publiziert: 09.02.2017 15:45 Uhr
aktualisiert: 17.02.2017 03:33 Uhr
» zur Übersicht Lichtenfels
    
    
Artikel
 
    
 
Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text LICHTENFELS

Schwindende Akzeptanz beklagt

Verständnis für Landwirtschaft wecken – Teuchgräbers neue Stellvertreter im BBV-Kreisverband
  • Die gewählten Beiräte des BBV-Kreisverbands (v. li.): Robert Zillig, Markus Schilling, Norbert Rehe, Lothar Teuchgräber, BBV-Präsident Hermann Greif, Kreisobmann Michael Bienlein, Direktor Wilhelm Böhmer und Geschäftsführer Hans Rebelein. 
  • Das neue Landfrauen-Team mit der BBV-Führungsspitze (v. li.): Angelika Herbst, Wilhelm Böhmer, Anneliese Göller, Hans Rebelein, Susann Teuchgräber, Martina Weiß, Michael Bienlein, Marion Warmuth, Elvira Hornung und Maria Pösch.FOTO: Andreas Welz 
Bild   von  
 
2 Bilder

Mit einem eindeutigen Ergebnis schlossen am Dienstag und Mittwoch in der Gaststätte Dinkel in Oberlangheim die Wahlen des Kreisobmanns des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) und der Kreisbäuerin ab. Michael Bienlein und Marion Warmuth werden den Verband weitere fünf Jahre führen. Neue Gesichter gab es bei den Stellvertretern. Lothar Teuchgräber löst Rudi Steuer ab, und Susann Teuchgräber vertritt die Kreisbäuerin. Die bisherige Amtsinhabern, Martina Weiß, wird als Beirätin weiterhin die Landfrauenarbeit unterstützen.

„Die Art und Weise, in der in Deutschland über die Landwirtschaft diskutiert wird, bereitet uns große Sorge“, sagte anschließend Landesbäuerin Anneliese Göller dieser Redaktion. „Wir Landwirte sehen uns einer schwindenden Akzeptanz in der Bevölkerung gegenüber, Misstrauen und Unverständnis gegenüber den landwirtschaftlichen Produktionsweisen nehmen zu. Auf der anderen Seite stehen wir vor großen Herausforderungen wie Bevölkerungswachstum, Ressourcenschutz oder Biodiversität, die uns zu mehr Effizienz und Nachhaltigkeit zwingen.“ Die Landwirtschaft stehe für viele drängende Fragen unserer Zeit in einer Schlüsselposition. „Wir brauchen weiterhin eine leistungsstarke Landwirtschaft“, unterstrich die Vizepräsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes.

Vorbildliche Arbeit im Kreis

Landesbäuerin Göller wünschte sich eine effektive Öffentlichkeitsarbeit und den intensiven Verbraucherdialog. Verständnis für die Landwirtschaft wecken, sei ein großes Ziel. Der Kindertag auf Bauernhöfen stehe 2017 unter dem Motto: „Wo wächst mein Mittagessen.“ Den Landfrauen im BBV-Kreisverband Lichtenfels bescheinigte sie vorbildliche Arbeit. Respekt zollte sie Kreisbäuerin Marion Warmuth, die ohne Gegenstimme wiedergewählt worden sei.

Beim Gespräch mit dem BBV-Direktor für Ober- und Unterfranken, Dr. Wilhelm Böhmer, wurde ebenfalls deutlich, dass die Zukunft der bäuerlichen Familienbetriebe in Bayern in Gefahr sei. Nicht zuletzt trage Negativwerbung für die Landwirtschaft dazu bei. Er erinnerte an die Plakataktion der Umweltministerin Barbara Hendriks.

Gesamter Berufsstand am Pranger

Der gesamte Berufsstand der Bauern werde undifferenziert an den Pranger gestellt. „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“ – für solche Sprüche hatte Böhmer kein Verständnis. „Hier werden überkommene Vorurteile bedient und Feindbilder aufgebaut, die nicht in unsere Zeit passen“, betonte der BBV-Direktor.

„Misstrauen und Unverständnis gegenüber den landwirtschaftlichen Produktionsweisen nehmen zu.“
Anneliese Göller, Landesbäuerin

Wilhelm Böhmer warb für die Internetaktion der Europäischen Union, an der sich auch die Bäuerinnen und Bauern beteiligen sollten. Damit würden die nächsten Schritte zur Modernisierung und Vereinfachung der Gemeinsamen Agrarpolitik des 21. Jahrhunderts eingeleitet. Im Rahmen dieser öffentlichen Konsultation bat er alle, die sich für die Zukunft des Nahrungsmittelsektors und der Landwirtschaft in Europa interessieren, daran mitzuwirken, eine Politik für alle Menschen in Europa zu gestalten. „Die Ergebnisse dieser öffentlichen Konsultation fließen direkt in den Fahrplan für die künftige Gemeinsame Agrarpolitik ein“, stellte Böhmer fest. Diese Aktion laufe noch bis zum 2. Mai.

In ihrem Bericht beglückwünschte Kreisbäuerin Marion Warmuth die gewählten Ortsbäuerinnen und hob ihre Bereitschaft, Verantwortung zu tragen, hervor. „Unsere Landfrauenarbeit in der Erwachsenenbildung beschränkt sich nicht nur auf die landwirtschaftlichen Betriebe, sondern wir sind offen für jedermann“, sagte sie. Öffentlichkeitsarbeit sei ein ganz wichtiger Faktor geworden. Zum Beispiel mit dem Tag des offenen Hofes oder dem Kindertag auf den Bauernhöfen. „Für mich als Kreisbäuerin waren die letzten fünf Jahre eine Herausforderung, aber auch für die Familie, die mir oft den Freiraum für die Arbeit gelassen hat“, zog sie Bilanz. Bei der Grünen Woche in Berlin, wo sie am Stand des Bayerischen Bauernverbandes mit einer Kollegin aus Hof den Bezirk Oberfranken vertrat, sei bestätigt worden, welches Ansehen die Landfrauenarbeit in Franken, Bayern und Deutschland habe.

BBV-Kreisobmann Michael Bienlein berichtete von rund 500 Terminen, die er in den vergangenen fünf Jahren wahrgenommen hatte. In seiner kommenden Amtszeit wolle er sich dafür einsetzen, dass Ernährung in den Lehrplänen verankert werden müsse. Pflanzenschutzmitteleinsatz müsse beim Anbau von Körnerleguminosen auf ökologischen Vorrangflächen möglich sein. Die Verschärfung der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) und 29 Prozent Minderungsvorgaben bei Ammoniak gefährdeten die Tierproduktion. Der Breitbandausbau müsse auf dem Land schneller vorangetrieben werden. Neue internetbasierte Programme erforderten den Glasfaserkabelausbau bis zu den Betrieben.

Bestandsschutz gefordert

„Neu gebaute Ställe brauchen Bestandsschutz auf 20 bis 25 Jahre“, forderte Michael Bienlein. Ferkelkastration und Schwänze-Kupieren sei praktizierter Tierschutz. Die Mittelzulassung für lokale Betäubung von Ferkeln, sei schnell einzuleiten. Das Tierwohllabel des Landwirtschaftsministeriums dürfe die Tierwohlinitiative der Landwirtschaft nicht gefährden. Schließlich verlangte der Kreisobmann, dass „die Düngeverordnung ohne weitere Änderung, wie 2016 vereinbart, verabschiedet wird“.

Landfrauen- und Beiräte-Wahl

Beiräte: Robert Zillig, Markus Schilling, Norbert Rehe, Christian Dinkel, Hans-Werner Schuster, Michael Bienlein (Kreisobmann) Lothar Teuchgräber (Stellvertreter).

Landfrauen: Angelika Herbst, Martina Weiß, Elvira Hornung, Maria Pösch, Marion Warmuth (Kreisbäuerin), Susann Teuchgräber (Stellvertreterin).

Von unserem Mitarbeiter Andreas welz
    
    

Diesen Artikel

    
    

Die neuesten Kommentare

Gedankenreich (15 Kommentare) am 09.02.2017 18:12

Sorgen ernst nehmen wichtiger als grenzenloser Profit.

Der Berufsstand des Bauern wird wohl nicht am Pranger stehen. Der ist so gut wie ausgestorben. Es geht um die industrielle Produktion von Lebensmitteln, von Landwirtschaft kann und will ich gar nicht mehr sprechen. Energiewirte, auch das eine Bezeichnung, den sich die Familienbetriebe selbst gegeben haben, treffen es eher. Das sich Bürger darüber aufregen, wenn in dorfnähe ein Stall mit über 700 Schweinen steht und bei für den Produzenten ungünstiger Wetterlage es zum Himmel stinkt, ist verständlich. Unverständlich aber ist, wie diese große Zahl der Tiere durch die vorhandenen Flächen versorgt werden kann. Dabei kommt es zum Einsatz von Großgeräten, Düngern und Spritzmitteln, ohne denen diese Mengen nicht erzielbar wären. Doch auch der Austrag von Gülle und damit umweltschädlichen Nitrat, nachweisbar in allen Brunnen für Trinkwasser, ist äußerst fragwürdig, wenn nicht schon bedenklich oder gar krimminell! Der Gewinn ist privat, Umweltschäden tragen Alle, die mit Recht auch schimpfen
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen.
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Obermain Service

20.04.2017
Obermain Service  (16 Seiten | 6.07 MB)
13.04.2017
Obermain Service  (16 Seiten | 6.23 MB)
    
Anzeige
    

Bad Kurier

20.04.2017
Bad Kurier  (24 Seiten | 3.97 MB)
06.04.2017
Bad Kurier  (24 Seiten | 3.83 MB)
    
Anzeige