LICHTENFELS

Ein sinnliches Vergnügen

In der ehemaligen Synagoge: Sibylle Friz (li.) und Birgit Förstner (re.) verschmolzen Geschichten um die Schokolade mit ... Foto: Denise Burkhardt

Warum Barock und Schokolade? „Die Schokolade trat in dieser Zeit ihren Siegeszug durch Europa an“, erklärte Cellistin Birgit Förstner. Zusammen mit Sibylle Friz (Blockflöte und Cello) lud sie zu „Barock au Chocolat“ in die ehemalige Synagoge ein. Anekdoten zu Schokolade und Komponisten gab es reichlich zu erzählen. Länder wie Italien, Deutschland und Frankreich waren Stationen im Programm.

Die beiden erklärten, dass die Europäer zunächst nichts mit dem bitteren Geschmack der Kakaobohnen hätte anfangen können. Dann seien Nonnen auf die Idee gekommen, dem Kakaogebräu Zucker und andere Gewürze wie Zimt und Chili hinzuzufügen. Danach könne man auch besser beten, hätte eine Nonne gesagt.

Ein Kaninchen für vier Bohnen

Das Publikum hörte amüsiert und aufmerksam zu. Zeitweise seien Kakaobohnen sogar als Zahlungsmittel benutzt worden, so Friz. Einen Sklaven hätte man für 100 Bohnen, eine Prostituierte für zehn und ein Kaninchen für vier bekommen. Ein bekannter Schokoladenfreund soll Casanova gewesen sein, denn der trank angeblich am Tag drei Tassen davon. Den Gestressten beruhige die Schokolade, den Müden belebe sie, der Depressive fände wieder Freude am Leben, sinnierte Friz.

Sehr zur Freude des Publikums wurde nicht nur über Schokolade geredet, sondern auch einige Täfelchen auf Tellern kredenzt. Friz gab Tipps zum optimalen Verzehr: „Schokolade verkostet man am besten mit leerem Magen.“ Dann erst auf der Zunge ruhen lassen, vier bis fünf Mal kauen und anschließend am Gaumen verweilen lassen. Den wohligen Abgang begleiteten sie mit Antonio Vivaldis Sonate in g-Moll. Förstner kündigte ja schon an, dass das Konzert ein „sinnliches Vergnügen für alle“ werden solle. Mit ihren historischen Kostümen ergänzten sie auch optisch ihr Programm.

Literatur und Musik gingen an diesem Abend ineinander über. Die Texte entstammten hauptsächlich ebenfalls aus der Zeit des Barocks, zum Beispiel Briefe der Komponisten oder Texte von Johann Christian Günther. Auf Seiten der Komponisten fanden sich viele wichtige Vertreter der Epoche wie Antonio Vivaldi, Georg Philipp Telemann, Jean-Baptiste Lully, Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach.

Besonders die Telemann-Fantasie für Flöte solo ist hervorzuheben, zu der Förstner das Gedicht „Lob des Winters“ von Johann Christian Günther las. Eine stimmungsvolle Verbindung von Musik und Literatur. Die Musikerinnen garnierten ihre Auftritte immer mit einer Prise Humor. Das einzige Blockflöten-Duett artete zum Wettstreit aus, bei dem grimmige Blicke ausgetauscht wurden.

„Bravo“-Rufe ertönten nach Domenico Scarlattis Cembalo-Sonate, die für zwei Celli arrangiert worden war. Auch Johann Sebastian Bachs „Präludium Nr. 2 in c-Moll“ gestalteten sie neu: Den Part der rechten Hand übernahm Friz mit der Blockflöte, Förstner mit dem Cello den der linken Hand. Das Publikum honorierte auch diese Darbietung mit etlichen „Bravo“-Rufen. Förstner und Friz wirkten den ganzen Abend immer harmonisch und ausdrucksstark, egal in welcher Konstellation – Flöte und Cello, zwei Flöten, zwei Celli. Friz‘ Fingerfertigkeit an der Blockflöte war außerordentlich beachtlich, während Förstner dem Cello fabelhafte Klänge entlockte, besonders beim Vortrag des Märchens „Blaubart“, das sie mit den Klangfarben des Cellos lebendig werden ließ.

Die Einzigen, die an diesem Abend keine Schokolade bekamen, waren die beiden Musikerinnen – dafür erhielten sie umso mehr Applaus.