LICHTENFELS - Dr. Thomas Dehler zählte zu seinen Lebzeiten zu den großen liberalen Köpfen Bayerns. Seiner Geburtstadt Lichtenfels blieb er stets tief verbunden. Am Mittwoch jährte sich der Todestag des Politikers zum 43. Mal. Im Gedenken an sein Leben und Wirken legten Mitglieder der bayerischen und regionalen Partei FDP an diesem Tag auf dem Lichtenfelser Stadtfriedhof Blumengestecke nieder.
Begleitet wurde die Gedenkfeier am Lichtenfelser Friedhof von der Bürgermeisterin der Stadt, Dr. Bianca Fischer. In einer Rede am Grab des Verstorbenen erinnerte sie sich an den 21. Juli 1967, als Thomas Dehler sehr plötzlich verstarb. Die Bürgermeisterin: „Ganz Lichtenfels war erschüttert.“ Der Geburtsort des Verstorbenen habe gleich neben dem Rathaus gestanden. Dehler, der bis zu seinem Tod in seinem späteren Wohnort Streitberg im Landkreis Ebermannstadt lebte, sei in seiner Heimatstadt und im Frankenland tief verwurzelt gewesen. Die Stadt werde sich stets darum kümmern, dass die letzte Ruhestätte Dehlers und seiner Ehefrau, die kinderlos geblieben sind, stets in einem würdigen Zustand erhalten bleibt, versprach sie.
„Wir werden mit Stolz sein liberales Werk und seinen Namen weitertragen“, bekräftigte Bodo Wünsch von der Thomas-Dehler-Stiftung München während der Gedenkfeier. Inzwischen kooperiere die Einrichtung des Verstorbenen mit der Friedrich-Naumann-Stiftung. Beide gemeinsam böten die Möglichkeit zur politischen Bildung. „Was Dehler hinterlassen hat, werden wir in seinem Geist und in seinem Auftrag weitertragen“, versprach Wünsch. Der Verstorbene sei ein aufrechter Mann und liberaler Politiker gewesen.
Thomas Dehler galt als nachdenklicher, phantasievoller Anreger, aber auch als kämpferischer Vollender politischen Geschehens, erinnerte Thomas Hacker, bayerischer FDP-Fraktionsvorsitzender und oberfränkischer Bezirksvorsitzender am Abend in einem Vortrag im Hotel „Preußischer Hof“.
Vorbild für jeden Demokraten
Der Verstorbene sei aus der liberalen Geschichte Bayerns und der Bundesrepublik nicht mehr wegzudenken. Im Jahr 1897 geboren, sei er bereits 1919 als Jugendlicher der Deutschen Demokratischen Partei beigetreten. „Seine Beharrlichkeit und Prinzipientreue sind noch heute für jeden Demokraten vorbildlich.“
Schon in den ersten Monaten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs habe Dehler mit an den Fundamenten des neuen Deutschlands gebaut, wobei es dem gebürtigen Lichtenfelser vor allem um die Sicherung der Menschenrechte sowie um die Grund- und Freiheitsrechte ging.
Als Mitglied des parlamentarischen Rates, der das Grundgesetz erarbeitete, habe er unverwechselbare Auffassungen eingebaut. Als erster Justizminister der Bundesrepublik habe er seine Vorstellungen durch zahlreiche Gesetzesvorlagen untermauern können. Sie hätten zu einem neuen Rechtsbewusstsein bei den Bundesbürgern geführt.
Der ehemalige Bundespräsident Walter Scheel habe Dehler einst so charakterisiert: „Er konnte Wunden schlagen, verstand es aber, diese wundersam in seiner Menschlichkeit wieder zu schließen. Er war ein harter Gegner für alle die, die seinem Verständnis von Freiheitsrechten widersprachen, aber vor allem ein Freund von allen, die sich in Bedrängnis befanden. Thomas Dehler hat für die Bundesrepublik und für den politischen Liberalismus viel geleistet“.
Unvergesslich sei die Rede von Dehler im Oktober 1954 vor dem Landesparteitag der FDP in Nürnberg gewesen, in der er mit der CDU/CSU hart abrechnete, so Hacker weiter. Einst habe der Politiker seine Träume öffentlich so geäußert: „Es ist mein Zukunfts
traum, dass Bayern einmal wieder so liberal werden möge, wie es war. Wenn wir dies verwirklichen könnten, begänne ein glücklicher Abschnitt der bayerischen und der deutschen Geschichte.“ Hacker abschließend: Nach all den Jahren sei es heute gelungen, dass Bayern liberaler, toleranter und freier geworden sei; dies sei der FDP in der Regierungsverantwortung zu verdanken. -dd-

