Mit Muskelkraft und viel Gefühl

Aufgepasst: Beim Bewegen des Karussells braucht es viel Gefühl, sagt Werner Turtschi. Foto: Gerda Völk

Mit gleichmäßigen Bewegungen dreht Werner Turtschi die Scheibe. Dabei hat er immer auch seine Fahrgäste im Blick, achtet auf ihre Reaktionen. Freuen sie sich, oder schauen sie gar ängstlich? Danach richtet sich das Tempo mit dem der Schweizer die Scheibe des Korb-Karussell dreht, denn es wird allein durch reine Muskelkraft bewegt.

Das Karussell der beiden Schweizer Flechthandwerker Werner Turtschi und Theresa Leutwyler war eine der Attraktionen auf dem Lichtenfelser Korbmarkt.

Die Initialzündung zum Bau kam von Theresa Leutwyler. Auf einem Festival in Budapest hatte sie etwas Ähnliches gesehen. „Da wir keine Zimmerleute sind, brauchte der Bau seine Zeit“, berichtet Turtschi. So 80 bis 90 Stunden haben sie investiert, schätzt der Schweizer. Die vielen schlaflosen Nächte nicht mitgezählt. Seine ersten Runden drehte das Karussell auf einem Mittelaltermarkt in Burgdorf im Kanton Bern. Die anfänglichen Probleme mit der Lagerung konnten zwischenzeitlich beseitigt werden.

Vier Fahrgastkörbe

Doch so ganz fertig ist das Karussell immer noch nicht. So soll es noch mehr Korbelemente erhalten. Ein geflochtenes Dach beispielsweise, oder geflochtene Körbe als dekoratives Element. Aktuell sind nur die vier Fahrgastkörbe geflochten.

Und Musik soll das Karussell auch erhalten. Nicht irgendeine aus Lautsprecherboxen, sondern durch das drehen der Antriebsscheibe produzierte Töne. Daran tüfteln die Schweizer noch. Gedreht wird das Karussell nur von seinen Erbauern. „Dazu braucht es viel Fingerspitzengefühl“, sagt Turtschi. Da die Grenze von Lachen zum Weinen nahe beieinander liegt, beobachten sie ihre meist jungen Fahrgäste sehr genau. Wird es einem Kind zu wild, dann wird etwas sachter gedreht. Freuen sich dagegen alle, kann noch an Tempo zugelegt werden.

Sanduhr als Zeitmesser

Zum Konzept der Schweizer gehört auch die jeweilige Fahne, der Stadt oder des Ortes an dem sie sich gerade befinden. Die flattert dann mit der Schweizer Fahne um die Wette. Nur einmal es ihnen nicht gelungen. „Der Bauernhof hatte keine eigene Fahne“, erzählt Turtschi. Eine Fahrt dauert in der Regel dreieinhalb Minuten. Auch bei der Zeitmessung verzichten die Schweizer auf Technik.

Die misst eine eigens dafür angefertigte Sanduhr, die nach Beginn der Fahrt in Gang gesetzt wird.

Eingeladen wurden sie vom Verein „Zentrum für europäische Flechtkultur“. Überrascht waren sie vom Standort mitten vor dem Rathaus. Die exponierte Lage habe ihnen etwas Angst gemacht, dass sie möglicherweise die in ihnen gesetzten Erwartungen nicht erfüllen können.

Wie sich herausstellte, war dies völlig unbegründet. Oft standen die Fahrgäste sogar Schlange. Auch größere Kinder konnten sich für das Karussell begeistern.