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08.02.2010 | 22:45 Uhr

Berühmteste Schauspielerin Frankreichs

Bühnenstar, Aufklärerin und Unterstützerin der Revolution / Vortrag über Mademoiselle Clairon

BURGKUNSTADT - Die berühmteste Schauspielerin Frankreichs im 18. Jahrhundert, Mademoiselle Clairon, hatte auch in Franken ihre Bewunderer. Die außergewöhnliche Frau stellte Oswald Georg Bauer im Rahmen der Kultursonntage in der Alten Vogtei auf Einladung der Friedrich-Baur-Stiftung und der Kulturgemeinde Burgkunstadt vor. Er verstand es vor ausverkauften Saal das abenteuerliche Leben der Schauspielerin, das sich zwischen Paris, Ansbach und Bayreuth abspielte, in einen Vortrag mit Lichtbildern äußerst anschaulich darzustellen. Dabei vermittelte er viel interessantes geschichtliches Wissen aus dem Zeitalter der Aufklärung.

Mit Bewunderung, Amüsement und Faszination hätten Zeitgenossen wie Voltaire, Goethe, Diderot, Meister, Clemens von Brentano und Stendhal das Wirken von Mile Clairons als Schauspielerin, Autorin, Moralistin und Ansbacher „Fürstenerzieherin“ notiert. Leider seien die vielseitigen Leistungen und das reichhaltige literarische Nachleben dieser typischen und doch individuellen Vertreterin der französischen Aufklärung heute nur noch sehr wenigen bekannt, so Oswald Georg Bauer. Am ehesten würden ihren Namen noch Opernliebhaber kennen, da sie in „Capriccio“ von Richard Strauss einen kurzen Auftritt hatte.

Sie sei in ihrer Zeit aber der Star in Paris gewesen und eine europäische Berühmtheit. Voltaire habe Theaterstücke geschrieben, die ganz auf die Person von Clairon zugeschnitten waren. Auch umgekehrt habe die Schauspielerin sehr zum Ruhm des Schriftstellers beigetragen.

Der Name Clairon heißt auf Französisch Trompete. Die Schauspielerin wurde wegen ihrer lauten und sehr ausdrucksvollen Stimme so genannt. Die anspruchsvollsten Frauenrollen waren die Domäne von Clairon. Besonders als „Königin von Babylon“ wurde sie bekannt und bekam von dieser Rolle ihren Beinamen. Auch in ihren privaten Leben trat sie auf wie eine Königin.

Kampf für mehr Rechte

Schon mit 13 Jahren kam sie zur Schauspielerei und war mit 20 schon berühmt. Sie ging ganz in ihren Rollen auf und brachte es fertig, die Menschen zu Tränen zu rühren. In ganz Europa wollte man sie verpflichten. So bot die Zarin Katharina die Große ihr eine Unsumme an, damit sie an ihren Hof nach Petersburg komme. Auch Kaiserin Maria Theresia wollte sie in Wien engagieren. Der französische König aber verbot ihr die Ausreise, da er ein solches Talent ausschließlich für Frankreich erhalten wollte.

Als sich Clairon für die Rechte der Schauspieler einsetzen wollte, wurde das als unerhörte Anmaßung empfunden. Ihre schriftliche Eingabe wurde öffentlich verbrannt. Als sie aus guten Gründen einen Streik heraufbeschwor, musste sie so gar für fünf Tage ins Gefängnis. Dies war für sie ein Schlüsselerlebnis, da sie keinerlei Rechte hatte, um sich zu verteidigen. Danach ist sie nie mehr öffentlich aufgetreten. Nur noch bei privaten Anlässen, wie beim Besuch des Königs von Dänemark und bei der Hochzeit von Marie Antoinette ließ sie sich zum Auftritt überreden.

In dieser Zeit begann ihre schriftstellerische Laufbahn. Sogar Goethe hat Schriftstücke von ihr, ohne sie zu fragen, in seinen Büchern übernommen. In dem berühmten Salon der Mademoiselle Clairon in Paris verkehrte die damalige gesamte intellektuelle Szene. Dort lernte sie auch den Markgrafen Carl Alexander von Ansbach kennen. Dieser war von ihr völlig überwältigt und lud sie an seinen Hof ein. Dort lebte sie von 1773 bis 1787 in Ansbach und hatte ein eigenes Haus und Diener zur Verfügung. Der junge Markgraf ließ sich von der Schauspielerin und Intellektuellen gern belehren und beraten. Von Ansbach aus besuchte Mademoiselle Clairon auch Bayreuth. Dies veranlasste Voltaire, sie als „Prinzessin von Bayreuth“ zu titulieren.

„Prinzessin von Bayreuth“

Das fränkische Essen in Ansbach schmeckte der Clairon nicht besonders. Vor allem das Brot lag ihr zu schwer im Magen. Deshalb ließ sich vom Bäcker Weißbrotsemmeln backen. Diese werden auch heute noch in Ansbach als „Claironweckla“ verkauft. Clairon schätzte auch das Schlösschen von Triesdorf und ließ sich dort ein Apartment einrichten. Neben Paris hatte sie somit eine starke Verbindung zu Franken.

Zu Beginn der Revolution lebte Clairon wieder in Paris und stiftete den Revolutionären ihr gesamtes, nicht unbeträchtliches Vermögen. Als Schauspielerin musste sie fühlen, wie wenig ihr Beruf in der damaligen Gesellschaft in Wirklichkeit anerkannt war. Alle Macht oblag den Adligen und der Kirche. Sie war aber eine sehr mutige und stolze Frau. Mit ihren aufgeklärten Ansichten und ihrem Intellekt eckte sie öfter bei der Obrigkeit an. -chs-


Für den fesselnden Vortrag bedankte sich Bernhard Betz, Geschäftsführer der Friedrich-Baur-Stiftung (li.), beim Referenten Oswald Georg Bauer mit einem Präsent. Foto: chs


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