LICHTENFELS

Viele Senioren fahren vorsichtiger

Autofahren im Alter
Senioren – hier eine ältere Frau am Steuer ihres Kleinwagens – fahren in der Regel vorsichtiger. Foto: Felix Kästle

Fahrlehrer Karl Brendel aus Lichtenfels hält nichts von Pauschalierungen, wenn es um Senioren am Steuer geht: Jede Altersgruppe hat ihren Fahrstil und ihr Gefahrenpotenzial, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. Es sei aber nicht belegbar, dass in erster Linie Senioren potenzielle Geisterfahrer sind oder im Vergleich die meisten Unfälle verursachen.

Brendel hat aus eigener Erfahrung bei den vielen Fahrten auf heimischen Straßen seine Meinung über Senioren am Steuer. „Ältere Verkehrsteilnehmer gleichen ihre Geschwindigkeit und ihr Fahrverhalten dem persönlichen Können an. Deshalb sind manche Senioren langsamer unterwegs. Sie fühlen sich so sicherer,“ so der Kreisvorsitzende des Landesverbandes Bayerischer Fahrlehrer.

„Ältere Verkehrsteilnehmer gleichen ihre Geschwindigkeit und ihr Fahrverhalten ihrem persönlichen Können an. “
Karl Brendel, Kreisvorsitzender Fahrlehrerverband

Das Thema „Senioren am Steuer“ ist für den Fahrlehrer stets aktuell. Er lässt es auch immer wieder im Kreis der Fahrschüler diskutieren. „Gaspedal mit Bremspedal verwechseln, bei einbrechender Dämmerung oder bei viel Verkehr unsicher werden“: Solche Dinge verbänden viele mit dem Thema Senioren am Steuer.

Für Brendel sind Senioren erfahrene Verkehrsteilnehmer. Aber es gibt Unterschiede: „Alt ist nicht gleich alt,“ sagt er. Er meint damit nicht nur das fahrerische Können, das innerhalb dieser Altersgruppe existiere.

Es gebe zudem Senioren, die körperlich fit seien für den Straßenverkehr und andere, die gesundheitlich beeinträchtigt sind. Bei ihnen habe zum Beispiel die Sehkraft nachgelassen, was bei hereinbrechender Dunkelheit oder bei spiegelnder Nässe auf den Straßen Pro-bleme bereite. Bei anderen sei das Hörvermögen beeinträchtigt, Signale werden überhört. Ältere Verkehrsteilnehmer seien zudem nicht selten in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt.

Wenn zu den offensichtlichen gesundheitlichen Einschränkungen noch nachweislich Probleme beim Fahren dazukommen, sei es an der Zeit, in der Familie den Opa oder die Oma darauf hinzuweisen, dass es gefährlich werden könnte, sagt der Fahrlehrer. Für diese Fälle hat der Lichtenfelser Tipps parat: Eine Brille beim Autofahren aufsetzen, auch wenn das im Führerschein nicht vorgeschrieben ist.

Es sei zudem sinnvoll, die Sehleistung regelmäßig überprüfen zu lassen. Ab einem Alter von 75/80 Jahren gehe man von einem „körperlichen Leistungsabbau“ aus, sagt auch Polizei-Pressesprecher Jürgen Stadter. Mögliche Auswirkungen auf die Verkehrstauglichkeit seien individuell aber sehr unterschiedlich. Verpflichtende Eignungstests für ältere Führerscheinbesitzer lehne die Polizei klar ab. Stadter rät allerdings zu regelmäßigen medizinischen Untersuchungen insbesondere der Hör- und Sehfähigkeit.

„Die Zahl der Senioren im Straßenverkehr steigt alleine aufgrund der demographischen Entwicklung stetig.“
Jürgen Stadter, Pressesprecher Polizeipräsidium

Brendel rät auch, dass sich Senioren für ein Fahrsicherheitstraining anmelden, wie es beispielsweise von der heimischen Kreisverkehrswacht angeboten wird. „Hier können die Teilnehmer ihr Reaktionsvermögen testen, zum Beispiel beim Bremsen,“ sagt er. Nicht nur, aber ganz besonders älteren Ehepaaren legt Brendel nahe, sich die Fahrtstrecken häufiger zu teilen, damit beide Partner in der Übung bleiben.

Über allem aber stehe das eigenverantwortliche Handeln: Sich selbst fragen, ob man noch sicher am Straßenverkehr teilnehmen kann. „Vor allem dann, wenn Unvorhergesehenes passiert.“

Nur eine freiwillige Rückgabe

Wenn dann die Einsicht da ist, dass es keinen Sinn mehr macht, können Senioren ihren Führerschein auch freiwillig abgeben. Dies ist allerdings in den vergangenen zwei Jahren bei der Führerscheinzulassungsstelle nur ein Mal passiert, wie Pressesprecher Andreas Grosch vom Landratsamt mitteilt. So lange wie möglich unabhängig zu bleiben, nicht vollständig auf öffentliche Verkehrsmittel oder aufs Taxi angewiesen zu sein, nicht Kindern oder Angehörigen zur Last fallen: Solche Motive gehören nach den Erfahrungen von Karl Brendel dazu, wenn sich ältere Menschen hinters Steuer setzen. So wie bei einer 70-jährigen Frau, die bei ihm gar erst den Führerschein erworben habe. „Sie wollte mit ihrem Freund, der älter ist, am Sonntag auch mal zum Kaffeetrinken fahren“, sagt Brendel.

Für Senioren sei Mobilität mit dem eigenen Fahrzeug mitunter sogar viel wichtiger als für die Jüngeren hinterm Steuer. Das öffentliche Verkehrsnetz in unserer ländlichen Gegend bediene – anders als in Großstädten - Bedürfnisse älterer Menschen nur unzureichend. Fahrten zum Arzt, zur Apotheke, zum Einkaufen oder auf die Bank mit dem Busfahrplan auf dem Land abzustimmen sei ganz schwierig. Solche Fahrten seien für Senioren aber lebenswichtig und sie bestimmten in der Regel auch deren Aktionsradius im Straßenverkehr.

Senioren unter Geisterfahrern

Einige Geisterfahrten und Unfälle auf der A 73 in der jüngsten Zeit, in die auch ältere Fahrzeuglenker verwickelt waren, haben indessen die Diskussion um Senioren am Steuer wieder einmal aufflammen lassen. Die Polizei sieht bei den Vorfällen keinen Zusammenhang zwischen Senioren und Fehlverhalten. Insgesamt, so Pressesprecher Jürgen Stadter vom Polizeipräsidium Bayreuth, stellten ältere Verkehrsteilnehmer bei den Vorkommnissen der jüngsten Zeit auf der A 73 nur einen Teil der Fahrer. Verwunderlich sei aber, dass sie die Verkehrsführung nicht kennen, obwohl die meisten von ihnen aus der heimischen Region stammen. Richtig sei allerdings auch, dass „die Zahl der Senioren im Straßenverkehr alleine aufgrund der demographischen Entwicklung stetig steigt“, so Jürgen Stadter weiter.

Gefahrenstelle Abfahrt Ebersdorf

Unter den Falschfahrern auf der Autobahn seit Weihnachten waren bislang – in chronologischer Reihenfolge – ein 77-Jähriger, eine Rentnerin sowie – erst vor wenigen Tagen – ein 76-jähriger Fahrzeugführer. Bei allen war die A 73 bei Ebersdorf Ausgangspunkt der Geisterfahrt. Dort wurde die Verkehrsführung inklusive der Autobahnabfahrt Richtung Suhl geändert. Zwei Falschfahrten endeten glimpflich, eine hätte böse ausgehen können. Am 29. Januar krachte die Fahrerin eines Fahrschulautos nahe Lichtenfels unter einen Laster, als sie der Geisterfahrerin auswich. Es gab zwei Verletzte. Den 77-Jährigen stoppten Polizeibeamte aus Lichtenfels. Der 76-Jährige bemerkte seinen Fehler und wendete auf der A 73.

Indessen ist der Bereich der neuen Autobahnauf- und abfahrt bei Ebersdorf, wo immer noch gebaut wird, in den Blickpunkt der Polizei gerückt. Dort häufen sich seit Beginn der Bauarbeiten „fehlerhafte Fahrmanöver“, so die Polizei. Gefährliche Situationen kämen auch deshalb zustande, weil Navigationsgeräte die Baustelle nicht erkennen. Polizei und Behörden beraten aufgrund der anhaltenden Unfälle derzeit über Änderungen zur Entschärfung der Gefahrenstelle, sagt der Polizei-Pressesprecher.