BAD STAFFELSTEIN

Beim Singen sind alle Sorgen vergessen

Gemeinschaftssinn: „Good News“ zusammen mit anderen Chören bei einem Benefizkonzert in der „Heiligen Familie“. Foto: Privat

„Eine Kurstadt ohne Chor – das ist unmöglich!“ Für Musiklehrer Wolfram Brüggemann aus Eggenbach dürfen die Musik und vor allem der Chorgesang in Bad Staffelstein nicht fehlen. Als die Liedertafel für einige Zeit ruhen musste, wurde im Jahr 2008 auf Initiative des Bamberger Sängerkreises der Projektchor „Gospels & Spirituals“ ins Leben gerufen. „Als Ziel hatten wir uns den Auftritt beim Bad Staffelsteiner Altstadtfest gesetzt“, erklärt Chorleiter Wolfram Brüggemann.

Da zu diesem Zweck ein vielfältiges musikalisches Repertoire einstudiert wurde und sich innerhalb der Gruppe ein starkes Gemeinschaftsgefühl entwickelt hatte, wurde der Chor weitergeführt und schloss sich 2009 der Liedertafel an. Dabei stand für die Sänger und Sängerinnen ganz klar fest: mit Wolfram Brüggemann als Chorleiter oder gar nicht.

„Während der Ruhephase

des Liederkranzes bekam

ich regelrecht

Entzugserscheinungen.“

Sängerin

Gospelchor „Good News“

Mittlerweile kann „Good News“ bei Auftritten mit bis zu 50 Sängern aus den unterschiedlichsten Altersklassen aufwarten. Als Beweggründe für ihre Mitgliedschaft nennen viele die gemeinsame Freude am Singen, die Lebendigkeit des Gospels, Stimmbildung und die Möglichkeit, beim Singen den Alltagsstress zu vergessen. Auch die Auflösung des Gospelchores „Rock my Soul“ oder anderer Musikvereine spielten eine Rolle: „Während der Ruhephase des Liederkranzes bekam ich regelrecht Entzugserscheinungen“, erinnert sich eine Sängerin.

„Die Auflösung vieler

Gesangvereine in der

Region liegt vor allem am

veralteten Liedgut aus

Wald-und-Wiesen-Liedern.“

Sänger

Gospelchor „Good News“

Aber auch Zwischenmenschliches kommt im Chor nicht zu kurz. Mitglied Melanie beispielsweise wollte schon immer einen singenden Mann kennenlernen. Mit Erfolg: Im Juli 2013 trat sie mit Chorpartner Mark sogar vor den Altar.

Als Besonderheiten ihres Chores sehen die Sänger das starke Gemeinschaftsgefühl der Gruppe, die gute Atmosphäre während der Proben sowie den Schwung und die Modernität der Gospellieder. Auch für ihren Probenraum im Evangelischen Gemeindehaus sind die Sänger sehr dankbar. Das Auswendiglernen der Texte ermögliche außerdem eine bessere Konzentration auf Chorleiter und Publikum, das der Chor oftmals von den Stühlen reiße. Bei einem Auftritt im Kurpark beispielsweise, der im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fiel, kamen die Zuhörer einfach zum Chor auf die Seebühne und feierten weiter.

„Wer bei uns still sitzt, muss tot sein“, meint Vorsitzender Rolf Bechmann lachend und fügt hinzu: „An jedem Dienstagabend findet man eigentlich so viele Gründe, nicht zur Chorprobe zu kommen. Wenn ich mich dann doch dazu aufraffe, fallen beim Singen alle Sorgen von mir ab.“

Um die Begeisterung bei den Mitgliedern aufrechtzuerhalten, müsse Chorleiter Wolfram Brüggemann bei jeder Probe neu auf die Gruppe eingehen. Da es sich beim Repertoire von „Good News“ um religiöse Lieder handelt, spiele der Glaube zu Gott für viele Sänger eine große Rolle. Es gehe beim Gospelgesang um die Vermittlung eines positiven Weltbildes, Völkerverständigung und Authentizität.

„Die Auflösung vieler Musikvereine in der Region aufgrund von Mitgliedermangel liegt vor allem am veralteten Liedgut aus Wald-und-Wiesen-Liedern“, so die übereinstimmende Einschätzung. Weitere Gründen seien die Rivalität zwischen den einzelnen Chören, fehlende Zeit und Mobilität oder die nicht genutzten Chance, neue Mitglieder zu werben.

Ob die Bindung an einen Verein vor allem junge Leute abschrecke, wird zur Streitfrage im Chor, schließlich habe die Vereinsmitgliedschaft auch rechtliche Gründe wie den Versicherungsschutz oder die Bezahlung des Chorleiters.

Mit einer Mischung aus amerikanischen und afrikanischen Liedern sowie traditioneller und moderner Kirchenmusik gestalteten „Good News“ bereits zahlreiche Gottesdienste, Jubiläen, Adventsfeiern, Benefizkonzerte, das Bad Staffelsteiner Altstadtfest oder den Korbmarkt in Lichtenfels.

Auch bei Konzerten in Hamburg und Marienbad oder dem Chorfestival in Frankfurt traten die Sänger auf, für September 2014 ist bereits die Teilnahme am Gospelkirchentag in Kassel geplant. Gemeinsam mit dem Hallstadter Chor „Coloured Voices“ nehmen die Sänger an diesem Samstag am dritten deutschlandweiten Gospelday teil und werden dafür im Rahmen eines Flashmobs im Hallstadter Market-Einkaufszentrum den Song „We will stay with you“ performen.

Unter dem Motto „10 000 Stimmen, 250 Orte, ein Song“ gestalten „Brot für die Welt“ und die Stiftung „Creative Kirche“ den Chor-Aktionstag gegen Hunger und Armut und sammeln Spenden für ein Entwicklungsprojekt in Kamerun. Zum fünfjährigen Jubiläum von „Good News“ werden die Mitglieder am 6. Oktober gemeinsam mit Pfarrer Georg Birkel und Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen in der Pfarrkirche Sankt Kilian einen ökumenischen Gottesdienst feiern.

„Wenn das

Zwischenmenschliche

stimmt, funktioniert

auch die Musik.“

Wolfram Brüggemann Chorleiter

Am darauffolgenden Freitag, 11. Oktober, wollen sie bei einem kabarettistischen Abend im Gasthaus „Grüner Baum“ in Erinnerungen an die gemeinsamen Chorjahre schwelgen. Neue Sängerinnen und Sänger sind bei „Good News“ immer herzlich willkommen: Interessenten müssen dafür nur bei einer Chorprobe am Dienstag um 19.30 im evangelischen Gemeindehaus vorbeischauen und sich von der positiven Energie der Gruppe mitreißen lassen.

Das Erfolgsrezept des Chores sieht Musiklehrer Wolfram Brüggemann in der harmonischen Gemeinschaft: „Wenn das Zwischenmenschliche stimmt, funktioniert auch die Musik.“