Mainblick: Alles oder nichts

Mainblick: Lasst Blumen sprechen

Ein feiner Zug ist es, dass der Staat Eltern nicht nur durch Kindergeld und steuerliche Freibeträge entlastet, sondern auch durch die Übernahme der Kosten für den Schulweg. Das ist schön, doch die Hürden, um in den Genuss dieser Fahrtkostenerstattung zu kommen, sind hoch.

Der Weg zur Grundschule war für unsere Söhne zum Glück noch zu Fuß zu bewältigen. Schwierig wurde es, als unser Großer die Realschule besuchen sollte. Ahnungslos, wie wir waren, entschieden wir uns für die Realschule Burgkunstadt, weil ich damals in Altenkunstadt gearbeitet habe. Dass das Landratsamt nur die Fahrtkosten bis zur nächstgelegenen Schule in Bad Staffelstein erstatten wollte, ist verständlich. Wir hätten uns auch über einen geringen Betrag gefreut, doch dass durch die Wahl des entlegeneren Standorts gleich der komplette Anspruch auf Fahrgeld erlischt, ist nicht vermittelbar. Auch wenn es im Gesetz heißt, „Die Beförderungspflicht besteht nur zum Pflicht- und Wahlpflichtunterricht der nächstgelegenen Schule“. Das gleiche Spiel bei unserem Jüngsten, der wegen seiner Freunde und dem Angebot einer Vorklasse die Fachoberschule in Kulmbach besuchen wollte, obwohl der Weg zur FOS in Coburg näher ist.

Als schließlich unser Großer während der Ausbildung zur Berufsschule in Bamberg mit dem Auto fahren wollte, weil die Entfernung von der Schule zum Bahnhof beträchtlich ist, ahnten wir Böses. Zumal nach der zehnten Klasse nur Kosten über 420 Euro erstattet werden. Obwohl wir Stundenpläne und Bestätigungen der Schule in mehrfacher Ausfertigung einreichten, gab's wieder eine Ablehnung. Der Einsatz eines eigenen Fahrzeugs wird nur erstattet, wenn er „wirtschaftlicher“ ist, lautete der Bescheid des Landratsamts. Aber „wirtschaftlicher“ ist er laut Vorgaben nur, wenn er dem Schüler „an mindestens drei Tagen wöchentlich mehr als zwei Stunden Fahrzeit erspart“. Wieder schauen wir in die Röhre: Denn auch diesmal wird nicht einmal der Preis der Fahrkarte übernommen.

Auch wenn wir uns ärgern, dass der Staat sich nach dem Motto „Alles oder nichts“ aus der Verantwortung stiehlt, haben wir beschlossen, es sportlich zu nehmen. Schließlich ist es eine Investition in die Bildung unserer Kinder und ein Beitrag zu ihrem Wohlbefinden.