publiziert: 22.05.2015 14:35 Uhr
aktualisiert: 22.05.2015 14:45 Uhr
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„Opfern ihre Würde wiedergegeben“

Obermain Tagblatt-Redakteur Till Mayer erhält Coburger Medienpreis 2015
  • Wanderschaft: Für das cross-mediale Ausstellungsprojekt „Barriere:Zonen“ erhielt OT-Redakteur Till Mayer den Coburger Medienpreis. Die Ausstellung zum Thema „Menschen mit Behinderung und Krieg“ wandert durch ganz Deutschland. Das Bild zeigt die Exposition an der Universität Bamberg. 
    Foto: Hendrik Steffens
  • Auszeichnung: Aus den Händen von Moderator Ralph Kühne und Laudator Falk Zimmermann erhielt Till Mayer den Coburger Medienpreis. 
    Foto: Manuel Stark
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Seine Texte stimmen nachdenklich, seine Bilder gehen unter die Haut. Seit Jahren reist der Fotograf und Journalist Till Mayer in Kriegs- und Krisengebiete. Durch seine bewe-genden Reportagen stimmt er nicht nur nachdenklich, sondern rüttelt auf. Bringt vergessene Schicksale ins Bewusstsein zurück. Für die crossmediale Wanderausstellung „Barriere:Zonen“ bekam der Redakteur des Obermain-Tagblattes nun den Coburger Medienpreis in der Kategorie „Wellenschläger“.

Welche Wirkung Till Mayers Arbeit hat, ist bei der Preisverleihung am Donnerstagabend deutlich zu spüren. Trotz launiger Atmosphäre durch ein charmant-witziges Angela Merkel-Double, das durch den Abend führt, sowie eindrucksvolle Künstlerauftritte, ist es still in der alten Pakethalle, in der wenige Tage zuvor die Designtage stattfanden. Auf der Leinwand erscheint eine schwarz-weiß Fotografie. Darauf zu sehen ist ein junger Mann aus Laos, der auf Hip Hop-Musik tanzt - blind und ohne Hände. Versehrt durch einen Streubomben-Blindgänger aus Zeiten des Vietnam-Kriegs. Ausgerechnet an seinem 16. Geburtstag verstümmelte der Sprengsatz Phongsavath Manithong.

„Die Kamerateams ziehen oft viel zu schnell weiter, die Menschen leiden weiterhin. Mir ist es wichtig, vergessene Geschichten zu erzählen.“
Till Mayer OT-Redakteur

Er ist einer der Porträtierten von Till Mayers Ausstellung „Barriere:Zonen“, die elf Schicksale von Menschen aus verschiedenen Regionen der Welt erzählt. Sie entstand mit Mitteln des Bundesministeriums für Entwicklung für die Hilfsorganisation Handicap International. Die Protagonisten leiden unter Kriegen oder ihren Folgen: als Vertriebene im Kongo, im Flüchtlingslager in Gaza oder in Uganda als Minen-Überlebende. Myanmar, USA, Vietnam und die Ukraine sind weitere Stationen der Ausstellung.

„Das Thema Menschen mit Behinderung und Krieg ist nicht unbedingt im Fokus der westlichen Medien. Die Kamerateams ziehen oft viel zu schnell weiter, die Menschen leiden weiterhin. Mir ist es wichtig, vergessene Geschichten zu erzählen“, beschreibt Mayer seine Ambition bei der Preisübergabe.

Seine Fotografien grenzen sich klar von voyeuristischer Krisenberichterstattung ab. Keine Schlachtengemälde, dafür erhalten Betroffene ein Gesicht. Ergreifend, erschütternd, aber dennoch unaufdringlich – das ist charakteristisch für Till Mayers Bildsprache, die von Kollegen geschätzt wird: „Die Porträtierten sind von der Fratze des Krieges malträtiert. Till Mayer hat diesen Menschen ihre Würde wiedergegeben“, formuliert es der stellvertretende Chefredakteur der Mediengruppe Oberfranken, Falk Zimmermann, bei der Laudatio und lobt die „weise Juryentscheidung“.

Die Porträts entstanden im Zeitraum zwischen 2009 und 2014, während Mayers Recherche-Reisen für Spiegel-Online und natürlich seinem Stammblatt Obermain-Tagblatt/Mainpost-Mediengruppe. Eng arbeitet er dabei oft mit den Hilfsorganisationen Rotes Kreuz und „Handicap International“ zusammen. Innovativ und crossmedial aufbereitet, können die Betrachter via QR-Codes zu weiteren Foto-Galerien und zu ausführlichen Reportagen auf Spiegel-Online sowie zu zwei Audio-Slide-Shows geführt werden. Die gesamte Ausstellung gibt es unter www.barriere-zonen.org auch im Internet zu sehen. Neue Porträts sollen folgen.

„Barriere:Zonen“ ist gut gebucht, sie wird auch noch in den Landkreis Lichtenfels kommen, präsentiert vom BRK-Kreisverband Lichtenfels, Handicap International, Obermain-Tagblatt und dem Landkreis. Geplant ist, sie im Landratsamt und an Schulen zu zeigen. Denn vor allem junge Generationen möchte Mayer ansprechen. Ein Thema ins Bewusstsein rücken, zu dem sie oftmals keinen Bezug mehr haben: den Krieg.

Coburger Medienpreis

Bereits zum fünften Mal wurde der Coburger Medienpreis durch den Medienclub Coburg in den Kategorien „Nachwuchs“, „Schöpfung“ und „Wellenschläger“ verliehen. Neben journalistischen Arbeiten waren unter den Bewerbungen auch Beiträge aus Werbung und Kreativwirtschaft. Die Preise sind insgesamt mit 3750 Euro dotiert. Till Mayer wurde bereits zum dritten Mal mit dem Coburger Medienpreis ausgezeichnet. 2015 gewann er in der Kategorie „Wellenschläger regional“. Sein Preisgeld hat er jedes Mal gespendet. Der Großteils seines diesjährigen Preisgelds ist bereits an Erdbebenopfer in Nepal überwiesen. Die grafische Umsetzung lag in Händen von Christian Seuling, www.ling-kd.de. Die Ausstellung im Netz: www.barriere-zonen.org. Die Homepage des Autors: www.tillmayer.de.

tm
    
    

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