LICHTENFELS

Das Risiko ist ständiger Begleiter bei der Fahrt

Ein Feuerwehrauto bei einer Einsatzfahrt: Der Fahrer muss wegen der besonderen Schwerpunkteigenschaften des Gefährts besonders sorgsam unterwegs sein. Foto: eyetronic/Fotolia.com

Für Außenstehende ist es selbstverständlich. Die Eingeweihten wissen aber, dass die Gefahr jedes Mal mitfährt: Wenn die Feuerwehr ausrückt, geht es um Minuten und Sekunden. Vollbeladene Einsatzfahrzeuge, die bis zu 15 Tonnen wiegen, starten mit Blaulicht und Sirene in den Straßenverkehr. Wer dann am Steuer sitzt, trägt eine ganz große Verantwortung. „Feuerwehrfahrzeuge sind aufgrund ihrer speziellen Fahreigenschaften und des daraus resultierenden Schwerpunktes für den Fahrer eine besondere Herausforderung“, sagt Kreisbrandrat Timm Vogler. Er spricht von „kritischer Fahrzeugführung“.

„Die Löschtanks müssen vor dem Einsatz immer bis oben voll sein, um die Schwall-Wirkung des Wassers zu verhindern, die das Gleichgewicht gefährdet.“
Timm Vogler, Kreisbrandrat

Wie schnell und unerwartet bei einem Einsatz oder auch bei einer Übung ein tragischer Unfall geschehen kann, musste die Feuerwehr in Coburg im August vergangenen Jahres erfahren. Bei einer Übungsfahrt kippte ein 18 Tonnen schweres Tanklöschfahrzeug kurz nach der Ausfahrt aus dem FFW-Haus in einer Kurve um. Der junge Beifahrer starb. Es war der Sohn des Fahrers.

Seit dem Unfall laufen die Untersuchungen. Wie konnte es dazu kommen? Der Stadtbrandrat von Coburg berichtete bei einer Sitzung der oberfränkischen Kreis- und Stadtbrandräte im November über den Unfall und unter anderem, dass „er ein besonnener Mensch und ein erfahrener Feuerwehrmann sei“, so Vogler.

Fall Coburg: Fahrer trifft keine Schuld

Vor wenigen Tagen teilte die Staatsanwaltschaft in Coburg mit, dass diesen Mann keine Schuld am Unglück trifft. Der Laster habe bei befülltem Löschtank – das Fassungsvermögen beträgt 4800 Liter – eine „sehr hohe Schwerpunktlage“ gehabt. Diese Konstellation könne auch bei geringen Geschwindigkeiten dazu führen, dass das Gefährt kippt. Der Fahrer sei mit rund 30 Stundenkilometer unterwegs gewesen. Für ihn sei die besondere Gefährdung nicht vorauszusehen gewesen, so die Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen gegen den Fahrer wegen fahrlässigen Verhaltens im Straßenverkehr sind nun eingestellt.

An einen vergleichbaren Unfall mit Feuerwehrfahrzeugen im heimischen Landkreis könne er sich nicht erinnern, sagt Vogler weiter. Aber er könne Derartiges letztlich nie ausschließen. „Das Risiko bei Feuerwehreinsätzen haben wir jeden Tag“, sagt er.

Tonnenschwere Einsatzfahrzeuge wie das Tanklöschfahrzeug TLF-4000, ähnlich dem in Coburg, gehören auch zum Fuhrpark einiger Feuerwehren im Landkreis. Dass sie wegen ihres hohen Schwerpunktes schwierig zu fahren seien, wisse jeder Fahrer, sagt der Kreisbrandrat. Das Risiko bei einer Einsatzfahrt steige, weil Eile geboten und die Fahrer angespannt oder aufgeregt seien. „Untersuchungen haben ergeben, dass die Gefährdung eines Fahrers durch die äußeren Umstände um ein mehrfaches im Vergleich zum Normalfall steigt“, so Vogler. Kaum einer der Einsatzkräfte sei zudem ein Berufskraftfahrer, der täglich einen LKW fährt. „Beim Umgang mit den schweren Fahrzeugen sind sie in der Regel nicht so erfahren.“

Um das Risiko bei Einsatzfahrten so klein wie möglich zu halten, wird geprüft und geübt. „Die Löschtanks müssen vor dem Einsatz immer bis oben voll sein, um die Schwall-Wirkung des Wassers zu verhindern, die das Gleichgewicht gefährdet“, so Timm Vogler weiter. Das gilt nicht nur für die Fahrt zum Einsatz, sondern auch zurück. Das restliche Wasser werde nach Abschluss eines Einsatzes vor Ort in der Regel abgelassen, um Fahrsicherheit auf der Rückfahrt zu gewähren.

Fahrer werden geschult

Damit die Fahrer in der Übung bleiben, werden sie regelmäßig geschult. Jeder Landkreis habe zum Beispiel jährlich rund 50 Übungseinheiten über einen Tag für das Fahrsicherheitstraining im ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Schlüsselfeld (Unterfranken) frei. Dort trainieren jedes Jahr auch die Floriansjünger aus dem Landkreis Lichtenfels. Geschult werden die Fahrer auch mit einem Fahrsimulator, der Feuerwehren aus ganz Bayern zur Verfügung stehe.

Beim jüngsten Besuch am Obermain seien mit Hilfe dieses Instruments innerhalb einer Woche etwa 40 Einsatzkräfte geschult worden, so Vogler weiter. Alle diese Schulungen dienten dazu, die Fahrer für den Einsatzfall zu „sensibilisieren.“