LICHTENFELS/THELITZ

Die Kugel ins Netz bugsieren

Tanja Ender beim Snooker: Momentan wird sie in der Frauen-Weltrangliste geführt. FOTO: Monique Limbos Foto: Monique Limbos

Wie heißt die Sportart, bei der das Spielfeld regelmäßig gebügelt und nach jedem Wettkampfspiel gebürstet werden muss? Die Antwort kennen wohl nur jene, die damit zu tun haben. Tanja Ender aus Thelitz weiß, wie wichtig ein einwandfreies Tuch auf einem Snooker-Tisch ist. Snooker, der Präzisionssport mit den 15 roten und sechs andersfarbigen Bällen, hat sie in den Bann gezogen. Mit ihrem Mann trainiert sie regelmäßig. Thomas Blang sorgt in regelmäßigen Abständen auch dafür, dass der einzige wettkampffähige Snooker-Tisch im Landkreis in der „Spielkiste“ in Lichtenfels stets glattgebügelt und in Schuss bleibt. Die Thelitzerin hat Erfolg: Sie hat es bis in die Frauenweltrangliste geschafft.

Das Ehepaar verbringt viel Zeit gemeinsamen beim Spiel mit dem Queue an dem Tisch mit dem grünen Filz, der enorm schwer und massiv ist und dessen Spitzenausführungen über 10 000 Euro kosten.

„Ich spiele mit Spaß. Ich brauche keinen Stress.“
Tanja Ender über ihr Snooker-Spiel

Snooker ist in Deutschland verhältnismäßig wenig verbreitet. Frauen sind als Teilnehmerinnen bei höherklassigen Turnieren zudem die Ausnahme. Es gibt im ganzen Jahr ein einziges Damen-Weltranglistenturnier in Deutschland, das Paul Hunter Ladies Classic in Nürnberg. Just bei diesem Wettbewerb feierte Tanja Ender im vergangenen Jahr ihren bisher größten Erfolg und kassierte auch ihre erste Prämie. Sie erreichte die Runde der letzten 16. Seitdem wird sie auf der Weltrangliste der WLSB (World Ladies Billards and Snooker) auf Platz 63 geführt.

Kurz vor dem Turnier hatte sie mit dem World-Snooker-Trainer Ole Steiner in Lichtenfels trainiert. „Er hat gesagt, dass meine Frau sehr großes Talent hat,“ erzählt Thomas Blang. Leider, so der Startrainer weiter, habe die Thelitzerin zu spät mit dieser Sportart begonnen.

Tanja Ender macht es nichts aus, dass ihre Gegner und Gegnerinnen seit 20 und mehr Jahren Snooker betreiben. 2011 hat sie, einen Geburtstagswunsch ihres Mannes erfüllend, mit dieser technisch schwierigsten Variante des herkömmlichen Billard-Spiels begonnen. „Ich spiele mit Spaß. Ich brauche keinen Stress“, sagt sie. Dabei weiß sie sehr genau, wie sehr die persönliche Verfassung und sogar Kleinigkeiten wie Kleidung, Schuhwerk und die Körperhaltung den Erfolg bei dem Spiel mit den Kugeln beeinflussen können.

„Ich muss gut drauf sein, um meine Leistung bringen zu können“, sagt sie bei einem Besuch dieser Redaktion während eines Trainings mit ihrem Mann in der „Spielkiste“. Dort stößt das Ehepaar auf viel Verständnis. „Wir bekommen alle Mittel zur Verfügung gestellt, den Snookertisch auf professionellem Standard zu halten“, sagt Thomas Blang. Um ein konzentriertes Spiel möglich zu machen, werde auch die Musik im Snooker-Bereich herunterreguliert.

Dass sie Talent hat, mit dem Spielstock (Queue) die Kugeln in die insgesamt sechs Löcher am Tischrand zu befördern, stellte Tanja Ender schon mit 18 Jahren fest. Bei einem privaten Billard-Turnier und ohne viel Training zuvor gewann sie damals einen Pokal. Aus dem Wunsch ihres Mannes vor sechs Jahren ist inzwischen eine Art Leidenschaft geworden, die Geschicklichkeit beim Spiel auf dem rechteckigen Tisch mit dem hochwertigen Filzbezug regelmäßig zu trainieren und zu verbessern. Drei bis vier Mal übt sie in der Woche, sagt sie. Und sie stelle fest, dass sie ihr Spiel verbessert hat. „Snooker ist faszinierend“, sagt Tanja Ender. Es sei ein Präzisionsspiel und ein Wettkampf, der in dem direkten Vergleich mit dem Gegner oder der Gegnerin viel mentale Stärke erfordere. Taktisches Geschick sei ebenso gefragt, wie Ausdauer und körperliche Fitness.

Künstler-Karriere

Die gebürtige Kronacherin Tanja Ender hat Erfahrung mit Situationen, bei denen es um professionelles Verhalten geht oder um die Bewältigung von Wettkampfsituationen. Mit 14 Jahren bereits hat sie ihre erste Tanzausscheidung gewonnen. Mit 16 Jahren gründete sie eine Musikgruppe. Bis 1996 sang sie in weiteren Bands. Sie hat eine klassische Gesangsausbildung absolviert und begann eine Ballett- und Jazzdanceausbildung. 1992 bekam sie eine Sprechrolle im Fernsehen. Sie half als Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin beim Musical „Jesus Christ Superstar“ im Landestheater Coburg aus.

2011 folgte ein weiterer Höhepunkt: Sie war Gast bei der Rateshow „Sag die Wahrheit“ im SWR-Fernsehen. Seit vielen Jahren tritt Tanja Ender unter ihrem Künstlernamen Elisza mit ihrem Varieté-Programm öffentlich auf. „Das mache ich nach wie vor hauptberuflich“, sagt sie. Seit Jahren ist sie zum Beispiel fester Bestandteil beim Unterhaltungsprogramm für die Gäste der Kurklinik in Schwabthal. In ihrem rund einstündigen Programm zaubert, jongliert und singt sie.

„Entwicklungsland“ Deutschland

Ehemann Thomas Blang blickt gerne über den heimischen Tellerrand hinaus, wenn er über Snooker spricht. In England oder Schweden, vor allem in asiatischen Staaten habe dieses Spiel einen wesentlich höheren Stellenwert als bei uns. Während es in Deutschland höchstens ein paar tausend Spieler gebe, seien es zum Beispiel in Großbritannien einige Millionen. In den Snooker-Ländern gebe es sogar Akademien für Nachwuchsspieler oder auch eigene Förderprogramme und Stipendien. Davon sei man in Deutschland noch weit entfernt. „Dort wird auch nicht so verbissen wie bei uns gespielt“, sagt er.

Bald schon will Tana Ender ihren schönen Erfolg von 2016 wiederholen und sich in der Weltrangliste etablieren. Sie ist wieder beim Damen-Weltranglistenturnier Paul Hunter Ladies Classic gemeldet, das vom 24. bis 27 August in Fürth stattfindet. Bis dahin wird es noch einige Trainingseinheiten geben.

Snooker

Snooker ist eine komplexere Variante des Billards, bei der 15 rote und sechs andersfarbige Bälle in einer festgelegten Reihenfolge versenkt werden müssen. Riesig im Vergleich zu den Tischen anderer Billard-Varianten ist der Snooker-Tisch. Ein Turniertisch ist 3569 Millimeter lang und 1778 Millimeter breit – und damit mehr als einen Meter länger als ein gewöhnlicher Tisch beim Pool-Billard. Die Bälle dagegen sind kleiner. Beim Snooker haben die Bälle einen Durchmesser von 52,5 Millimeter, beim Pool-Billard sind es 57 Millimeter. Ein Snooker-Tisch wiegt bis zu 1500 Kilo.

Wenn ein Spieler den nächsten Ball, den er gemäß der Regeln anspielen muss, nicht direkt treffen kann und zu einem Stoß über die Bande oder einem Bogenball gezwungen wird, wurde er „gesnookert“. Von hier leitet sich der Name des Spiels ab. Der Begriff „Snooker“ hat es vom Spiel direkt in den alltäglichen Sprachgebrauch geschafft: Das Verb „to snooker“ bedeutet im Englischen „jemanden sperren“ oder auch „jemanden übers Ohr hauen“.

In der Sportart gibt es Weltranglisten für Männer und Frauen. Bei der WM 2017 wurde ein Preisgeld in Höhe von 1,75 Millionen Pfund (2,06 Millionen Euro) vergeben, der Sieger erhielt davon 375 000 Pfund (441 000 Euro). Ähnlich wie beim Darts-Sport wird auch beim Snooker die Weltrangliste nach Preisgeld definiert - die Punkte für das Ranking entsprechen der Preisgeld-Höhe in Pfund. FOTO: FAZ