LICHTENFELS

Immer mehr Barrieren fallen

Rund 10 400 Menschen im Landkreis galten Ende 2016 offiziell als behindert. 7600 davon als schwer behindert. Das heißt, der Grad ihrer Behinderung liegt zwischen 50 und 100. Deren Zahl ist gegenüber 2015 um 180 Menschen gestiegen. Die Hälfte der Menschen mit Handicap ist über 65 Jahre alt.

Rund elf Prozent Anteil, gemessen an der Gesamtbevölkerung bei uns, und die Zunahme der Zahl von Menschen mit Handicap bedeuten eine ständig wachsende Verantwortung für jene Männer und Frauen, die sich ehrenamtlich um die Sorgen, Nöte und Belange der Behinderten kümmern. Stellvertretend für sie zeigte Manfred Robisch am Montag im Kreistag auf, was hinter diesem Einsatz steckt. Der Lichtenfelser ist seit elf Jahren Behindertenbeauftragter des Landkreises.

Rehabilitation, Rente und Pflege

Behindertenbeauftragte verbringen einen erheblichen Teil ihres Einsatzes mit Gesprächen während ihrer regelmäßigen Sprechstunden. Manches lässt sich gleich lösen, aus dem Rest werden weitere Aufgaben. „Mein Sprechstunden werden gut genutzt“, sagt Robisch.

Die meisten Fragen drehen sich bei seinen Besuchern um Anträge in Verbindung mit dem Schwerbehindertengesetz, um Fragen nach Hilfsmitteln und Vermittlung von Hilfsdiensten wie zum Beispiel mobile Dienste, Wohngeld- und Rentenstelle oder Ansprechpartner für Behinderte im Arbeitsbereich. Großer Beratungsbedarf bestehe auch bei den Themen Rehabilitation, Rente und Pflege. Robisch: „Es hat sich herausgestellt, dass ein sehr großer Bedarf an Einzelberatung besteht. Es ist für die Betroffenen nicht immer einfach, sich in den verschiedenen gesetzlichen Bestimmungen zurechtzufinden.“

Viele öffentlich geförderte Bauprojekte hätten dazu geführt, dass er als Behindertenbeauftragter immer häufiger Stellungnahmen zur Einhaltung entsprechender DIN-Normen erstellen müsse. Ein Schwerpunkt dabei sei die Barrierefreiheit. Sie sei elementar: „Sie bedeutet, dass jeder Mensch am Leben in der Gesellschaft teilnehmen kann, ohne an Grenzen zu stoßen“, sagt Manfred Robisch. Barrierefreiheit bedeute nicht nur Rampen, breite Türen oder absenkbare Busse. Gebäude und öffentliche Plätze Arbeitsstätten und Wohnungen, Dienstleistungen und Freizeitangebote müssten so gestaltet werden, dass sie „für alle ohne fremde Hilfe zugänglich sind.“

Auf dem Weg zur Barrierefreiheit

Auf dem Weg zur Barrierefreiheit sei im Landkreis 2017 wieder Etliches vollbracht worden. Robisch nannte den Ausbau verschiedener Rathäuser - Burgkunstadt, Ebensfeld, Hochstadt, Lichtenfels, Marktzeuln, Michelau und Weismain - sowie Schulen und Turnhallen. Bei den Bahnhöfen in Bad Staffelstein und Burgkunstadt sei man auf einem guten Weg. In der Kurstadt gebe es bereits eine Zusage für eine Vorfinanzierung und eine Kostenschätzung. Zwei Millionen Euro inklusive der Ausgaben für das Umfeld des Bahnhofes.

Deutlich mehr behinderte Menschen als offiziell vorgeschrieben sind - rein statistisch gesehen – im Landkreis bei privaten und öffentlichen Arbeitgebern beschäftigt. Die Bundesagentur für Arbeit habe im März dieses Jahres mitgeteilt, dass 1096 Pflichtarbeitsplätze bei privaten Arbeitgebern registriert seien. Hier seien für den Bereich des Landkreises 895 vorgeschrieben. Bei öffentlichen Arbeitgebern seien 95 behinderte Menschen beschäftigt. Das Soll liege hier bei 67, so Manfred Robisch weiter. Die Anzahl von schwer behinderten Mitarbeitern in der Landkreisverwaltung liege mit 17 oder 9,57 Prozent aller Mitarbeiter ebenfalls deutlich über der gesetzlich geforderten Verpflichtung.

400 Menschen in Werkstätten

400 Menschen im heimischen Landkreis seien so schwer behindert, dass sie auf dem ersten Arbeitsmarkt noch nicht vermittelt werden könnten. Sie arbeiten derzeit in insgesamt drei Werkstätten für Menschen mit Behinderung an drei Standorten im Landkreis, in Burgkunstadt (139), Lichtenfels (191) und in Michelau (70). Manfred Robisch: „Die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen sind Teil der Inklusion. Dort haben viele Betroffene die Möglichkeiten, einer geeigneten und erfüllenden Tätigkeit nachzugehen.“

Der Behindertenbeauftragte verwies im Kreistag unter anderem auf die Initiative des VdK mit dem Titel „Barrierefreier Landkreis“. Dem Sozialverband gehören im Landkreis derzeit laut Information des Kreisvorsitzenden Heinz Wittmann über 6000 Mitglieder an. Der VdK hat für seine Aktion einen Leitfaden „Erstcheck für eine barrierefreie Gemeinde“ konzipiert. Unter der Internetadresse www.weg-mit-den-barrieren.de können ärgerliche Barrieren gemeldet werden.