Wort der Besinnung: Christen-Domino – eine wirklich gute Idee

Wort der Besinnung: Christen-Domino – eine wirklich gute Idee

Kürzlich las ich im Vorbeigehen in einem kirchlichen Magazin nur die Überschrift: Christen–Domino. Da ich keine Zeit hatte, las ich nicht weiter, schüttelte nur mit dem Kopf und dachte, „was es nicht alles gibt: Lutherkekse, Lutherbonbons, Luthersocken, und jetzt auch noch Christen-Domino. Das ist sicher wieder so eine Vermarktungsidee für nach dem Reformationsjubiläum.“

Ich dachte mir nichts weiter dabei, doch vorgestern bekam ich es wieder in die Hand, das Magazin, und las nun weiter: „Wenn alles umkippt, standhaft bleiben: ,Ja? sagen, wenn alles ,Nein? sagt, aufstehen, wenn alles ,egal? sagt, auf dem Boden bleiben, wenn alles abhebt, glauben, wenn alles beliebig ist, weil siegt, wer Gottes Wort treu bleibt.“

Ich dachte eine gute Zeit darüber nach, las immer wieder diesen Satz und dachte bei mir, das ist ein gutes „Spiel“, gerade weil es kein Spiel ist. Schließlich kennen wir es doch in der Regel alle: Einer kippt um mit seiner Meinung, in seiner Standhaftigkeit und plötzlich tut man es selbst dem anderen gleich. „Wenn jener nicht seine eigene Meinung vertritt, wenn sie selbst nicht für Gerechtigkeit eintritt, wenn sogar Politiker und anerkannte Gemeindemitglieder die Unwahrheit sagen, nur an sich denken, dann ich doch erst recht.

Das ist nichts anderes als der berühmte Domino-Effekt. Und wir kennen ihn alle.

Aber christlich ist das nicht. Christen-Domino geht anders. Ich hatte mir das noch nicht wirklich so bildhaft vorgestellt. Wenn alles umkippt, dann sollten Christen in der Tat standhaft bleiben, nicht ehrgeizig stur, sondern standhaft, eben stehen bleiben und klar Position beziehen, den Mitmenschen nicht im Regen stehen lassen, weil es alle tun, weil das Leben nun mal so ist. Für Christen gelten andere Maßstäbe, andere Regeln, das muss man sich immer wieder klar machen. Für uns gelten nicht nur die Zehn Gebote, die überwiegend sinnvolle Regeln für ein gutes Leben sind, sondern auch das Gebot der Nächstenliebe, der Feindesliebe, so dass sogar Sätze gelten: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Das heißt in der Tat, anders handeln, als man es gemeinhin tut.

Spannend fand ich bei dem Gedanken den Schluss: „weil siegt, wer Gottes Wort treu bleibt“. Ein Satz zum Kauen und das mitten im Hochsommer. Vordergründig mag das nicht so sein. Wer für den Schwächeren eintritt, bekommt oft genug auch Hiebe. Wer ,Ja? sagt, wenn alle ,Nein? sagen, wird oft für dumm gehalten. Wer aufsteht, wenn alles ,egal? sagt, wird belächelt. Wer auf dem Boden bleibt, wenn alles abhebt, wird als Miesmacher hingestellt. Wer glaubt, wenn alles beliebig ist, wird als weltfremd betitelt.

Und doch: Wer all das tut, siegt letztlich doch, denn das eigene, das innere Gefühl gibt mir Recht. Mein Gewissen, von dem Luther sagt, dass sich darin die Distanz zu Gott zeigt, ist beruhigt, wenn nicht sogar glücklich, denn anderen Menschen beizustehen, sich als Christ zu erkennen zu geben in Wort und Tat, das erwärmt von innen das Leben. Das gibt Kraft und Mut, ein richtig gutes Gefühl, das eines Siegers.

Christen-Domino – eine wirklich gute Idee!

Anne Salzbrenner, evangelische Pfarrerin, Lichtenfels