KUTZENBERG

Jobbörse verunsichert Mitarbeiter

Ihren Zukunftssorgen haben die Mitarbeiter des Bezirksklinikums Obermain in Kutzenberg bei einer Demonstration in Lichte... Foto: Gerhard Herrmann

In ihren Zukunftssorgen sehen sich die Mitarbeiter der von der Verlagerung bedrohten Kliniken für Orthopädie und Thoraxchirurgie nach Anlaufen der Arbeitsplatzbörse bestätigt. Obwohl der Bezirk den Mitarbeitern, wie berichtet, zugesichert hatte, sie würden nicht schlechter gestellt, sorgen Informationen bei den ersten Gesprächen über berufliche Alternativen für Unruhe. Hilfe durch Beratung bietet der Kreisverband der Freien Wähler den Betroffenen an. Sie berichteten bei einem Pressegespräch von befremdlichen Erfahrungen.

Ins Pflegeheim statt in die Klinik?

Vor den Kopf gestoßen fühlt sich eine Mitarbeiterin der orthopädischen Klinik, die auf ihr Interesse an einer neuen Beschäftigung in der Juraklinik Scheßlitz hin erfuhr, dort gebe es keine Stelle für sie, aber sie könne stattdessen in einem Pflegeheim arbeiten. Als sie daraufhin nach einer Alternative in Kutzenberg fragte, sei ihr beschieden worden, sie habe sich bereits für Scheßlitz beworben. Eine Mitarbeiterin, die sich für eine Stelle bei den Kliniken der Sozialstiftung in Bamberg interessierte, erfuhr, dass die Arbeitsverträge dort nicht übernommen werden könnten, aber ähnliche abgeschlossen würden.

„Bevor der medizinische Dienst der Krankenkassen nicht darüber entschieden hat, welcher Klinik die in Kutzenberg abgebauten Betten zugewiesen werden, kann ich doch keine Jobs anbieten, die davon abhängen.“
Thorsten Glauber, Landtagsabgeordneter (FW)

Auch wenn an der Entscheidung über die Verlagerung der Kliniken vielleicht nichts mehr zu ändern sei, wollten sich die Freien Wähler um die Mitarbeiter kümmern, erklärte Kreisvorsitzender Klaus Kasper. Kritik übte er am „intransparenten und überstürzten Vorgehen des Bezirks“, der damit seiner Vorbildfunktion als öffentlicher Arbeitgeber nicht gerecht werde.

Der erfahrene Arbeitsrechtler Hans Bramann, der jahrzehntelang in der Sozialverwaltung des Bezirks tätig war, bekräftigte die Notwendigkeit, die Job-Angebote gut zu prüfen, während Landtagsabgeordneter Thorsten Glauber den Sinn einer Arbeitsplatzbörse in Frage stellte. „Bevor der medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) nicht darüber entschieden hat, welcher Klinik die in Kutzenberg abgebauten Betten zugewiesen werden, kann ich doch keine Jobs anbieten, die von diesen Betten abhängen“, betonte Glauber.

Bei der Arbeitsplatzbörse würden die Mitarbeiter über Jobs an den Kliniken in Bamberg oder Scheßlitz informiert und könnten sie sich dafür bewerben, informierte Hans Bramann. An die Meldung sei der Arbeitgeber sechs Wochen lang gebunden, dann solle eine Entscheidung fallen. Nach dem für die Kutzenberger Mitarbeiter geltenden Tarifvertrag für Rationalisierungsschutz könnten den Betroffenen neue Stellen in Kutzenberg, bei einer anderen Einrichtung des Bezirks in ganz Oberfranken oder bei einem anderen Betrieb (Scheßlitz oder Bamberg) angeboten werden. Würden diese Angebote nicht angenommen, könne der Arbeitgeber ihnen kündigen. Für nicht qualifizierte Mitarbeiter, etwa aus der Bettenzentrale, der Desinfektion oder der Putzkolonne käme eine Abfindung in Frage, wenn der Arbeitsplatz wegfällt, meinte Bramann.

Auch die versprochene „Besitzstandswahrung“ könnte in Form von Abfindungen gewährleistet werden, wenn die Vergütung für die neuen Stellen schlechter wäre, da die Haustarife in Scheßlitz und Bamberg bis zu 20 Prozent niedriger seien als im Öffentlichen Dienst.

„Die Mitarbeiter sollten bei den Gesprächen der Arbeitsplatzbörse einen kühlen Kopf bewahren und nichts überstürzen“, rät der Jurist. Wichtig sei es, dass sie nicht alleine zu den Gesprächen gehen, sondern sich einen Begleiter mitnehmen – auch der Betriebsrat helfe hier. Sie sollten nicht sagen, was sie machen wollten, sondern sich anbieten lassen, welche Alternativen es zu ihrem Arbeitsplatz gebe und sich das schriftlich mit der gesetzlichen Bedenkzeit (14 Tage) geben lassen. Danach sollten sie das Angebot mit fachkundiger Beratung prüfen.

Bernd Kasper und Kreistagsfraktionsvorsitzender Heinz Petterich kritisierten, dass die CSU-Mitglieder im Verwaltungsrat nicht ihre Mehrheit von fünf Stimmen genutzt hätten, um die Verlagerung der Kliniken abzuwenden. Es stelle sich die Frage, ob dieser Beschluss rechtmäßig sei, da über solch tiefgreifende Einschnitte eigentlich der Bezirksrat als politisches Gremium entscheiden sollte.

Betroffene Mitarbeiter, die Beratung und Hilfe benötigen, können sich bei Bernhard Kasper unter Tel. (09573) 6441 oder Tel. 0172 89 49 206 beziehungsweise bei Klaus Kasper per Mail (klaus.kasper@gmx.de) melden.