LICHTENFELS

Zu viel Nässe für Fischmarkt

Gähnende Leere am Samstag in der Lichtenfelser Innenstadt. Ein symbolträchtiges Bild. FOTOs: Markus Häggberg Foto: Markus Häggberg

Ab 15 Uhr kroch einem die Kälte in die Knochen. Verkaufsoffener Sonntag samt Fischmarkt standen unter einem trüben Himmel. Regen, Schneeregen, Nässe. Allgemeiner Tenor der Händler: Das Wetter kann man nicht bestellen.

Thorsten Mey ist Veranstalter des Hamburger Fischmarkts auf dem Lichtenfelser Marktplatz. Am Samstag blickte er fragend in den Himmel und hoffte auf den Sonntag. „60, 70 Prozent des Umsatzes passiert am Sonntag“, erklärt der Mann, dem der Brummi mit der Aufschrift „Wurst-Herby“ gehört. Der Sonntag hatte also aufzufangen, was am Vortag nicht an Umsatz erzielt werden konnte. Gekoppelt war mit dem Fischmarkt auch an die von der Aktionsgemeinschaft „Treffpunkt Lichtenfels“ verwirklichte Idee einer Autoschau. Zu denen, die hoffend in den Himmel schauten, gehörte auch Sieglinde Allgaier, Vorsitzende der Treffpunktgemeinschaft.

Doch was sie sah, stimmte sie traurig. „Es ist ein Wahnsinn“, so das von ihr unserer Zeitung gegenüber telefonisch durchgegebene Fazit, welches ihr wiederum andere Händler genannt hätten. 2005 sei das Wetter ähnlich katastrophal ausgefallen, erinnerte sich Allgaier. Kritik am Datum der Veranstaltung lässt sie nicht gelten. „Wir waren zu einem Fischmarkt auch schon hemdsärmelig dagesessen und hatten verregnete Maien.“ Nachdenkliche Worte zum Datum der Veranstaltung gab es am Stand eines Autohandels. „Im November auf einen schönen Tag zu hoffen, ist fast schon naiv“, so ein Mann, der namentlich nicht zitiert werden wollte. Doch wer Sieglinde Allgaier in diesem Punkt beispringen würde, dürfte Thorsten Mey sein. Lichtenfels ist seiner Einlassung nach seit zwölf Jahren ein im Grunde gutes Pflaster für den Abschluss des auf Tournee befindlichen Fischmarkts. Wenn man von einem Mittelwert ausgeht. Doch für sich genommen haben die Tage an diesem Wochenende wohl „schon Geld gekostet“, denn: „Die Leute kaufen ein, die verweilen nicht.

“ Doch so viele Einkäufer wie an freundlicheren Novembern gibt es nicht, obwohl man sich doch wundern kann, dass es bei diesem nasskalten Wetter Menschen in die Stadt zieht.

„Wer auf den Markt fährt und sich über das Wetter beschwert, sollte sich als Pförtner bewerben.“
Thorsten Mey, „Wurst Herby“-Besitzer

Doch es seien nicht unbedingt Lichtenfelser, die es zieht, denn die wären schon am Samstag hier gewesen. Aber eben zu wenige, um zwei angedachte launige Wettbewerbe stattfinden zu lassen. Ein Nachwuchsmarktschreierwettbewerb fiel ebenso ins Wasser wie ein Maßkrugstemmen. An den Sonntagen kämen eher die Besucher aus dem Umland, namentlich aus dem Coburgischen. „Die Autos müssen leer sein!“, sagt Mey im Tonfall zwischen Bestimmtheit und Hoffnung. Die Besucher, die jetzt die Regenschirme aufgespannt haben und sich vor den Laster mit den Verkaufsflächen tummeln, sollen dafür sorgen.

Wettbewerbe fallen ins Wasser

Stimmengewirr, es ist laut, es werden marktschreierische Sprüche geklopft, die Händler witzeln und frotzeln über Mikrofon gegeneinander. Es ist das, was man von ihnen erwartet, die Jungs sind Profis. Doch wenn sie ihre Brummis mit Wurst und Fisch und Käse nicht leer bekommen, betont Mey, „gehen die Lebensmittel zur Tafel“. Geschäftseinbuße. Den Blumenhändler könne es noch ärger treffen, denn der hat keine Tafel als Abnehmer. „Der hat kartonweise für zehn Euro rausgehauen - der hat sonst Müllkosten.“ Schadensbegrenzung nennt Mey die steigende Bereitschaft der Händler, ihre Waren verbilligt anzubieten. Über das Wetter selbst führt hier niemand Klage. Die Jungs und Mädels der Branche sind Profis. Oder wie sagte der Gewürz- und Gurkenhändler Michael Heinze: „Wer auf den Markt fährt und sich über das Wetter beschwert, sollte sich als Pförtner bewerben.“

Die Regale leeren sich, die Kartons auch. Um nicht Waren mitnehmen zu müssen, wurde am Sonntag billiger verkauft. FOTOs: Markus Häggberg Foto: Markus Häggberg
Zwei, die bei ungemütlichen Temperaturen ordentlich zugeschlagen haben: Nadine und Alessandro Kessler aus Weidhausen. Foto: Markus Häggberg
Die Kunden ließen sich in den Lichtenfelser Geschäften die Stimmung nicht vermiesen. Foto: Conny Herrmann
Auch Automobilfreunde kamen auf ihre Kosten.
Für die kleinen Gäste drehte sich ein buntes Karussell.