LICHTENFELS

Mondscheinromantik und Siedler

Mondscheinpostkarten waren vor einem Jahrhundert sehr angesagt. Auch aus dem Landkreis Lichtenfels sind etliche erhalten geblieben. Foto: Repros: Markus Drossel

War der Staffelberg um das Jahr 1348 bewohnt? Zumindest legt dies der jüngst entdeckte älteste urkundliche Nachweis des „Bergs der Franken“ nahe, der ganz nebenbei satte 50 Jahre weiter in die Geschichte zurückreicht als die bislang bekannten Beweise. Sicher dagegen scheint, dass die Forscher sich bei der Herkunft der Ortsnamen Kleukheim und Krögelhof geirrt haben, die nicht slawischen, sondern nun doch germanischen Ursprungs sind.

Die jüngst erschienene Ausgabe von „Vom Main zum Jura“, der heimatgeschichtlichen Zeitschrift für den Landkreis Lichtenfels, hält für den Interessenten 94 Seiten spannenden Lesestoffs und so manche Überraschung bereit. Namhafte Historiker haben daran mitgearbeitet.

„Die Mitarbeiter an der Zeitschrift sind keineswegs so reich gesät wie die Steine auf den Feldern der Jurahochfläche“: Herausgeber und Archivdirektor im Ruhestand Dr. Josef Urban wählt ein starkes Bild, um sein erlesenes Team zu umreißen. „So ist es erfreulich, wenn aus Lesern der Zeitschrift auch Mitarbeiter werden.“

So geschehen bei Annette Schäfer, Kreisheimatpflegerin für den Landkreis Bamberg, die erstmals mitwirkte. Andere Autoren dagegen sind den Kennern der Zeitschrift „„Vom Main zum Jura“ bestens vertraut. Der Bamberger Genealoge Dr. Joachim Andraschke zum Beispiel, der sich unter anderem der eingangs erwähnten Erforschung der Ortsnamen Kleukheim und Krögelhof widmete. Darüber hinaus untersuchte er die Sage von Wieland, dem Schmied, genauer und beleuchtete die germanisch-deutsche Heldensagengestalt im Spiegel der fränkischen Namenswelt. So lässt sich der Familienname Wieland auch im Landkreis Lichtenfels nachweisen, beispielsweise 1379 in Ebensfeld (Hans Wilant), 1390 in Mistelfeld („Item 23 sol. Wilant“), 1451 in Unterneuses (Heintz Wylant) oder 1497 in Horsdorf (Otten Wilant).

„Die historische Überlieferung verbürgt für das 14. bis 17. Jahrhundert mindestens fünf Höfe auf dem Areal des Staffelberges.“
Dr. Joachim Andraschke, Namensforscher

Einen hoch interessanten Mosaikstein zum noch nicht vollständig erforschten Kriegsende in Weismain steuert Heinz Pfuhlmann aus Gundelsheim bei, den man im Landkreis noch als früheren Rektor des Meranier-Gymnasiums kennen dürfte. Als Berlin in Schutt und Asche fiel, wurden wichtige Akten des Deutschen Patentamts hastig in Sicherheit gebracht. Mehrere Tonnen Bücher und Archivalien landeten auch im Jurastädtchen, wurden dort im früheren Amtsgericht in einem Raum eingelagert, der einst als Gefängnis diente.

Aufsatz über Häuserforschung

Dr. Hubert Kolling aus Unterzettlitz hat seinen Aufsatz der Häuserforschung verschrieben. Er entführt den Leser in den Scheßlitzer Gemeindeteil Wiesengiech, dort in die Pfarrer-Kropfeld-Straße 43. Das dortige, recht unscheinbare Gebäude entstand um das Jahr 1860. Damals wie heute ist es im Besitz der Familie Freudensprung, deren Lebensgeschichte Kolling ebenfalls thematisiert.

Zurück zum Staffelberg und den neuesten Erkenntnissen darüber. Dr. Joachim Andraschke hat im so genannten Urbar B, auch Pesturbar genannt wird, des Bamberger Bischofs Friedrich I. von Hohenlohe aus dem Jahre 1348 einen Herkunftsnamen gefunden, der indirekt den Namen des Bergs enthält: Item Alb(er)tus Staffelberg(er). Jener Hallstadter könnte, so vermutet der Namensforscher, zuvor am oder auf dem Staffelberg gewohnt haben. „Die historische Überlieferung verbürgt für das 14. bis 17. Jahrhundert mindestens fünf Höfe auf dem Areal des Staffelberges“, erläutert er. Es habe sich dabei um Einzelgehöfte gehandelt, die im Zusammenhang mit dem Wein- und Feldbau standen.

Auch dem einst so stolzen Zisterzienserkloster Langheim ist ein Kapitel gewidmet. Nahe des Heimatorts des Zeiler Autors Heinrich Weiser gab es einst den Langheimer Gutshof in Schmachtenberg. So war beispielsweise der Weismainer Gallus Knauer, ab 1690 Langheimer Abt und Neffe von Mauritius Knauer, 1685 als Verwalter des Guts und Seelsorger in Zeil eingesetzt. Außerdem unterstützten die Langheimer Patres Ende des 17. Jahrhunderts den Neubau der Zeiler Kirche.

Stumme Zeitzeugen

Herausgeber Dr. Josef Urban nahm sich stummen Zeitzeugen an, die heute in dieser Form in Vergessenheit geraten sind, vor einem Jahrhundert aber allgegenwärtig waren: Mondscheinpostkarten, die ihren Höhepunkt zwischen 1898 und 1915 erlangten. „Die Darstellung einer nächtlichen Szenerie gehörte damals zu den schwierigsten Aufgaben in Fotografie und Film“, erklärt der frühere Diözesanarchivdirektor. „Bis in die 1940-er-Jahre dauerte es, bis man in Filmen echt wirkende Nachtaufnahmen bewundern konnte.“ Mondscheinpostkarten wecken, damals wie heute, in dem Betrachter eine romantische Stimmung. Ihre Faszination habe sich bis heute erhalten.

Und die neue Autorin Annette Schäfer? Die Kreisheimatpflegerin aus Hirschaid widmet sich einem Projekt, das Historie und Moderne kombiniert, Vorbildcharakter hat und ihrer Meinung nach Ansporn für die Heimatpfleger im Freistaat sein sollte, die Lust auf Beschäftigung mit der eigenen Umgebung noch mehr zu wecken und Menschen für ihre Heimat zu motivieren: dem Historischen Dorfrundgang mit QR-Code in Oberleiterbach.

Bei diesem digitalen Spaziergang durch die Geschichte könne jeder Wanderer, Spaziergänger und jeder Jakobspilger quasi im Vorbeigehen viel Wissenswertes über das 280-Einwohner-Dorf erfahren. Das Besondere: Kein Amt und keine Kommune zeichnet dafür verantwortlich, sondern es waren engagierte Bürger, die in monatelanger Arbeit den Rundweg mit 28 Stationen erarbeiteten (Infos: www.oberleiterbach.de).

Bestellmöglichkeit: Die 26. Ausgabe der heimatgeschichtlichen Zeitschrift „Vom Main zum Jura“ (ISSN: 01787-1558) ist zu beziehen bei Dr. Josef Urban, Schillerstraße 15, 91330 Eggolsheim, E-Mail: josef.urban@yahoo.de. Sie umfasst 94 Seiten und kostet 11,50 Euro.

Im früheren Amtsgerichtsgebäude in Weismain (hier eine Aufnahme aus dem Jahre 1902) waren zeitweise wichtige Akten aus dem Deutschen Patentamt in Berlin eingelagert.
Der 26. Band der heimatgeschichtlichen Zeitschrift „Vom Main zum Jura“ ist vor kurzem erschienen. Foto: Repros: Markus Drossel