publiziert: 17.02.2017 17:50 Uhr
aktualisiert: 25.02.2017 03:33 Uhr
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Cyber-Mobbing keine Chance lassen

„Opferhilfe Oberfranken“ bildet Medienscouts aus - Hochkarätiger Referent im Myconiushaus
  • Ahmad Mansour. 
    FOTO: Heike Steiweg
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„Unwissenheit und Schweigen schützen die Täter!“ Diesem Leitspruch sieht sich die im letzten Jahr gegründete Opferschutzorganisation „Opferhilfe Oberfranken“ (OHO) verpflichtet. Das Team der OHO um den 1. Vorsitzenden Alfons Hrubesch weiß aus leidvoller Erfahrung, dass im Zeitalter der digitalen Medien vor allem sogenannte soziale Netzwerke immer häufiger dazu genutzt werden, um aus Menschen Opfer zu machen.

Dem Ansatz der Prävention folgend, will die OHO vor allem Kindern und Jugendlichen den verantwortungsvollen Umgang mit diesen Medien vermitteln, damit man sich erst gar nicht der Gefahr aussetzt, beispielsweise Opfer einer Cyber-Mobbing-Attacke zu werden.

Eine Schlüsselrolle in dieser Art der Präventionsarbeit nehmen dabei die sogenannten Medienscouts ein. Sie stehen als in diesem Fachbereich ausgebildete Schülerinnen und Schüler ihrer Schule im Bereich der Medienerziehung zur Seite und vermitteln so unter Begleitung ihrer Lehrkräfte Medienkompetenz auf Augenhöhe.

Grundausbildung an zwei Tagen

Am Montag, 20. Februar, und Dienstag, 21. Februar, veranstaltet die OHO im Myconiushaus der Evangelischen Kirchengemeinde in Lichtenfels die Grundausbildung der Medienscouts. Über 100 Schülerinnen und Schüler sind der Einladung und der Initiative der OHO gefolgt.

„Wir freuen uns für die Ausbildung der Medienscouts echte Experten und hochkarätige Referenten gewonnen zu haben“, erklärt Alfons Hrubesch im Vorfeld der zweitägigen Informationsveranstaltung. Die Vorträge sind dabei dem Thema entsprechend sehr vielseitig. Sie reichen von Passwortsicherheit und Urheberrechten im Netz bis hin zu den Gefahren des sexuellen Missbrauchs über das Netz. Prominentester Experte ist sicherlich der aus dem Fernsehen bekannte Kinder- und Jugendpsychologe sowie Islamismusexperte Ahmad Mansour, der zum Abschluss am Dienstag über die Anziehungskraft und Anwerbestrategien des Salafismus über das Internet und die so wichtigen Gegenmaßnahmen referieren wird.

Als Multiplikatoren

Die hinter den Medienscouts steckende Idee basiert auf dem Ansatz der „Peer-to-Peer-Education“. Für die Medienscouts bedeutet das, dass sie nach der Ausbildung an ihren Schulen als Multiplikatoren fungieren, indem sie ihren Mitschülern als Ansprechpartner und Medienexperten zur Seite stehen und darüber hinaus ihr erlangtes Wissen in Form von Workshops und Vorträgen weitergeben. In zahlreichen Schulen der Landkreise Lichtenfels, Kronach, Kulmbach haben Alfons Hrubesch und sein Team als schulexterne Partner bereits Medienscouts ausgebildet. Bei der nun stattfindenden Ausbildungsreihe kommen nun noch Schülerinnen und Schüler aus Hof, Bayreuth und Coburg hinzu.

„Jedes Opfer, das wir durch den Einsatz der Medienscouts verhindern, rechtfertigt diese Initiative“, weiß auch 2. Vorsitzender Peter Bürgin zu berichten. Unterstützung erhält die OHO dabei von höchster Stelle: Johannes-Wilhelm Rörig als Beauftragter der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs weiß von dem Projekt der OHO. „Die Medienscouts und deren Lehrkräfte helfen mit, das Unwissen zu beenden und das Schweigen zu durchbrechen. Dafür danke ich den Medienscouts und der Opferhilfe Oberfranken bereits jetzt sehr herzlich“, erklärt der unabhängige Beauftragte vorab in einem Grußwort anlässlich der zweitägigen Veranstaltung in Lichtenfels.

Und gerade in Zeiten der unbegrenzten digitalen Möglichkeiten sind Kinder und Jugendliche einer Vielzahl von Gefahren ausgesetzt. Dieser Tatsache wird das Ausbildungsprogramm in Lichtenfels mehr als gerecht. Über Persönlichkeits-, Urheber und Identitätsrechte im Netz wird beispielsweise Kriminaldirektor Ralf Popp von der Kriminalinspektion Bamberg berichten. Spielsucht und deren Folgen stehen im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. Niederhofer, dem Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bayreuth. Der medienpädagogisch-informationstechnische Berater für die Grund- und Mittelschulen, Veit Schott, widmet sich dem sicheren Umgang mit sozialen Netzwerken und Instant-Messaging-Diensten wie „WhatsApp“. Doch auch ganz aktuellen Entwicklungen wird das Ausbildungsprogramm gerecht. Dazu zählt die sexuelle Gewalt im Netz und deren Folgen. Persönliche Einblicke wird hierzu am Montag Alex Stern vom Betroffenenrat Berlin gewähren. Begleitet wird er dabei von Julia von Weiler. Die ebenfalls aus dem Fernsehen bekannte Psychologin ist Geschäftsführerin von „Innocence in Danger“, einer international operierenden und renommierten Organisation, die sich gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern über das Netz positioniert.

Zudem wird das Thema der Prävention religiös begründeter Radikalisierung behandelt. Hierfür konnte die OHO Mustafa Ayanoglu von ufuq.de, einem anerkannten Träger in der politischen Bildung und Prävention, gewinnen.

Einer der wichtigsten Experten

Einer der wichtigsten Islamismus-Experten Deutschlands ist Ahmad Mansour. Sein Vortrag über die Anziehungskraft und Anwerbestrategien des Salafismus über das Internet bildet den Abschluss der zweitägigen Veranstaltung.

Der Psychologe lebt seit über zehn Jahren in Deutschland und beschäftigt sich mit Projekten und Initiativen, die Extremismus bekämpfen und Demokratie und Toleranz fördern. Er ist Programme Director bei der European Foundation for Democracy in Brüssel, Vorsitzender Sprecher des Muslimischen Forums Deutschland, Gruppenleiter beim Heroes-Projekt in Berlin und Familienberater bei Hayat, einer Beratungsstelle für Deradikalisierung. Dazu führt er Schulungen mit der Polizei, Pädagogen und Sozialarbeiter durch, unter anderem über Indikatoren und mögliche Präventionsansätze gegen Radikalisierung, Unterdrückung und Antisemitismus.

Für sein Engagement wurde Mansour 2014 mit dem Moses-Mendelssohn-Preis und 2016 als Botschafter für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet. „Dass wir für die Ausbildung der Medienscouts einen solch renommierten Experten gewinnen konnten, macht uns auch ein wenig stolz“, freut sich Alfons Hrubesch auf den Besuch Mansours in Lichtenfels.

Wer dem Vortrag Mansours, der am Dienstag um 14 Uhr beginnen wird, als Gast folgen möchte, ist hierzu eingeladen, sollte sich aber im Vorfeld hierfür bei Alfons Hrubesch anmelden, Tel. 0171–3032827.

Von unserem Mitarbeiter

Matthias Schneider

    
    

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