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25.06.2009 | 19:15 Uhr | Autor: Von Gerhard Herrmann

Talente wecken ohne Leistungsdruck

Pilotprojekt zur Begabtenförderung am Gymnasium / Entwicklung der Persönlichkeit als Ziel

Von Gerhard Herrmann

BURGKUNSTADT - Zusätzliche Bildungschancen will das Gymnasium Burgkunstadt seinen Schülern mit dem Angebot einer Talent- und Begabtenförderung im kommenden Schuljahr bieten. Das in der Region einmalige Projekt bietet Jugendlichen mit besonderen Fähigkeiten die Chance, ohne Leistungsdruck ihre Stärken in Projekten von Kunst über Literatur und Mathematik bis hin zu Sozialkompetenz weiterzuentwickeln. Ermöglicht wurde das ehrgeizige Modellprojekt dank der Förderung der Karin-Schöpf-Stiftung und des Engagements der Lehrer ohne öffentliche Mittel.

Der Bedarf nach Begabtenförderung scheint vorhanden zu sein, denn die Resonanz auf das Angebot war bei einem Informationsabend am Mittwoch groß. Mehr als 200 Eltern und ihre Kinder ließen sich von Schulleiter Werner Fischer, Projektleiterin Petra Schreiber und der Elternbeiratsvorsitzenden Elisabeth Zipfel in einer kurzweiligen Interview-Runde über das Pilotprojekt unterrichten. Anschließend stellten die Lehrer ihre Förderprojekte vor.

Zweisprachiger Unterricht

,,Bisher haben wir ein dichtes Netz an Hilfen, die dafür sorgen sollen, dass möglichst jeder das Schulziel erreicht, aber für die besonders Talentierten können wir noch mehr tun“, sagte der Schulleiter. Es gelte dafür zu sorgen, dass kein Talent verloren geht, doch im alltäglichen Unterricht fehle oft die Zeit, derartige ,,Schätze“ zu heben. Die Begabtenförderung diene auch der Vorbereitung der Jugendlichen auf das Berufsleben, indem ihnen Fähigkeiten vermittelt würden, die den Rahmen des Lehrplans übersteigen, wie etwa Sozialkompetenz.

Die Schule stelle sich zwar bereits den Herausforderungen der Globalisierung mit Angeboten wie dem Comenius-Projekt, doch gelte es auch die Sprachbeherrschung stärker zu trainieren. So werde die Möglichkeit geprüft, ab Februar in ausgewählten Fächern (Geschichte, Erdkunde, Biologie) durch zweisprachigen Unterricht (Englisch, Französisch, Spanisch) mehr als den Unterrichtsstoff zu vermitteln.

,,Uns geht es um die Persönlichkeitsentwicklung“, erklärte Petra Schreiber, Fachfrau für Begabtenförderung, die das Projekt zusammen mit dem Bankkaufmann Rainer Spangler leitet. Jeder Schüler habe ein Potenzial an Fähigkeiten, das es zu entdecken gelte. Intelligenz sei nur eine davon. ,,Wer hoch begabt ist, muss nicht immer gute Leistungen in der Schule bringen“, gab sie zu bedenken. Die Ursache für schlechte Noten könne auch in Unterforderung begründet sein. Wichtig sei es, den Schülern die Fähigkeit zu selbstbestimmtem Lernen zu vermitteln. Und wenn ein Kind merke, dass es in einem Projekt erfolgreich ist, könne dieser Funke auch auf andere Fächer überspringen. Wichtig sei es auch, dass die Schüler voneinander lernen, daher seien die Projekte jahrgangsübergreifend angelegt.

Nicht nur Noten entscheiden

Bewusst setze das Gymnasium nicht auf Förderklassen, sondern auf verschiedene Förderprojekte außerhalb der Unterrichtszeit, betonte Werner Fischer. Die Zulassung solle nicht nur von Schulnoten abhängig gemacht werden. Daher können Schüler auch unabhängig von den Noten vorgeschlagen werden oder sich bei Interesse selbst oder über die Eltern um die Teilnahme an bis zu drei Projekten bewerben. Wenn alle Bewerbungen vorliegen, wird die Auswahl je nach Gruppengröße vorgenommen.

Diese sozialen Auswahlkriterien begrüßte die Elternbeiratsvorsitzende Elisabeth Zipfel. Damit würden Befürchtungen entkräftet, es sollten nur einige besonders Begabte aus jeder Klasse herausgehoben werden, die dann als ,,Streber“ dastünden.

Finanzierung durch Stiftung

Der Schulleiter würdigte das Engagement der Karin-Schöpf-Stiftung (Altenkunstadt), die mit ihrer Anschubfinanzierung das Pilotprojekt erst möglich gemacht habe. ,,Ich könnte mir jetzt noch eine Steigerung der Unterstützung durch die Ministerialbürokratie vorstellen“, meinte er mit Blick auf die Landesregierung.

Gefördert wird das Vorhaben außerdem von der Adalbert-Raps-Stiftung, die ein Leistungsstipendium für zwei Schüler (zehn bis 13 Jahre) für ein Feriencamp ,,Sommer der Talente“ vom 26. Juli bis 2. August im Internat der Stiftung Louisenlund in Schleswig-Holstein zur Verfügung stellt. Besonders würdigte Werner Fischer das Engagement der beteiligten 20 Lehrer, die für die Projekte und die notwendige Weiterbildung viel Freizeit opfern.


Querdenker gesucht: Mit dem Pilotprojekt der Talent- und Begabtenförderung am Gymnasium gehen (v. re.) Projektleiterin Petra Schreiber, Schulleiter Werner Fischer und Elternbeiratsvorsitzende Elisabeth Zipfel neue Wege. Foto: mul


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