LICHTENFELS

Sinnvolle Nutzung oder Zankapfel?

Wohnungen für Asylbewerber könnten in dem leer stehende Haus in der Coburger Straße 20 entstehen. Die Stadt will zur Finanzierung ein Sonderprogramm der Städtebauförderung nutzen. Foto: Gerhard Herrmann

Eine lebhafte Diskussion auf dem Facebook-Auftritt des Obermain-Tagblatts hat der Bericht „Neues Leben nach 30 Jahren Leerstand“ (OT vom 3. Januar 2018) ausgelöst. Mehr als 8000 Mal wurde der Text bis gestern Nachmittag gelesen. Stein des Anstoßes waren die Pläne der Stadt Lichtenfels, das seit drei Jahrzehnten leer stehende Anwesen Coburger Straße 20 mit Mitteln der Städtebauförderungen zu sanieren, um dort Sozialwohnungen für anerkannte Flüchtlinge einzurichten.

So erfreulich dieses große Interesse an der OT-Berichterstattung ist, so bedenklich stimmen manche der mehreren Dutzend Kommentare dazu. Einige musste die Redaktion sogar löschen, da sie gegen unsere Vorgaben zu einem fairen Umgang in der Diskussion verstoßen. Aus diesem Grund weisen wir darauf hin, dass rassistische und volksverhetzende Beiträge auf unserem Facebook-Auftritt grundsätzlich gelöscht werden. Sollte der Facebook-Auftritt für Hass-Kommentare genutzt werden, behalten wir uns auch strafrechtliche Schritte vor.

Appell zur Fairness

Bedauerlich findet die Redaktion auch unsachliche Vorwürfe gegenüber der Stadtverwaltung, viel Geld für die Unterstützung von Flüchtlingen zu investieren, während andere Bürger vergeblich nach günstigen Wohnungen suchten. Denn diese Argumentation geht an der Tatsache vorbei, dass die Stadt so hohe Zuschüsse zur Sanierung des Baudenkmals nur dann erhält, wenn sie dort günstigen Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge schafft, wie Sebastian Müller, Sprecher der Stadt auf Anfrage betonte. Für die Stadt biete sich somit die einmalige Gelegenheit, nicht nur ein Baudenkmal vor dem Verfall zu retten und damit die Innenstadt aufzuwerten, sondern auch etwas Gutes für Menschen in Not zu tun.

Forderung nach mehr Sozialwohnungen

Im Vordergrund der Diskussion auf Facebook steht die Frage, ob die Stadtverwaltung nicht für breitere Kreise bezahlbaren Wohnraum schaffen sollte. So schreibt ein Nutzer: „Gibt es nicht auch Lichtenfelser, die Wohnungsnot und Geldnot haben oder sich eine solche Wohnung besser leisten können oder denen es ebenso 'dreckig' geht?“.

Ein anderer kritisiert, „dass es für Wenigerverdiener keinen bezahlbaren Wohnraum mehr gibt“. „Man sollte meinen, dass für diese erst mal Wohnraum geschaffen wird, die lassen ihr Geld nämlich in der Stadt und verdienen es auch meist da“, schreibt er. „Warum muss das jetzt wieder zu reinem Wohnen umgebaut werden? Wieso versucht man nicht hier wieder ein Geschäft rein zu bekommen? Jammern, dass in der Stadt nix los ist und dann baut man die leerstehenden Geschäfte um“, meint ein Leser. „Denkmalschutz hin, Asylanten her, es macht mich fassungslos, wie hier für einen alten Kasten öffentliche Gelder verschleudert werden sollen“, bedauert ein Leser. Für den gleichen Betrag könnte fast die doppelte Wohnfläche als Neubau geschaffen oder die dreifache Fläche im Bestand saniert werden, gibt er zu bedenken. „Meine Freundin mit drei Kindern sucht seit einem halben Jahr eine Wohnung, die finanziell passt“, ergänzt eine Leserin. Sie fände es sinnvoller, in dem Gebäude Sozialwohnungen für Jedermann einzurichten, da diese sowohl von Flüchtlingen als auch von anderen Geringverdienern genutzt werden könnten. „Warum wird nicht für Familien mit mehr als einem Kind mal bezahlbarer Wohnraum geschaffen?“, fragt ein weiterer Nutzer. Im ganzen Landkreis werde zu wenig bezahlbarer Wohnraum für Familien geschaffen.

Verfall oder Nutzung für Flüchtlinge?

Auch positive Stimmen, die erläutern, dass die Sanierung so stark bezuschusst wird, um Menschen in Not eine Starthilfe zu geben, sind zu lesen. „Sehr gute Idee, eine sinnvolle Nutzung“, schreibt ein Leser. Die Förderung werde nur gewährt, um Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge zu schaffen, andernfalls würde das Gebäude verfallen, gibt eine Leserin zu bedenken. „Ich persönlich finde, dass die Großverdiener, die ihr Geld ins Ausland schaffen und in Steueroasen verstecken, der Bevölkerung und dem Gemeinwohl viel mehr schaden und, dass die Bevölkerung viel mehr dagegen aufschreien sollte, als wenn man Menschen, die fast alles verloren haben ein Zuhause bietet und gleichzeitig einem ansonsten leer stehendem und zum Zerfall verurteiltem Haus einen neuen Sinn gibt“, schreibt sie.

Warum ausgerechnet Berichte über Hilfen für Asylbewerber solche Diskussionen auslösen, wundert sich ein Leser über solche Tendenzen zu Neiddebatten. „Die sozialen Probleme Deutschlands haben mit den Asylanten nicht begonnen und sie werden mit den Asylanten nicht verschwinden“, gibt er zu bedenken.

Ein Bericht über Sozialwohnungen im Landkreis folgt in einer der nächsten Ausgaben.