LICHTENFELS/MICHELAU

Gemeinsam Leben in Griff bekommen

Die stattliche Spende von 11000 Euro überreichte Roland Vogel von der Sparkasse Coburg-Lichtenfels an Dekanin Stefanie O... Foto: Klaus Gagel

„eCn“ – das klingt wie eine Zauberformel und für viele Schüler, die zuvor an unserem Schulsystem und letztlich auch an sich selbst verzweifelt sind, ist es der Rettungsanker. „eCn“ – das steht für „extra Chance nutzen“, und Landrat Christian Meißner sieht darin „eines der ganz großen Vorzeigeprojekte in unserer Bildungsregion“. Doch die extra Chance gibt es nicht umsonst, weder was den Einsatz der Schüler noch was die nötigen Geldmittel anbelangt.

So war es ein großartiges Zeichen der Sparkasse Coburg-Lichtenfels, die mit einer Spende von 11 000 Euro das Projekt für zwei Jahre entscheidend fördert. Vorstand Roland Vogel und der gesamte Verwaltungsrat sehen darin eine sinnvolle Investition in die Zukunft von Jugendlichen, die sich ansonsten beim Einstieg in ihr Berufsleben schier unüberwindlichen Hindernissen ausgesetzt sähen.

Eine Spende dieser Größenordnung ruft natürlich eine stattliche Zahl namhafter Persönlichkeiten auf den Plan. So wohnten Landrat Christian Meißner, die Dekanin Stefanie Ott-Frühwald, Schulamtsdirektor Norbert Hauck (Schulamt Lichtenfels), Rektorin Alexandra Kober, ihre Stellvertreterin Alexandra Münch, Andreas Förster (Pädagogischer Leiter der Schulkindbetreuung, Dekanat Michelau) und Walter Partheymüller (Pressesprecher Sparkasse Coburg-Lichtenfels) der Übergabe des symbolischen Spendenschecks bei.

Dekanat ist der Träger

Auch der Klassenlehrer der eCn-Klasse, Roland Löffler, registrierte mit großer Freude zusammen mit den beiden Pädagoginnen Kathrin Sünkel und Tina Schardt die Spendenübergabe, mit der im Wesentlichen die Weiterbeschäftigung der beiden Pädagoginnen sichergestellt wird.

„Die Schüler brauchen immer eine ganze Zeit, bis sie begreifen, dass sie freiwillig hier sind.“
Roland Löffler, Klassenlehrer

Die Trägerschaft für die eCn-Klasse hat das evangelisch-lutherische Dekanat Michelau übernommen. Deshalb erfolgte die Scheckübergabe auch an die neue Dekanin Stefanie Ott-Frühwald. Das Dekanat übernehme gerne den Part des Kooperationspartners. „Das ist ja auch etwas, was unseren christlichen Glauben ausmacht. Nämlich Menschen nicht auf das festzulegen, was gewesen ist, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, da wo es nicht so gut gelaufen ist, noch einmal eine Extra-Chance zu haben“, erklärt die Dekanin.

Neben dem Kooperationspartner evangelisch-lutherisches Dekanat unterstützen auch die Gemeinde Michelau als Sachaufwandsträger, das Schulamt, die Bezirksregierung und die Bundesagentur für Arbeit das besondere Projekt.

Für die Johann-Puppert-Schule ist es fast so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal. Lediglich in Coburg gibt es ein vergleichbares Projekt. Ansonsten herrscht in Sachen eCn gähnende Leere im gesamten Freistaat und das, obwohl sich das Projekt in den rund zehn Jahren seines Bestehens bewährt hat. Es ist ein Angebot für Schüler aus dem gesamten Landkreis Lichtenfels, die den Qualifizierenden Mittelschulabschluss aus den unterschiedlichsten Gründen bisher nicht erwerben konnten. In einem zusätzlichen Schuljahr können sie einen neuen Anlauf nehmen. Gleichzeitig werden sie auch bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützt.

Verständlich deshalb die Freude des Schulamtsdirektors Norbert Hauck: „Wir freuen uns, dass wir eine der Klassen haben, die es bayernweit nur in Coburg und Lichtenfels gibt. Ich finde es einfach toll, dass hier Schüler ihren qualifizierenden Mittelschulabschluss doch noch schaffen!“

Vor allem die Verbindung zur Industrie, wenn es darum geht, eine Lehrstelle zu finden, darf man nicht unterschätzen. Mit Interesse verfolgt auch die Handwerkskammer die Entwicklung dieses Projekts.

Seit Bestehen des eCn-Ansatzes erreichten etwa 85 Prozent den Mittelschulabschluss und fast 75 Prozent der Schüler fanden eine Arbeit oder eine Ausbildung. Sie tragen damit aktiv und positiv zum Gemeinschaftsleben vor Ort bei. Ansonsten könnten ganz andere Probleme auftreten, wenn sich der Frust über vertane Chancen in Wut verwandelt und das Selbstwertgefühl verloren geht.

Teilnehmer kennen sich nicht

„Wir haben hier junge Leute aus allen Schulen“, erklären die beiden Pädagoginnen Kathrin Sünkel und Tina Schardt. Die Teilnehmer kennen sich anfangs untereinander nicht. Dadurch spielt sich die Klassengemeinschaft ganz anders ein als zwischen Schülern, die sich seit Jahren kennen. In der Regel sind die Schüler motiviert. Sie nehmen freiwillig am eCn-Projekt teil. Sie wissen, dass sie über das Praktikum die Möglichkeit haben, dass es nach der Schule beruflich irgendwie weiter gehen wird.

„Jeder Jugendliche kommt mit einer individuellen Problemlage, weshalb die Schulkarriere nicht so gelaufen ist wie sie sollte. Und da können wir die Jugendlichen individuell abholen“, erklärt die Schulleiterin Alexandra Kober.

Die persönlichen Erfahrungen aus den Praktika gehören zum Unterricht in der eCn-Klasse. Hier präsentiert Sidney Schilbach ihr Tableau den Klassenkameraden und den beiden Pädagogen Tina Schardt (li.) und Kathrin Sünkel. Foto: KAG