LICHTENFELS

Friedlich und versöhnend

Der Lorenz-Bach-Chor unter der Leitung von Klaus Bormann intonierte das Requiem von Gabriel Fauré. FOTOs: Andreas Welz Foto: Andreas Welz

Am vergangenen Sonntag fand in der Martin-Luther-Kirche in Lichtenfels ein Konzert zum Ende des Kirchenjahres statt. Im Mittelpunkt dieses geistlichen Konzerts stand die Aufführung von Gabriel Faurés (1845-1924) Requiem. Die Totenmesse ist eine Komposition für Sopran- und Bariton-Solisten, vier- bis sechsstimmigen Chor und Orgel. Die Ausführenden waren Stephanie Spörl (Sopran), Andreas Thiel (Bariton), Thomas Meyer (Orgel) und der Lorenz-Bach-Chor unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Klaus Bormann. Zur Einstimmig auf die besinnliche Stunde spielte Bormann die Fantasie über Luthers Choral „Eine feste Burg ist unser Gott“ von Christian Fink (1831-1911).

Das Himmelreich erahnen

Faurés Requiem weicht in mehrerlei Hinsicht von der traditionellen Totenmesse ab. Im Gegensatz zum traditionellen Ablauf der Messe verzichtet der französische Komponist auf eine dramatisierende Darstellung des Jüngsten Gerichts und beschränkt sich auf die Vertonung von dessen letztem Vers, dem „Pie Jesu“. Dagegen fügte er das „In paradisum“ ein, das traditionell bei der Überführung des Leichnams von der Kirche zum Friedhof erklingt.

Insgesamt konnten Chor und Solisten ein friedvolles Bild des Todes zeichnen. In vielen Passagen glitten Moll-Klänge vom Chor in stimmungsvolle Dur-Akkorde und ließen tröstend das Himmelreich erahnen. Die Orgel legte den Klangteppich, auf dem die Chorstimmen ruhig aussingen konnten. Zu den Worten „exaudi orationem meam, hör unser Gebet“ entwickelte sich im ersten Satz ein dynamischer Höhepunkt und verklang im Pianissimo mit den Worten „Kyrie eleison“.

Ruhe und Verklärung lag über dem Sanctus, dem dritten Satz des Requiems. Mit Abstand das beliebteste und bekannteste Stück ist das „Pie Jesu“. Die Sopranistin gab die wiegenden Bewegungen wieder, der an gregorianische Gesänge erinnerte. Faurés hatte es für eine Knabenstimme komponiert. Lyrisch-lieblich, wie das „Pie Jesu endete, begann das „Agnus Dei, das der gesamte Chor mit dem Ruf nach ewiger Ruhe mit drängenden Akkorden bekräftigte.

Schlichte Melodie

Mit dem ruhig schreitenden Bass das „Libera me“, der Satz des Requiems mit dem größten dramatischen Potential, bat der Solobass mit einer schlichten Melodie um die Erlösung vom ewigen Verderben. Der Chor bekräftigt diese Bitte in einem kurzen Nachsatz. Das „In paradisum“ korrespondierte in seiner zarten Klanglichkeit mit dem „Sanctus“. Faures Bild vom Jenseits hatte damals die Menschen befremdet und verwundert auch heute. Das Jüngste Gericht ist keine Abrechnung nach dem Tod, sondern eine zarte Revolution, deren Nuancen mit großer Aufmerksamkeit gehört werden musste.

An der Orgel: Thomas Meyer, Kantor, Organist und Dirigent der Christuskirche in Burgkunstadt. Foto: Andreas Welz