BURGKUNSTADT - Die Kultursonntage in der Alten Vogtei in Burgkunstadt könnte man durchaus als eine Reihe von Sternstunden im kulturellen Leben am Obermain bezeichnen. Manchmal befindet sich darunter sogar ein besonders hell leuchtender Stern. Und das war am Sonntag die koreanischen Sopranistin Joo-Hee Jung, die von dem international bekannten Pianisten Ingo Dannhorn aus München am Bösendorfer Flügel begleitet wurde.
Mit Joo-Hee Jung trat eine Sängerin auf, die schon im vergangenen September bei einem Konzert im Kaisersaal von Kloster Banz auf sich aufmerksam gemacht hatte. Die Koreanerin war eine von drei Schülerinnen des Meisterkurses mit Francisco Araiza während der „Lied & Lyrik“-Woche. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Festspielprojekts der Friedrich-Baur-Stiftung und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, das 2009 erstmals stattfand, ist die Förderung des künstlerischen Nachwuchses.
Mit Joo-Hee Jung trat bei den Kultursonntagen in der Alten Vogtei eine Sängerin auf, die auf Anhieb begeisterte. Mit seiner 2009 gegründeten Initiative „Neue Meister der Liedkunst“ will der welterfahrene Tenor Francisco Araiza das deutsche Liedgut in die Welt bringen und jungen Sängern eine Plattform bieten, um ihre Fähigkeiten auch weiter zu entwickeln.
,,Neue Meister der Liedkunst“
„Joo-Hee Jung hat die perfekte Sopran-Stimme für Richard Strauss“, schwärmt Araiza gegenüber dem Obermain-Tagblatt. Ihr besonderes Charakteristikum sei ihre unglaubliche Universalität und Unmittelbarkeit. „Eine Stimme, die bewegt.“ Mit verschiedenen Liedern, einer symphonischen Dichtung und den sehr anspruchsvollen „Vier letzten Liedern“ habe man ein Programm für Joo-Hee Jung zusammengestellt, mit dem die Interpretin noch weiter wachsen und sich technisch verbessern kann. Das klassische Repertoire zu fördern und wieder verstärkt ins Bewusstsein der Musikhörer zu bringen ist ein weiterer Wunsch von Francisco Araiza. Der Pianist Ingo Dannhorn und der Dramaturg Mathias Spohr stehen ihm bei der Vorbereitung der Konzerte zur Seite.
Joo-Hee Jung besitzt eine höchst eigenständige Stimme, die auch wunderbar mit triumphierenden Höhen fertig wird. Das wurde besonders in der Strausschen Schöpfung „Cäcilie“ op. 27/2 deutlich. Dafür gab es eine spontane Beifallsbezeugung. Übersetzt heißt Joo-Hee „Vogelsang“ und die vorlieben der Koreanerin für das deutsche Lied und Komponisten wie Bach, Schubert und Brahms wurden schon in der Kindheit deutlich. Mit 21 Jahren sang sie bereits in Puccinis „Madame Butterfly“ die Rolle der Kate Pinkerton. 2001 erhielt sie einen Bachelor of Music an der Dankook Universität in Seoul. In der kommenden Saison wird sie im Ensemble der Oper Zürich zu hören sein.
Große Ausdruckskraft
Die Bemühungen von Francisco Araiza fallen in der Alten Vogtei durchaus auf fruchtbaren Boden. Wieder einmal mussten noch zusätzliche Stühle in den Vorraum, wo übrigens die Akustik genauso gut ist, gebracht werden. Zu Unrecht wird dem deutschen Liedgut nicht der Stellenwert eingeräumt, den es eigentlich verdient hätte. Nicht nur das gesetztere Publikum fand Gefallen an dem besonderen Konzertereignis, sondern auch viele jüngere Zuhörer.
Gerda VölkMit großer Ernsthaftigkeit und Ausdruckskraft interpretierte Joo-Hee Jung die „Vier letzten Lieder“, den großen Abschied des Komponisten Richard Strauss von der Welt. Ein besonderes Kompliment gilt auch Pianist Ingo Dannhorn, der als herausragender Begleiter eine fesselnde und virtuose Leistung ablieferte, ohne sich dabei in den Vordergrund zu spielen. Am Schluss durfte sich ein hochzufriedenes Publikum noch über drei Zugaben freuen.

