WEIDHAUSEN - Die Bürger der Gemeinde müssen sich ab 1. März auf neue Gebühren für ihre Abwasserentsorgung einstellen. Gegen die Stimme von Harry Ritter (Freie Bürger) beschloss der Gemeinderat (in fast schon ungewohnter Einheit) die Erhöhung auf 3,57 Euro pro Kubikmeter, 45 Cent mehr als bisher. Ein durchschnittlicher Haushalt muss dadurch mit rund vier Euro mehr im Monat rechnen. Immerhin: Es besteht die begründete Hoffnung, dass die Erhöhung nur vorübergehend ist.
Die Zahlen, die Geschäftsleiter Peter Schmidt in einem sechsseitigen Schreiben zusammengestellt hatte, sagten eigentlich alles. Insbesondere die Sanierung der Kanalschächte im Zuge des Hauptstraßenausbaus schlug bei der Gemeinde im vergangenen Jahr gewaltig ins Kontor: alleine 40 000 Euro dafür, umgerechnet 33 Cent pro Kubikmeter. Da Kommunen dem Gesetz nach verpflichtet sind, beim Betrieb ihrer Kanalnetze kostendeckend zu arbeiten, bleibe laut Schmidt nichts anderes übrig, als die gestiegenen Ausgaben dem Bürger in Rechnung zu stellen. Alles andere wäre ein „politischer Preis“, den man sich nicht erlauben könne, bei der derzeitigen Haushaltlsage schon zehnmal nicht.
Dass es in Weidhausen einst einmal „politische Preise“ gab, räumte Klaus Lippert (SPD) unumwunden ein. Doch man habe aus diesen Fehlern der Vergangenheit gelernt und werde nun dank der klaren Zahlen von Schmidt „das verlangen, was es kostet“. Lippert brachte zudem ins Gespräch, sich analog der Wasserversorgung vielleicht nach einem privaten Betreiber für das Kanalnetz umzuschauen. Mit den jetzt vorliegenden Berechnungen habe man die Möglichkeit, Vergleiche mit externen Anbietern zu ziehen.
Ausgedünntes Zahlenwerk
„Wir haben schon immer politische Preise gemacht“, sagte dazu Harry Ritter. Ihm wäre es lieber gewesen, wenn die Gemeinde ganz auf die Gebührenerhöhung verzichtet hätte. Das Defizit könne man doch über den Haushalt decken, meinte er. Da widersprach Markus Mönch seinem Stellvertreter aber ganz entschieden: „Ausgedünnt bis zum Gehtnichtmehr“ sei das Zahlenwerk, deshalb sei ein „politischer Preis“ absolut fehl am Platze.
CSU-Sprecher Michael Hoffmann schloss sich der Ansicht des Bürgermeisters an: „Die Zahlen sind faktisch und rechnerisch richtig. Wir müssen dem Bürger gegenüber realistisch auftreten.“
Klaus Lippert zeigte sich überzeugt davon, dass die Weidhäuser die Gebührenerhöhung akzeptieren – eben weil man klare und verlässliche Zahlen über das Kanal-Defizit vorliegen habe. Dementsprechend klar fiel gegen Ritters Stimme die Entscheidung für die Erhöhung der Gebühr auf 3,57 Euro. Renate Lippert stimmte mit Ritter zudem noch gegen den Vorschlag, das Defizit aus dem laufenden Betrieb 2009 (umgerechnet zwölf Cent pro Kubikmeter) gleich heuer mit zu verrechnen.
Eine positive Nachricht ging mit der Entscheidung immerhin auch noch einher: Peter Schmidt ließ durchblicken, dass die Erhöhung im nächsten Jahr vielleicht schon wieder zurückgenommen werden kann.
Schließlich sind derzeit keine „Überraschungs-Ausgaben“ wie 2009 rund um den Ausbau der Hauptstraße in Sicht. Bleibe dies so, könne man die Gebühr – Stichwort: „kostendeckender Betrieb“ – 2011 wieder reduzieren. -red-
