LICHTENFELS

Schmerztherapie künftig in Lichtenfels

Das Helmut-G.-Walther-Klinikum in Lichtenfels. Foto: red

Nachdem die Entscheidung, einige Abteilungen des Bezirksklinikums Obermain in Kutzen-berg zu schließen, zu Beginn des vergangenen Jahres für große Verunsicherung gesorgt hatte, gab es vor kurzem gute Neuigkeiten aus dem Bereich der Schmerzmedizin.

Nach intensiven Gesprächen mit dem bisherigen Kutzenberger Chef des interdisziplinären Schmerzzentrums, Dr. Christoph Sommer, wechselte dieser nun – auch auf Wunsch des Staatsministeriums – ans Regiomed-Klinikum Lichtenfels.

In einer Pressemitteilung informiert das Klinikum, dass Dr. Sommer als Chefarzt ab sofort das Zentrum für Schmerzmedizin leite und sowohl die stationäre als auch die ambulante Schmerztherapie übernehme.

In Zusammenarbeit mit dem von Chefarzt Dr. Klaus Post geleiteten Schmerzzentrum am Regiomed-Klinikum Coburg solle das Leistungsspektrum des Klinikverbundes so verstärkt werden.

Maßgeblich mit aufgebaut

Seit zwölf Jahren ist Dr. Christoph Sommer bereits in der Region tätig und baute als Chefarzt der Abteilung für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie und Leiter des Interdisziplinären Schmerzzentrums die Schmerztherapie am Bezirksklinikum Obermain in Kutzenberg maßgeblich mit auf. Der langjährige Chefarzt ist ein Vertreter der Multimodalen Schmerztherapie, einem modernen Ansatz zur Behandlung chronischer Schmerzen, welchen er nun auch am Klinikum Lichtenfels etablieren möchte.

„Unser multimodales Behandlungskonzept wie auch die interventionelle Schmerzmedizin sind auf viele Facetten ausgerichtet.“
Dr. Christoph Sommer, Chefarzt

Der Begriff „multimodal“ bezeichnet einen ganzheitlichen Ansatz der Schmerztherapie, der neben den körperlichen Beschwerden auch Psyche und Umfeld des Patienten in die Diagnostik und Behandlung mit einbezieht.

Sehr komplexes Krankheitsbild

Chronischer Schmerz gilt als sehr komplexes Krankheitsbild. Viele Studien zeigen, dass die interdisziplinäre Herangehensweise auf lange Sicht medizinisch effektiver und ökonomisch effizienter ist. Breites Leistungsspektrum in der Schmerzmedizin

Der Bedarf für schmerztherapeutische Behandlungsangebote ist laut Regiomed-Klinikum Lichtenfels extrem hoch. Allein in Oberfranken leiden etwa vier Prozent der über eine Million Einwohner unter einer hochchronifizierten Schmerzerkrankung – Tendenz steigend. Als hochchronifiziert wird ein Schmerz dann bezeichnet, wenn er seit mehreren Jahren anhält und bereits Folgen wie Arbeitsplatzverlust oder soziale Isolation eingetreten sind. Mit der Etablierung des Zentrums für Schmerzmedizin in Lichtenfels soll nun das Leistungsspektrum in diesem Bereich innerhalb des Regiomed-Verbundes erweitert werden.

Stationäre Therapie vorgesehen

Während die Behandlung im Schmerzzentrum Coburg tagesklinisch integrativ erfolgt und neben dem multimodalen Verständnis auch einen besonderen Fokus auf ergänzende naturheilkundliche Verfahren legt, ist für Lichtenfels eine stationäre Therapie vorgesehen. Die multimodale Behandlung wird hier zusätzlich durch die interventionelle Schmerztherapie ergänzt. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um die Anwendung von so genannten Schmerzschrittmachern, die bei Patienten mit anhaltenden und bisher nicht ausreichend behandelbaren Nervenschmerzen eingesetzt werden können. Im Vorfeld wird immer abgeklärt, ob zusätzliche Behandlungsangebote wie zum Beispiel die Multimodaltherapie eine sinnvolle Alternative darstellen können. In der Zusammenarbeit der beiden Regiomed-Standorte werde nun das hoch spezialisierte Behandlungsangebot für Patienten mit chronischen und anhaltenden Schmerzen in Oberfranken nochmals erhöht, heißt es in der Pressemitteilung.

Psychologische Gespräche inklusive

In Lichtenfels soll zunächst jeweils eine Patientengruppe mit maximal acht Personen behandelt werden. Das stationäre Programm läuft dabei über drei Wochen und beinhaltet beispielsweise Physiotherapie, Ergotherapie und psychologische Gespräche. Im Rahmen einer Kooperation mit dem Theramed Zentrum für Therapie und Gesundheit in Bad Staffelstein ist auch die medizinische Sporttherapie ein wichtiger Bestandteil der Multimodaltherapie. Ziel ist es, das Schmerzniveau des Patienten dauerhaft zu senken und diesem wieder mehr Mut zur Aktivität zu verleihen.

Co-Therapeutin wechselte mit

Unterstützung erhält Chefarzt Dr. Sommer dabei unter anderem von der Co-Therapeutin Angelika Böhmer, die gemeinsam mit ihm von Kutzenberg nach Lichtenfels gewechselt ist. Das Sekretariat des Zentrums für Schmerzmedizin wird auch zukünftig von Jasmin Hennemann geleitet, die den Patienten ebenfalls bereits aus Kutzenberg bekannt ist. Durch die angegliederte Schmerzambulanz wird zusätzlich zum stationären Behandlungsprogramm auch die ambulante Versorgung der Schmerzpatienten in der Region sichergestellt.

Nachdem klar war, dass die Schmerztherapie am Bezirksklinikum Obermain nicht fortgeführt wird, war die Versetzung nach Lichtenfels Dr. Sommer ein persönliches Anliegen. Aufgrund seiner Mitarbeit in der Weiterbildungsinitiative Allgemeinmedizin und der Anästhesieweiterbildung verbindet ihn mit Lichtenfels bereits eine langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit. Die enge Zusammenarbeit mit den operativen und konservativen Fachbereichen in Lichtenfels sieht der Schmerzmediziner als optimale Voraussetzung für eine interdisziplinär ausgerichtete Behandlung der Patienten. „Unser multimodales Behandlungskonzept wie auch die interventionelle Schmerzmedizin sind auf viele Facetten ausgerichtet“, sagt Dr. Sommer. „Die Aufgabe des Zentrums für Schmerzmedizin ist es, die vielfältigen Aspekte einer chronischen Schmerzerkrankung zu erkennen und in die Behandlung mit einzubeziehen. Mein Team und ich freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen der Fachabteilungen.“

Chefarzt Dr. Christoph Sommer.