LICHTENFELS

Menschenkette gegen neue Masten

Vor Ort versuchen die Gegner der neuen Stromtrasse die Dimension der Masten deutlich zu machen. Foto: red

Der Bund Naturschutz und die SPD-Kreistagsfraktion haben zu einer Aktion gegen den weiteren Ausbau von Stromtrassen im Landkreis Lichtenfels aufgerufen. Am Sonntag trafen sich Bürger, die gegen eine weitere Stromtrasse sind in den Rodach-Auen zwischen Zettlitz und Redwitz.

Mit einer „Nachbildung“ eines Hochspannungsmastes wurde der durch eine zusätzliche Stromtrasse entstehende Landverbrauch und die Umweltzerstörung vor Augen geführt. Dafür bildeten alle an der Aktion Beteiligten auf einer Ackerfläche neben einer bestehenden Hochspannungstrasse mit einer Menschenkette die Umrisse eines Hochspannungsmastes nach.

Durch Foto- und Filmaufnahmen aus der Luft konnte die Dimension dieses geplanten gravierenden Einschnittes in die Natur veranschaulicht werden, schreiben die Initiatoren in einer Pressemitteilung.

Sieben Stromtrassen in Redwitz

„Redwitz ist jetzt schon mit sieben Stromtrassen belastet, mehr geht nicht“, machte der Ortsvorsitzende der SPD Redwitz, Jochen Körner, deutlich. Unter den Kürzeln P44mod, P44 Variante 2, P44 Variante 2+ und P44 Variante 3 verbergen sich Hochspannungsleitungen von Remptendorf/Thüringen nach Redwitz und weiter nach Würgau beziehungsweise nach Schwandorf. Dabei handelt es sich nicht um ein lokales Problem in Redwitz, so der Initiator Dr. Arnt-Uwe Schille: „Die Trassen werden in Redwitz gebündelt und betreffen viele Flächen des Landkreises Lichtenfels.“

„Die Trassen werden in Redwitz gebündelt und betreffen viele Flächen des Landkreises Lichtenfels“
Dr. Arnt-Uwe Schille, Initiator

Dies gelte im Landkreis Lichtenfels für das Steinnachtal von Beikheim über Mannsgereuth nach Redwitz, weiter Richtung Würgau für den Bereich Hochstadt bis Isling mit dem „Jura“ Mönchkröttendorf, Lahm bis Rothmannsthal und Richtung Schwandorf für den Bereich von Obristfeld nach Ebneth. Geplant sei der Bau einer zusätzlichen Hochspannungstrasse oder die Erweiterung (das bedeutet Vergrößerung der Masten) einer bestehenden Leitung. Eine solche Stromtrasse benötigt einen mindestens 70 Meter breiten Korridor, der in Form von Waldschneisen und nicht mehr nutzbaren Flächen verbraucht werden würde. Bei parallel laufenden Trassen ist zusätzlich ein Mindestabstand von 100 Metern einzuhalten.

Keine Verlegung im Boden möglich

Da es sich um eine Wechselstromtrasse handelt, ist die Möglichkeit einer Verlegung im Boden nicht möglich. „Es ist vollkommen unverständlich, dass der Netzentwicklungsplan eine weitere Stromtrasse einplant, obwohl vor zwei Jahren erst eine neue Hochspannungs-straße nach Redwitz gebaut worden ist“, sagte Landratskandidat Dr. Schille.

Bürger mitnehmen

„Wenn wir etwas erreichen wollen, dann ist es wichtig, den Bürger mitzunehmen“, so der Kreisvorsitzende Lichtenfels des Bund-Naturschutzes Anton Reinhardt. Mit den vorgestellten Plänen gelänge die Energiewende nicht, da sie dem Bürger nicht vermittelt werden kann. Bayern- und deutschlandweit „gelingt die Energiewende nur gemeinsam“. Dafür seien die drei „E“ wichtig: Energieeinsparung, effiziente Energienutzung und eine dezentrale Energiegewinnung, so Reinhardt.

Das Stichwort Dezentralisierung war ein wichtiger Anstoß für die Aktion in den Rodach-Auen. Redwitz als Knotenpunkt sei über die Gebühr belastet und es gelte auch mit Hilfe der Bevölkerung ein Zeichen zu setzen. Es gehe nicht um das „Floriansprinzip“, sich lokal allem zu verweigern, betonte Dr. Schille. „Doch nur eine breit in der Fläche aufgestellte Energiegewinnung und intelligente Stromverteilung“ sei für das Gelingen und die Akzeptanz der Energiewende notwendig.