GRUNDFELD

„Tomaten sind meine Rosen“

Tomaten soweit das Auge reicht: Sogar unterm Dach der Laube hat Helga Dressel ihre Lieblinge platziert. Eine alte Hobelbank ihres Vaters hat sie als Blickfang davor platziert. Bei Führungen durch ihren Garten trägt die Grundfelder „Tomaten-Frau“ ihren roten Hut. Foto: Gerhard Herrmann

Statt Blumen bekommt Helga Dressel von ihren Freunden Tomaten geschenkt. Und von Reisen bringt die Gartenfreundin aus Grundfeld als Andenken seltene Sorten der sogenannten Liebesäpfel mit. Insgesamt 220 Sorten hat sie seit 17 Jahren zusammengetragen. Die hütet sie zwar wie Schätze, doch gerne teilt sie sie mit anderen. Dazu hat sie eine Ausbildung zur „qualifizierten Gästeführerin Gartenerlebnis Bayern“ an der Gartenakademie in Veitshöchheim absolviert. Die Besucher führt sie dabei nicht nur in die Welt der Tomaten ein, sondern zeigt ihnen bei einer Verkostung auch, wie viel Genuss ein Garten schenken kann.

Kurs an der Gartenakademie

Töpfe mit Tomatenstauden drängen sich unter jedem Dachvorsprung auf dem Grundstück der Familie Dressel in der Schönthalstraße in Grundfeld. Schon am Eingang leuchten dem Besucher die roten Früchte entgegen. Kombiniert mit Stauden und alten Wagenrädern, vermitteln sie das Flair eines Bauerngartens. Rund ums Haus stehen die Tomatenpflanzen in Reih und Glied, an der Laube ranken sie mit Weinreben um die Wette, und am Gartenschuppen recken sie ihre Triebe zur Sonne.

„Meine Tomaten sind meine Rosen“, sagt Helga Dressel. Dieses Motto ist auch der Titel der Facharbeit, die sie im Rahmen der Ausbildung zur Gästeführerin an der Gartenakademie verfasst hat. Akribisch hat sie über ihr Lieblingsgemüse recherchiert und Wissenswertes zusammengetragen. Von der Historie des Tomatenanbaus in Europa, wo die Pflanze im Mittelalter nur zur Zierde gehalten wurde, über botanische Erkenntnisse bis hin zu Zucht und Verarbeitung der Früchte, reichen ihre Ausführungen. Auch das Konzept der Gästeführungen im eigenen Garten hat sie in der Arbeit aufgenommen. Die Facharbeit ist der Abschluss ihrer Ausbildung an der Gartenakademie in Veitshöchheim, für die sie ein halbes Jahr lang Wochenendkurse besucht und alles rund um Gärten, ihre Bewirtung, die Pflanzenverwendung und Marketing gelernt hat.

„Die Natur ist ein großer Garten, und das hier ist mein kleines Zimmer darin.“
Helga Dressel, Qualifizierte Gästeführerin Gartenerlebnis

Auf die Idee, ihr grünes Paradies für Gäste zu öffnen, brachte sie Kreisfachberater Michael Stromer, der bei einem „Tag der offenen Gartentür“ nicht nur über ihre Tomatenzucht staunte. Damit rannte er bei der gelernten Arzthelferin offene Türen ein, denn vorher hatte sie schon vereinzelt Wanderern, die beim Blick über den Gartenzaun neugierig geworden waren, ihre Schätze gezeigt.

Rosen und Stauden neben Gemüse

Denn was Helga Dressel und ihre Familie aus dem rund 850 Quadratmeter großen Grundstück am Ortsrand von Grundfeld geschaffen haben, ist ein Musterbeispiel dafür, wie Nutz- und Ziergarten auf kleinem Raum ansprechend kombiniert werden können. Blickfang im Zentrum ist ein Fischteich, auf dem die Seerosen mit den umliegenden Stauden um die Wette blühen. Ein Wasserlauf plätschert vor der Terrasse, die von Kübeln mit Zitronen-, Feigen- und Lorbeerbäumen gesäumt wird – dazwischen glänzen grüne Bananenblätter. Rosen und Lavendel harmonieren mit Tomaten und anderem Gemüse in den angrenzenden Beeten. Und in vier Hochbeeten kultiviert Helga Dressel nicht nur Kräuter, wie Zitronenthymian und Basilikum, sondern auch Kürbis, Salat, Kohlrabi und Bohnen in sicherer Entfernung von Schnecken und anderen Schädlingen. Nach den Prinzipien der „Vierfelderwirtschaft“ wechselt sie alljährlich die Bepflanzung, damit die Erde nicht ausgelaugt wird, was Dünger spart. Denn die Hobbygärtnerin setzt auf biologischen Anbau ohne Chemie und Pestizide. Allerlei Obstbäume fassen den Garten harmonisch ein.

„Die Natur ist ein großer Garten, und das hier ist mein kleines Zimmer darin“, betont Helga Dressel. Besonders stolz ist sie auf die Aussicht: Staffelberg, Spitzberg und Alter Staffelberg bieten einen malerischen Hintergrund für ihr grünes Reich. Wichtig ist es Helga Dressel daher auch, den Gästen die Schönheit der Landschaft zu vermitteln und die Erkenntnis, dass ein Garten nicht nur Arbeit macht, sondern auch ein Ort der Erholung ist, indem man vom Alltagsstress abschalten und zur Ruhe kommen kann.

Schon von Kind an hat Helga Dressel gerne im Garten gearbeitet – damals noch bei den Eltern in Seubelsdorf – und dabei viel gelernt. Und früh hat sie die Liebe zu Tomaten entdeckt, weil sie gut schmecken und so vielfältig sind. Ihre Lieblingstomate „Moneymaker“ ist wegen der feinen Härchen auf den Blättern so robust, dass sie sogar ohne Abdeckung im Beet gedeiht und dabei keine Spur von Krautfäule zeigt. Stolz ist Helga Dressel auch auf die 54 Früchte, die eine einzige Pflanze voriges Jahr getragen hat.

Blindverkostung: Eigene Früchte vorn

Ob rot, rot-grün-geflammt, lila, gelb oder grün – jede Sorte hat ihre Vorteile und ihren unverwechselbaren Geschmack, wie Helga Dressel erläutert. Aus süßlichen grünen Früchten kocht sie sogar Marmelade. Neben der richtigen Düngung und der Pflege – dem Ausgeizen von Seitentrieben und Entfernen von fleckigen Blättern bei feuchtem Wetter setzt sie auf historische Sorten, die sich seit mindestens 50 Jahren bewährt haben. Darunter auch Raritäten wie die traditionelle San Marzano aus Neapel, die sie bei einer Reise von einer alten Frau geschenkt bekommen und durch die Gewinnung von Samen vermehrt hat, oder Urformen aus Mexiko. Gemeinsam ist den Früchten aus ihrem Garten, dass sie besser schmecken als die auf Haltbarkeit getrimmten F1-Hybrid-Tomaten aus dem Supermarkt. Das bestätigen ihr auch die Gäste bei den Blindverkostungen.

Gartenerlebnis

Hobbygärtner, Tomatenliebhaber und Freunde, die es werden wollen, lädt Helga Dressel zu Führungen in ihren Garten in der Schönthalstraße 22 in Grundfeld ein. Die qualifizierte Gästeführerin Gartenerlebnis Bayern erläutert bei einem informativen Spaziergang (etwa 90 Minuten) nicht nur ihre große Sammlung alter Tomatensorten, sondern vermittelt auch viel Wissen rund um den Garten. Eine gesellige Verkostung von Tomaten und aus ihnen selbst hergestellten Produkten krönt die Führungen.

Anmeldung für die Führungen zwischen Ende Juli und Ende September unter Tel. (09571) 71 783 oder per Mail an Schoenthalgarten@web.de.

Ein kleiner Bachlauf und ein Fischteich beleben den Garten von Helga Dressel. Auch Exoten wie ein Olivenbaum, Feigen und Zitronen gedeihen hier in Töpfen. Foto: Gerhard Herrmann
In Lila und Orange leuchten die Früchte der Tomate Bosk Bleu – ein Hingucker in jedem Salat. Foto: Gerhard Herrmann