LICHTENFELS

Das Wunder im Pullunder

Haut rein: Olaf Schubert begleitet sich selbst auf der Gitarre. Foto: Gerda Völk

„Wir sind ganz überrascht, dass so viele Menschen hier leben“, erklärte Olaf Schubert zu Beginn seiner gut zweistündigen Comedy-Show. Offenbar nicht die einzige Überraschung, da die lange Fahrt des Mannes aus Dresden auch noch mit einer wunderschönen Stadthalle belohnt wurde. Seit Ende 1994 tourt Olaf Schubert als „Betroffenheitslyriker“ durch die Lande. Er ist nach eigener Aussage der zweitwichtigste Bewahrer der Wahrheit nach dem Papst, das „Wunder im Pullunder“, der Weltverbesserer und offenbar auch ein ausgewiesener Experte in Sachen Ernährung. Mit seinen gerade mal 65 Kilo Gewicht ist der Comedian ein Verfechter nachhaltiger Biokost. Zum Frühstück gibt es ein Müsli auf Basis einer Haselnuss, unter anderen angereichert mit Kleie, Hafer und Asbest. „Mein Müsli ist in etwa aus den gleichen Zutaten wie eure Stadthalle, nur ohne Beton“, erfährt das Publikum.

Basis für ein erfülltes Leben

Die Stadthalle ist gut gefüllt, die Besucher kommen nicht nur aus dem Landkreis, sondern aus einem Umkreis von rund 100 Kilometern, wie ein Blick auf die Nummernschilder verrät. Der erste Themenblock beschäftigt sich mit dem Thema gesunde Ernährung, der Basis für ein erfülltes Leben. Und wie der Comedian versicherte gebe es auch in Lichtenfels durchaus übergewichtige Personen. „Da sieht man eine Menschengruppe und beim Näherkommen merkt man, dass es nur ein Mensch ist.“ Der Mann im Pullunder weiß ganz genau, dass Blattsalat am besten schmeckt, wenn er kurz vor dem Essen gegen Gulasch ausgetauscht wird. Die Bockwurst wird als das „fieseste“ Glück in der menschlichen Nahrungskette enttarnt. Linsen seien dagegen gut für die Augen und Olaf Schuberts Ratschlag an seine Fangemeinde: Esst mehr Obst. Am besten Äpfel, die sind nämlich Lactosefrei.

Im zweiten Themenblock geht es um die Krisenherde dieser Erde. An Lösungsansätzen mangelt es Olaf Schubert offenbar auch nicht. Ein Kalifat könnte unter der Leitung von Florian Silbereisen auf dem Mars errichtet werden. Damit hätte man gleich drei Probleme abgearbeitet. Die Probleme dieser Welt abarbeiten, und dabei wichtige Gedanken gerecht unter den Bedürftigen verteilen, scheint das Anliegen des Comedian zu sein. Allerdings muss er zugeben, dass auch er nicht alles abdecken kann. „Nach Trieb hat man uns nie hingetrieben“, sagt er. Es braucht nur wenige Andeutungen, manchmal nur eine kleine Wortverdrehung, oft sogar nur eine Silbe und das Publikum lacht. Auch wenn mancher Gag völlig Sinn frei ist, oder andere an der Grenze des guten Geschmacks schrammen. Das Publikum lacht oft und viel während der gut zweistündigen Show.

Mit bissigem Humor und leicht sächsischen Dialekt nimmt der Weltverbesserer in Personalunion als Wort-Akrobat auch moderne Familienkonstellationen und Erziehungstheorien auf die Schippe. „Kinder sollen in die Kita, damit die Eltern in Ruhe zu Hause bleiben können“, sagt Olaf Schubert. Und dann ist da noch der Fall Hoeneß. Den Comedian ärgert es weniger, dass der ehemalige Präsident des FC Bayern München so viele Millionen an der Steuer vorbei geschleust hat, dass er damit aber auch 700 000 Euro an Solidaritätszuschlag hinterzogen hat, das ärgert ihn dann doch maßlos.

Der „Soli“ von Hoeneß

Inakzeptabel sei auch, dass Frauen im 21. Jahrhundert immer noch weniger als Männer verdienen. „Ein Zimmermann verdient immer noch mehr als eine Zimmerfrau“, sagt Olaf Schubert mit trockenem Humor. Ein Beispiel seines Talents die Worte und ihren Sinn gründlich zu verdrehen. Auch Politiker werden zur Zielscheibe seines verbalen Rundumschlags, der Machtinstinkt der Bundeskanzlerin beispielsweise und Putins starke Hand (Putin schießt keine Elefanten, der erwürgt sie).

„Kinder sollen in die Kita, damit die Eltern in Ruhe zu Hause bleiben können.“
Olaf Schuberth

Musikalisch wird er von Herrn Stephan und dem Gitarristen Jochen begleitet. Allerdings muss Jochen so manchen derben Gag über sich ergehen lassen, was dieser mit leichtem Schulterzucken und tief ins Gesicht gezogene Kappe mit geradezu stoischer Ruhe zur Kenntnis nimmt. Eine kleine Unaufmerksamkeit und Jochen wird ermahnt, dass die Leute extra in die Lichtenfelser Stadthalle gekommen sind und auch dafür noch bezahlt haben. Dies sei nicht selbstverständlich in dieser Gegend. Ermahnt wird auch der Zuhörer, der unachtsam seine Flasche umgestoßen hat. Am Ende darf sich das Trio über viel Applaus freuen. Olaf Schubert und seine Freunde begeisterten an diesen Abend in der Lichtenfelser Stadthalle, das Publikum quer durch alle Altersschichten.