LICHTENFELS

Neubau muss noch etwas warten

Das Haus Marktplatz 2 soll nun doch nicht abgerissen werden. Foto: Andreas Welz

Bei der Sitzung des Stadtrats am Montag wurde der Beschluss des Bauausschusses vom 11. Juli gekippt und das Bauvorhaben Marktplatz 2, Abriss und Neubau, gestoppt. Nach Veröffentlichung der Planung im Obermain Tagblatt vom 12. Juli regte sich massiver Widerstand. Nicht nur einige Bürger, sondern auch die Kultur- und Heimatpflege konnten den Neubau eines gleich großen modernen Geschäftshauses an dieser exponierten Stelle neben dem Rathaus nicht akzeptieren.

Zwei Gegenstimmen

Um sicherzustellen, dass sich das neue Gebäude bestmöglich in das bestehende Ensemble am Marktplatz einfügt, wird nun ein beratendes Expertengremium eingerichtet. Rita von Frantzky von der „BayernGrund Grundstücksbeschaffungs- und Erschließungs-Gesellschaft“ riet zur Schaffung eines temporären Gestaltungsbeirats. Diesem würden unabhängige Architekten angehören, die Erfahrung im Bereich der städtebaulichen Entwicklung mitbringen. Mit zwei Gegenstimmen wurde der Vorschlag angenommen.

Frank Rubner (CSU) verwies darauf, dass aufgrund des Beschlusses des Bauausschusses eine Baugenehmigung nicht zu versagen sei. „Warum also die Sache noch einmal behandeln?“, fragte er und stimmte gegen den Beschlussvorschlag. Auch Bernhard Christoph sagte nein. Er kann sich mit einem Gestaltungsbeirat nicht anfreunden. Er schlug vor, einen Architektenwettbewerb auszuloben.

Bürgermeister Andreas Hügerich und Rita von Frantzky hielten dem entgegen, dass ein solcher Wettbewerb bis zu 100 000 Euro kosten könnte, der Beirat dagegen nur mit 20 000 Euro die Stadtkasse belasten würde. Auch der Bauherr die Firma R+G Beteiligungs GmbH (Hofmann Gruppe) habe sich von diesem Verfahren distanziert und den temporären Gestaltungsbeirat gemeinsam mit der Bezirksregierung Oberfranken, dem Landrat und dem Bürgermeister entwickelt. Von Frantzky erläuterte die Aufgaben des Gestaltungsbeirats. Diese Fachleute würden von der Stadt Lichtenfels berufen, unterstützt werde die Kommune bei der Suche nach geeigneten Kandidaten von der Bayerischen Architektenkammer.

Aufgabe des Gremiums werde es sein, sich die Baupläne anzuschauen und Vorschläge zu machen, damit das neue Gebäude mit dem bestehenden Stadtbild harmonieren und einen stadtbildprägenden Charakter haben wird. Ziel sei, dieses lokale Projekt auf eine breite Basis zu stellen und damit für Transparenz und Akzeptanz sorgen solle.

Experten-Gremium

Die Mitglieder des Gestaltungsbeirats sind Dietrich Fink (München), Marianne Mang (Ingoldstadt) und Peter Brückner (Tirschenreuth/Würzburg). Die Stadt Lichtenfels entsendet die drei Bürgermeister und den Leiter der Hochbauabteilung, Ulrich Sünkel. „Der Bauherr darf nicht im Beirat vertreten sein, da sonst die Entscheidung beeinflusst werden könne“, machte von Frantzky deutlich. Den Einwand einiger Stadträte „Was passiert, wenn der Bauherr die Pläne ablehnt?“ ließ sie nicht gelten: „Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagte sie. Die Kosten bezifferte sie auf 20 606 Euro.

Vom 4. bis 13. Oktober ist ein Termin vor Ort mit einer Vorbesprechung vorgesehen. Die Vorstellung erfolgt vom 16. bis 20. Oktober in einer nichtöffentlichen Sitzung des Stadtrates, der eine zweite nichtöffentliche Sitzung in der Zeit vom 20. bis 24. November folgen wird. In der Dezembersitzung wird das Projekt in einer öffentlichen Sitzung des Stadtrates vorgestellt.

Der Bürgermeister gab im Rahmen einer Dringlichkeitsverordnung die Vergabe der Sanitäreinrichtungen für den Neubau des Verwaltungs- du Lagergebäudes der Stadtwerke Lichtenfels an die Firma Limmer und Söllner in Altenkunstadt zum Angebotspreis von 107 055 Euro bekannt.

Die Bauarbeiten im Gewerbegebiet Seubelsdorf laufen auf Hochtouren. Hier könnte ein neuer Nahverkehrshaltepunkt der Bahn entstehen.