HOCHSTADT

Dem Fischsterben den Kampf angesagt

Großes Interesse herrschte bei den Vertretern der Ämter und Gemeinden bei der Vorführung am Baggersee in Hochstadt. FOTOs: Andreas Welz Foto: Andreas Welz

Seen und Flüsse, Feuchtwiesen und Wälder prägen das Landschaftsbild am Obermain. Die Natur ist noch intakt, Artenreichtum in Fauna und Flora bescheren den Menschen eine hohe Lebensqualität. Die Idylle aber ist in Gefahr: Die vielen Baggerseen in der Region altern und drohen zu verlanden, wenn sie nicht in Verbindung mit dem Main oder anderen Fließgewässern in Verbindung stehen. Eine Katastrophe kündigte sich bereits in den vergangenen Jahren mit dem Fischsterben in einigen heimischen Baggerseen an. Besonders massiv war das Fischsterben im Westsee bei Bad Staffelstein sowie im Naturbad, dem Ebensfelder Baggersee.

Baggerseen ein Sonderfall

Baggerseen stellen einen Sonderfall dar. Sie sind oft zumindest in den ersten Jahren ihrer Existenz nur gering bis mäßig mit Nährstoffen belastet. Die Ursache hierfür ist die fast ausschließliche Speisung mit sauerstoffarmem Grundwasser, welches vor Eintritt in den See die Bodenschichten durchfließt und dort keinen Luftsauerstoff aufnimmt. Diese geringen Sauerstoffmengen werden im Baggersee dann schon durch schwache Sauerstoffzehrung sowie chemische Reaktionen ganz verbraucht. Die Folge: Den Fischen fehlt der Sauerstoff, sie können nicht überleben.

„Wir konnten einen weiteren Feuerwehreinsatz wie 2016 verhindern, was auch der Gemeinden große Kosten erspart.“
Dieter Geyer, Vorsitzender Hochstadter Sportfischer

Die Sportfischer am Hochstadter Baggersee haben den Kampf um das Fischsterben aufgenommen. Sie wehren sich gegen den naturbedingten tödlichen Kreislauf. Sie haben sich eine Umwälzpumpe angeschafft, die seit April 2017 am Baggersee im Dauereinsatz ist. Durch das Umwälzen des Wassers von den sauerstoffarmen unteren Schichten am Seegrund zur sauerstoffreichen Oberfläche kann ein „Umkippen“ des Baggersee vermieden werden, hoffen die Petrijünger.

Am vergangenen Wochenende führten sie die Anlage den Verantwortlichen des Landkreisamtes, des Wasserwirtschaftsamtes und der Gemeinde Ebensfeld vor. „Wir konnten einen weiteren Feuerwehreinsatz wie 2016 verhindern, was auch der Gemeinden große Kosten erspart“, sagte der Vorsitzende des Vereins der Sportfischer Hochstadt-Marktzeuln, Dieter Geyer. Er erinnerte an die Großeinsätze von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk im vergangenen Jahr, die versuchten hätten, die Seen mit Sauerstoff zu versorgen.

Plötzlich wieder viele Jungfische

Ein weiterer positiver Nebeneffekt sei ein schon fast explosionsartiges Aufkommen an Jungfischen wie Hecht, Barsch, Zander und Weißfischen. Durch das Bewegen des Wassers finde ein Austausch mit der Luft statt. Es werde wieder mit Sauerstoff angereichert, so Geyer. Dafür lasse sich der der Verein allerhand kosten. „Allein die 11-kW-Pumpe verbraucht für knapp 400 Euro Strom im Monat“, sagte Kassierer Lothar Kuschel. Rohrleitungen und Saugkorb, Temperaturfühler, ein eigens angelegter Ponton und eine mobile Schutzhütte seien angeschafft worden.

400 Euro Stromkosten im Monat

Gewässerwart Michael Geyer erläuterte ausführlich das System und lieferte genaue Messdaten über Wassertemperatur und Sauerstoffgehalt, die er seit März fast täglich notiert hat. Er hatte beobachtet, dass erstmalig seit langem im Sommerhalbjahr die Sichttiefe einen Meter betrug, oft waren es nur 30 bis 50 Zentimeter. „Durch den ständigen Nährstoffnachschub von unten ging den Algen das Futter nie aus. Die Nahrungskette wurde immer er in Gang gehalten“, stellte er fest. Es hätte früher Phasen gegeben, in denen man bis auf den Grund schauen konnte.

„Wir vermuten, dass in diesen Jahren viel Fischbrut durch das klare Wasser verhungert ist“, sagte der Gewässerwart. Der Schlamm sei am Saugkorb bei Inbetriebnahme der Pumpe schwarz und stinkend gewesen, wurde aber dann immer heller und relativ geruchsneutral.

Respekt zollte die Biologin des Wasserwirtschaftsamtes Kronach, Dr. Gabriele Trommer: „Hintergrund des Fischsterbens ist, dass durch die starke Vermehrung und das Absterben von Algen den Gewässern der Sauerstoff entzogen wird, den die Fische zum Leben brauchen.“ Auf viele Fragen des Gewässerwarts musste sie passen. Zum Beispiel, ob über Jahre eine Verbesserung des Gewässergrundes eintrete, zum Beispiel durch Schlammabbau durch Mineralisierung. Die Ergebnisse der Wasserumwälzung müssten abgewartet werden, so die Biologin.

Als Ursache des Fischsterbens geht das Wasserwirtschaftsamt Kronach von Sauerstoffmangel aus, verursacht durch die starke Algenblüte in den Wochen zuvor. „Wegen der sommerlichen Temperaturen hatten sich die Algen stark ausgebreitet, doch durch einen Wetterumschwung begannen die Wasserpflanzen die Sauerstoffproduktion einzustellen und teilweise abzusterben, was den jeweiligen See umkippen ließ“, erklärte Abteilungsleiter Matthias Trau.

Tiefenwasserabzug geplant

Eine neue Idee der Sportfischer am Hochstadter Baggersee ist, einen Tiefenwasserabzug am Auslauf des Sees in den Main unterhalb des Wehrs zu installieren. Dabei wird zwischen dem tiefsten Punkt am Grund des Sees und der Stelle des oberflächlichen Abflusses eine Röhre verlegt. Der natürliche Abfluss wird geschlossen, so dass nur das nährstoffreiche Tiefenwasser durch die Röhre abfließen kann. „Das müsste allerdings vom Landratsamt genehmigt werden“, warf Rainer Zimmer vom Umweltamt ein. Bernd Lindner vom Amt für Sicherheit und Ordnung gab auch Fischereirechte zu bedenken. Da auch der Main mit einem hohen Nährstoffgehalt „belastet“ sei, könnte sich das auf die dortige Fischpopulation auswirken.

Die Pumpe saugt das Tiefenwasser an (grüne Leitung) und drückt es an die Oberfläche des Sees (rote Leitung). Temperaturfühler wurde am Grund und an der Oberfläche installiert (Orange). Foto: Andreas Welz
Umwälzverfahren am Baggersee Hochstadt entwickelt und installiert: (v. li.): Jugendleiter Frank Kellner, Vorsitzender Dieter Geyer, Kassierer Lothar Kuschel und Gewässerwart Michael Geyer. Foto: Andreas Welz