LICHTENFELS

Neues Leben nach 30 Jahren Leerstand

Wohnungen für Asylbewerber könnten in dem seit Jahren leer stehenden Haus in der Coburger Straße 20 entstehen. Die Stadt will ein Programm der Städtebauförderung zur Finanzierung nutzen. FOTO: Gerhard Herrmann Foto: Gerhard Herrmann

Geschlossen sind die Jalousien des Schaufensters an der Vorderfront, der Putz der Fachwerkfassade an der Seite des Gebäudes bröckelt. Seit fast 30 Jahren steht das Wohn- und Geschäftshaus in der Coburger Straße 20, das der Stadt Lichtenfels gehört, leer. Jetzt bietet ein Sonderprogramm der Städtebauförderung die Möglichkeit, den Leerstand zu nutzen und Wohnungen für anerkannte Asylbewerber zu schaffen, die nur wenig Miete zahlen können.

Bisher waren die hohen Kosten für eine Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes eine unüberwindliche Hürde für die Stadt, wie Kämmerer Johann Pantel erläutert. Rund 800 000 Euro lautet die Kostenschätzung – weitaus mehr als ein vergleichbarer Neubau kosten würde. Einen Zuschuss von rund 550 000 Euro könnte die Stadt aus dem Sonderförderprogramm „Leerstand nutzen – Lebensraum schaffen“ erhalten. Gewährt wird der Zuschuss aus dem gemeinsamen Programm von Bund und Ländern zur Aufwertung von Innenstädten.

Zuschuss von rund 550 000 Euro

Voraussetzung für die Förderung ist die Nutzung des geschaffenen Wohnraums für anerkannte Asylbewerber mindestens sieben Jahre lang, betont der Stadtkämmerer. Es handele sich dabei nicht um eine Flüchtlingsunterkunft, sondern um die Unterbringung von Menschen, die eine Perspektive auf eine Zukunft in der Region haben. Um ihnen den Start zu erleichtern, werde die Kaltmiete maximal 4,50 Euro pro Quadratmeter betragen. So könnten in dem Gebäude fünf kleine Sozialwohnungen mit Größen von 31 bis 50 Quadratmetern für Einzelpersonen oder junge Familien entstehen. Bedarf an Sozialwohnungen bestehe, wie das Landratsamt bestätigt habe. Eine Untersuchung des Gebäudes hat die Stadt bereits vor zwei Jahren bei einem Architektenbüro in Auftrag gegeben. An den Kosten von rund 50 000 Euro beteiligte sich die Städtebauförderung mit 60 Prozent.

Das Haus Coburger Straße 20 hat die Stadt Anfang der 1980-er Jahre im Zuge des Baus des Bürgermeister-Dr.-Hauptmann-Rings zur Entlastung der Innenstadt erworben. In der Denkmalliste ist es als Wohn- und Geschäftshaus aus dem 18. Jahrhundert aufgeführt, wobei vor allem der Werkstattanbau im hinteren Teil mit seiner Fachwerkfassade und dem Sandsteinsockel denkmalwürdig ist, wie Johann Pantel erläutert. Einst war das Gebäude Sitz des Schuhgeschäfts Hofmann. Nicht nur wegen des schlechten baulichen Zustands, sondern auch wegen der Verkehrsbelastung durch die viel befahrene Straße und die Bahnlinie gelang eine Nutzung in den vergangenen Jahren nicht.

„Mit der Sanierung erreichen wir zwei Ziele: Wir beseitigen einen Leerstand und bieten günstigen Wohnraum

für Flüchtlinge.“

Johann Pantel, Stadtkämmerer

Entsprechend den Vorgaben des Denkmalschutzes soll das Eckhaus komplett entkernt und die Fassade sowie möglichst viel alte Bausubstanz erhalten werden. Der Eingang würde von der Coburger Straße weg in die Mitte des Gebäudes bei der öffentlichen Grünanlage verlegt. Dort könnte auch ein Stellplatz oder ein kleiner Hof für die Bewohner entstehen. „Es ist ein enormer Aufwand, daher wurde die Sanierung immer wieder verschoben“, erklärt der Kämmerer. Zumal von den Denkmalbehörden keine große finanzielle Unterstützung zu erwarten sei. Da dabei nur der denkmalpflegerische Mehraufwand gefördert wird – also zusätzliche Kosten, die aufgrund der historischen Bausubstanz anfallen und höher als bei einem Neubau sind – hätte die Stadt allenfalls mit rund 100 000 Euro rechnen können.

„Mit der Sanierung erreichen wir zwei Ziele: Wir beseitigen einen Leerstand und bieten günstigen Wohnraum für Flüchtlinge“, betont Johann Pantel. Wegen seiner Lage an der Kreuzung von Coburger Straße und Bürgermeister-Dr.-Hauptmann-Ring sei die Sanierung des Eckhauses städtebaulich besonders wichtig. Zusammen mit dem Abbruch der maroden Gebäude in der Kirchgasse, wo ein privater Investor einen Gebäudekomplex für betreutes Wohnen, Tagespflege und Arztpraxen errichten will, könnte der nördliche Randbezirk der Altstadt aufgewertet werden.

Stadtrat entscheidet im März

Nachdem der Stadtrat bereits sein grundsätzliches Interesse an dem Vorhaben bekundet hat, könnte der Entschluss für die Sanierung bei den Haushaltsberatungen im März gefasst werden, sagt Pantel. Die Detailplanungen könnten kurzfristig beginnen, nachdem die Städtebauförderung bereits einen Teilbetrag der Fördersumme von rund 180 000 Euro bewilligt habe. Beginn der Sanierung könnte Mitte des Jahres sein. Die Dauer der Bauarbeiten schätzt Pantel auf rund eineinhalb Jahre, so dass die Wohnungen Ende 2019 bezugsfertig sein könnten.

Das Projekt in Zahlen

Das Wohn- und Geschäftshaus Coburger Straße 20 ist als Baudenkmal aus dem 18. Jahrhundert in der Denkmalliste eingetragen.

Kosten der Sanierung: rund 800 000 Euro.

Zuschuss der Städtebauförderung: rund 550 000 Euro.