16-Jährige gelassen: „Im Gegenteil: Die finden es gut, fiebern mit und unterstützen mich.“ Es sei das Wichtigste, findet auch Bernhard Alt, dass die Eltern ihre Kinder motivieren und ihnen helfen.
