LICHTENFELS

Die Wunschkandidatin berufen

Die neue Direktorin des Amtsgerichts, Barausch vor der Eingangstür des Gerichts. Foto: Roger Martin

Ulrike Barausch hatte am Mittwoch viel Grund zum Lachen: Die 51-jährige Juristin wurde offiziell in ihr Amt als neue Direktorin des Amtsgerichts in Lichtenfels eingeführt. Zum Diensteintritt überbrachte ihr kein Geringerer als der Präsident des Oberlandesgerichts (OLG) Bamberg, Clemens Lückemann, ein Gastgeschenk: Zum 1. November wird das Gericht durch eine Mitarbeiterin der IT-Stelle der bayerischen Justiz im Bereich der Rechtspflege verstärkt. Lückemann stellte am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz im Gerichtsgebäude zudem eine weitere zusätzliche Mitarbeiterin für die Rechtspflege am hiesigen Amtsgericht im kommenden Frühjahr in Aussicht.

Die in den vergangenen Jahren häufig „unruhige Personalfluktuation“ am Amtsgericht Lichtenfels wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen: Das ist auch das Hauptziel von Ulrike Barausch. Die neue Direktorin wohnt und lebt mit ihrem Mann in Kronach. Sie arbeitete zuletzt am Amtsgericht in Coburg (siehe auch Infobox). Dort konnte sie verfolgen, dass es am Amtsgericht der Kreisstadt am Obermain immer wieder zu personellen Engpässen kam. Besonders schwierig war die allerjüngste Zeit, in der Barauschs Vorgänger, Armin Wagner, wegen Krankheit monatelang ausfiel. Das Coburger Gericht half mit so genannten „Abordnungen“ aus. Armin Wagner wurde offiziell im August dieses Jahres in den Ruhestand verabschiedet.

Alle Richterstellen besetzt

Die Zahl der Lebensjahre der neuen Chefin ist derzeit exakt die Zahl der Mitarbeiter, die ihr in Lichtenfels anvertraut sind. Ulrike Barausch will dafür sorgen, dass es künftig nicht weniger werden. „Mir ist wichtig, dass wir möglichst effizient und schnell arbeiten“, sagte sie am Mittwoch. Vor allem bei der Rechtspflege sei es wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht zu lange auf die Dienstleistungen des Gerichts warten müssen. Schnelle Bearbeitungen von Grundbucheinträgen seien wichtige Dienstleistungen.

Die Arbeit eines Gerichts werde auch an der Dauer der Verfahren und an der Zahl der offenen Verfahren gemessen, so die neue Direktorin weiter. Hier habe es in der jüngsten Zeit wieder eine leichte Entspannung am Amtsgericht gegeben. Sämtliche fünf Richterstellen sind besetzt. Clemens Lückemann ließ durchblicken, dass das Amtsgericht in Lichtenfels – gemessen an der aktuellen, statistisch ermittelten Arbeitsbelastung der Amtsgerichtrichter in der jüngsten Zeit – durchaus einen zusätzlichen Richter „vertragen“ könnte. Er hoffe mit dem Amtswechsel auf Entspannung. Die neue Chefin wird sich, wie ihr Vorgänger, in Lichtenfels auch als Richterin einbringen: „Bei Schöffenverfahren, bei Jugendstrafsachen und zum Teil bei Familiensachen“, kündigte sie an. Als Vorsitzende des Schöffengerichts könne sie Gefängnisstrafen bis zu vier Jahren aussprechen, betonte der Direktor des Landgerichts Coburg, Anton Lohneis.

„Mir ist wichtig, dass wir im Amtsgericht möglichst effizient und schnell arbeiten.“
Ulrike Barausch, Amtsgerichts-Direktorin

„Ich habe heute allen Bediensteten hier für ihre Arbeit meine große Anerkennung gezollt“, betonte der OLG-Präsident weiter. Alle Mitarbeiter waren am Mittwoch zu einer Feier eingeladen worden. Dazu gehörten auch die Anwärter. Am Amtsgericht Lichtenfels werden derzeit neun junge Menschen zu Justizsekretären und Rechtspflegern ausgebildet. „Auf die Ausbildung lege ich großen Wert“, betonte die Direktorin.

Barausch will auch die räumliche Ausstattung des Gerichtsgebäudes voranbringen. Neben dem Anbau, in dem künftig Akten aus der Rechtspflege ihren Platz finden werden, soll es weitere Verbesserungen geben: Die Sicherheitseinrichtungen im Gericht sollen verstärkt werden. „Und der Eingangsbereich wird umgestaltet“, sagt die 51-Jährige weiter.

Für die vakante Führungsposition hat sich Barausch beworben. Für Lückemann und für den mitentscheidenden Präsidialrat der Richter in Bayern war sie Wunschkandidatin. „Ich habe für sie gestimmt“, so der OLG-Präsident. Berufen hat sie schließlich Justizminister Winfried Bausback.

„Hier sind wir bürgernah“

Barausch schätzt überschaubare Gerichte wie das in Lichtenfels: „Hier sind wir bürgernah“, sagt sie. Die Kronacherin kennt die Behörde in der Korbstadt bereits durch ihre Funktion als Berufungsrichterin in Coburg. Hier hatte sie Verfahren und Urteile auf dem Tisch, die aus Lichtenfels kamen. Schon als Kind habe sie mit den Eltern Ausflüge auf Banz, nach Vierzehnheiligen und auf den Staffelberg unternommen. Sie werde in Kronach wohnen bleiben: „25 Kilometer sind kein langer Dienstweg“, sagt sie.

Zur Person: Ulrike Barausch

Ulrike Barausch war zuletzt Vorsitzende Richterin am Landgericht Coburg. Sie begann nach Jurastudium und Referendariat in Würzburg ihre berufliche Laufbahn im März 1993 am Amtsgericht Coburg als Richterin.

Von März 1994 bis Ende Januar 1995 wurde sie am Landgericht Coburg als Richterin in einer Zivilkammer eingesetzt, bevor sie im Februar 1995 als Staatsanwältin zur Staatsanwaltschaft Coburg wechselte. Danach folgte von Februar 1996 bis 15. April 2004 eine Tätigkeit als Richterin beim Amtsgericht Kronach. Mit Wirkung vom 16. April 2004 wurde Barausch das Amt einer Richterin am Landgericht übertragen. Seitdem war sie am Landgericht Coburg als Beisitzerin in der großen Strafkammer im Einsatz.

Nach ihrer Ernennung zur Staatsanwältin zum 1. März 2009 gehörte Barausch bis Februar 2011 der Staatsanwaltschaft Coburg an, bevor sie im Februar 2011 zur Vorsitzenden Richterin am Landgericht berufen wurde. Die 51-Jährige lebt in Kronach. Sie ist verheiratet.