LICHTENFELS

1296 Menschen ohne Job

Baumaßnahmen wie die anstehende Sanierung von Fahrbahn und Kanal im Hutzelbrunnen in Weismain sorgen für eine gute Beschäftigungssituation in der Baubranche im Landkreis. FOTO: Gerhard Herrmann Foto: Gerhard Herrmann

Obwohl in diesem Jahr der Winter bereits zum Beginn der Adventszeit, jedoch nur für ein paar Tage, mit frostigen Temperaturen und Schnee einzog, blieb der Arbeitsmarkt in den letzten Wochen weitgehend unbeeindruckt davon. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im Dezember lediglich um 0,1 Prozentpunkte. Der Landkreis Lichtenfels verzeichnete den saisonal stärksten Anstieg (+7,0 Prozent), gefolgt vom Landkreis Coburg (+5,2 Prozent), dem Landkreis Forchheim (+3,8 Prozent), der Stadt Coburg (3,0 Prozent), dem Landkreis Kronach mit plus 2,9 Prozent und dem Bamberger Land (+2,0 Prozent).

Der Landkreis Lichtenfels ist von den saisonalen Einflüssen am Arbeitsmarkt stärker betroffen als Städte wie Coburg und Bamberg. Mit dem meteorologischen Winteranfang erhöhte sich die Arbeitslosigkeit daher witterungsbedingt um 85 Personen (+7,0 Prozent) auf 1296. Am Jahresende waren 40 Menschen weniger (-3,0 Prozent) arbeitslos als ein Jahr zuvor. Es verloren 7,3 Prozent weniger Menschen ihre Beschäftigung als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote stieg im letzten Monat um 0,3 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent. Vor einem Jahr lag sie bei 3,5 Prozent.

Beim Arbeitgeberservice gingen aus dem Landkreis Lichtenfels 289 sozialversicherungspflichtige Stellenangebote ein, 76,2 Prozent (+125) mehr als im Vorjahresmonat. Die Vermittlungsprofis betreuen aktuell 1180 Arbeitsplatzangebote, 393 Jobperspektiven (+49,9 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Lichtenfels ist sowohl im Bestands- als auch im Zugangsplus im Vorjahresvergleich der Spitzenreiter unter allen Kreisen und Städten des Agenturbezirks Bamberg-Coburg. Die größten Bestandszuwächse verzeichnen die beiden Berufsbereiche Produktion (+76,6 Prozent) und Bau (+77,8 Prozent).

Unter 3,0 Prozent-Marke

Mit aktuell 2,9 Prozent blieb die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk das gesamte vierte Quartal unter der Marke (3,0 Prozent) zur Vollbeschäftigung. Vor zwölf Monaten lag sie bei 3,1 Prozent. Zum Jahreswechsel waren 9909 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Seit November stieg die Arbeitslosigkeit saisonal bedingt lediglich um 2,9 Prozent (+282 Personen), obwohl sich in der Zeit vor den Weihnachtsfeiertagen normalerweise zunehmend Beschäftigte aus den witterungsabhängigen Außenberufen arbeitslos melden.

Die Arbeitslosigkeit steigt über die Wintermonate dadurch an. In diesem Jahr fiel der jahreszeitübliche Anstieg der Arbeitslosigkeit im Dezember um über ein Viertel (27,5 Prozent) geringer aus als in 2016. Die Arbeitslosigkeit bei den Männern erhöhte sich in den vergangenen vier Wochen um 314 (+6,2 Prozent), da diese vornehmlich in den witte-rungsabhängigen Berufen tätig sind. Bei den Frauen ist sie sogar um 32 (-0,7 Pro-zent) zurückgegangen. Sie liegt bei beiden Geschlechtern jedoch weiterhin deutlich unter dem Vorjahresniveau. Seit dem letzten Jahr hat sich die Zahl der Arbeitslosen um 828 Personen (-7,7 Prozent) verringert.

Im letzten Monat des Jahres verloren 1463 Personen ihre Beschäftigung. Das waren 89 mehr als im November, jedoch 216 oder 12,9 weniger als vor einem Jahr. Das Risiko gekündigt zu werden ist weiterhin geringer als im Vorjahr. Gleichzeitig gelang es 870 Männern und Frauen, die Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zu beenden (76 weniger als im Dezember 2016). „Im Dezember gab es bei den Arbeitslosmeldungen keinen beruflich saisontypischen Schwerpunkt. Man denkt in Hinblick auf die kalte Jahreszeit zuerst an den Baubereich. Dieser lag mit einem Anteil von 12,0 Prozent gerade mal an vierter Stelle.

Der Großteil, mit 23,0 Prozent aller Neumeldungen, betrifft Berufe in Produktion und Fertigung, weitere 19,7 Prozent im Bereich Verkehr und Logistik inklusive Schutz und Sicherheit sowie 12,7 Prozent kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus. Die vier Bereiche machen zusammen aber auch einen hohen Anteil an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Agenturbezirk aus. Zum Jahresende hin zeigt sich der Arbeitsmarkt weiterhin agil auf Expansionskurs“, erklärt Brigitte Glos, Leiterin der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg, die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt.

Die Unterbeschäftigungsquote hat sich gegenüber dem letzten Jahr um 0,4 Prozentpunkte reduziert. Sie liegt bei 4,1 Prozent. Die Unterbeschäftigungsquote berücksichtigt Personen, die zwar nach der gesetzlichen Definition nicht arbeitslos sind, aber dennoch nicht in einem regulären Beschäftigungsverhältnis stehen wie zum Beispiel Menschen, die sich beruflich weiterbilden. Da zum Großteil Fachkräfte bzw. Experten auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind, werden momentan 994 Personen im Bezirk beruflich weitergebildet, um ihre Berufschancen zu optimieren. Das sind 71 oder 6,7 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Der Winter kündigte sich mit seinen ersten Vorboten bereits Ende November an. Jedoch blieben die Temperaturen im Laufe des Dezembers noch die überwiegende Zeit in den Plusgraden. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Arbeitslosigkeit in allen Regionen des Agenturbezirks. Mit Abstand am stärksten verringerte sie sich in den Landkreisen Kronach (-17,3 Prozent) und Bamberg (-17,1 Prozent). In den übrigen Kreisen und Städten liegt der Rückgang prozentual im einstelligen Bereich.

Üblicherweise flaut der Stellenzugang zum Jahreswechsel vor den Feiertagen ein wenig ab. In diesem Jahr ließ die Dynamik am Arbeitsmarkt jedoch nicht nach, sondern legte noch ein wenig zu. Im Dezember bekam der Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg 1663 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplatzangebote gemeldet. Im Vorjahresvergleich ist das ein Anstieg um 206 oder 14,1 Prozent. Aktuell gibt es 1730 mehr Zukunftsperspektiven als vor zwölf Monaten. Der Stellenpool ist mit 7517 Arbeitsplatzangeboten binnen Jahresfrist um 29,9 Prozent gewachsen.

„Die gestiegene Nachfrage verteilt sich auf alle Branchen. Das größte Plus kommt aus dem Baugewerbe. Der Stellenbestand ist in diesem Bereich um 60,7 Prozent gewachsen“, so das Fazit von Brigitte Glos, Leiterin der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg, zur aktuellen Lage am Stellenmarkt.