BAD STAFFELSTEIN - Mitarbeiter sind das wertvollste Gut eines Unternehmens. „Solange sie gesund sind und sich in selbigem wohlfühlen“, könnte man diese anerkannte Binsenweisheit problemlos ergänzen. Der wichtige Aspekt der betrieblichen Gesundheitsförderung wurde im bei einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Klein-Gesund-Zukunftsfähig“ im Rahmen der „Ersten Bad Staffelsteiner Gesundheitsmesse“.
Als Moderatorin fungierte die Coburger Unternehmensberaterin Susanne Gillardon, die vor der Bühne in der Adam-Riese-Halle neben den Zuhörern die verschiedenen an der Diskussion beteiligten Fachleute aus Wirtschaft und Politik begrüßte. „Nur gesunde und motivierte Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter“, darin waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. Vor diesem Hintergrund sei die früher verbreitete Ansicht, jeder Mitarbeiter sei für seine Gesundheit selbst verantwortlich, längst passé, betonte Petra Platzgummer-Martin, die Vizepräsidentin der Regierung von Oberfranken.
Einen Gesundheits- oder Sicherheitsbeauftragten könne sich ein kleines Unternehmen nicht leisten, warf der Bad Staffelsteiner Orthopädieschuhtechniker Thomas Hertel seine Sichtweise als Selbstständiger in den Raum. Aufgabe solch kleiner Betriebe sei es daher, kontinuierlich die derzeitige Situation im Unternehmen dahingehend zu hinterfragen, ob gute Voraussetzungen für die Mitarbeiter gegeben seien. „Sport ist die gesundheitsfördernde Maßnahme Nummer Eins“, stellte Marcel Altenfelder, Mitgeschäftsführer von Intersport Wohlleben in Dörfles-Esbach, seine Sichtweise dar. Sein Unternehmen biete den Mitarbeiterin beispielsweise Skilanglauf an. Der Erfolg betrieblicher Gesundheitsmaßnahmen lasse sich natürlich nicht in Euro und Cent beziffern, mache sich aber im Zuge dessen sich häufender Fehltage der Mitarbeiter letztlich doch fürs Unternehmen bemerkbar, so Ingolf Brauner, seit Ende April frischgebackener neuer Präsident des Bundes der Selbständigen (BDS) Bayern.
Durch die demografische Veränderung und ihre Konsequenzen habe die betriebliche Gesundheitsförderung heute einen viel höheren Stellenwert als in früheren Jahren, machte Christian Mitter, stellvertretender Bezirksvorsitzender des BDS Oberfranken, auf einen die Thematik noch verstärkenden Aspekt aufmerksam.
„Im Hamsterrad des Lebens“
Schnell wurde im Verlauf der Diskussion deutlich, dass Vorgesetzte - gerade in kleineren Unternehmen - nicht nur ein Auge auf die körperliche Fitness ihrer Mitarbeiter werfen sollten. Gerade die psychischen Belastungen und Krankheiten der Mitarbeiter - Stichwort „Burnout“ - würden oft nicht genügend berücksichtigt, bemängelte Brauner. Dem pflichtete auch Moderatorin Susanne Gillardon bei: „Im Hamsterrad des Lebens, wo nur Leistung, Leistung, Leistung zählt, geht das Gespür hierfür oft verloren“. Der Vorgesetzte müsse hier auch immer wieder das Gespräch mit den Mitarbeitern suchen, ergänzte Thomas Hertel. Wenn sich ein Angestellter beispielsweise ungewöhnlich ruhig verhalte, sollte der Chef auch einmal nachfragen: „Was ist los mit dir?“.
Um sich den Bedürfnissen der Mitarbeiter zuwenden zu können, bedürfe es laut Hertel einer Entbürokratisierung seitens der Politik. Petra Platzgummer-Martin von der Regierung von Oberfranken konnte ihm da nur bedingt Hoffnung machen: „Wenn es darum geht, eine Vorschrift abzuschaffen, kommen 1000 Fachleute mit Argumenten, warum gerade diese Vorschrift beibehalten werden sollte“. Entbürokratisierung sei daher ein „zähes Geschäft“, unterstrich Platzgummer-Martin.
Sie wies in diesem Zusammenhang auch auf die Aktion „Gesund.Leben.Bayern“ des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit hin. Es sei zwar kein großer Fördertopf, doch es bestehe die Möglichkeit, so genannte Gesundheitstage in Betrieben im Rahmen dieser Initiative finanziell mit bis zu 50 Prozent, maximal 50 000 Euro, zu fördern. Doch Förderung hin oder her - letztlich fängt das Umdenken im Kleinen an, sprich bei den Unternehmen selbst.
„Manchmal können schon vermeintliche Belanglosigkeiten, wie die Umstellung des Bildschirms, wenn die Sonne ständig blendet, eine Verbesserung herbeiführen, so Ingolf Brauner zum Abschluss der gut einstündigen Podiumsdiskussion.
Und ein einfaches und ehrlich gemeintes „Geht‘s dir gut?“ des Vorgesetzten kann schon der Beginn eines Weges zur Lösung eines Problems sein, an dessen Ende es im Unternehmen nur Gewinner gibt. -mde-

