EBENSFELD

Lieber regionale Vermarktung fördern

Während die jungen Rinder im neuen Fresserstall den Besuch neugierig beäugen, unterhalten sich (von links) Hans-Jürgen Rebelein, Veterinärin Dr. Antje Hammon, Michael Bienlein, Robert Zillig und Marion Warmuth über Herausforderungen und bürokratische Hürden in der Landwirtschaft. Foto: Mario Deller

Wir gehen zum Bäcker, um frisches Brot zu kaufen, lassen uns den sonntäglichen Braten oder zwischendurch eine Pizza schmecken – und doch machen wird uns in der Regel wenig Gedanken über die Menschen, die mit ihrer Hände Arbeit die Basis dafür schaffen: die Landwirte. Gegenseitiges Verständnis schaffen und in sachlicher Art die Lebenswirklichkeit der heutigen Bauernschaft zu beleuchten: Vor diesem Hintergrund lud der Bayerische Bauernverband des Landkreises Lichtenfels jüngst zu einem „Stallgespräch“ ein. Der Termin fand im Betrieb von Vollerwerbslandwirt Robert Zillig am Ortsrand von Ebensfeld statt. Er sorgte für manchen erhellenden Aha-Effekt. Gekommen sind unter anderem Hans-Jürgen Rebelein, der Geschäftsführer der Geschäftsstelle Coburg-Lichtenfels des Bayerischen Bauernverbands, Kreisobmann Michael Bienlein, Kreisbäuerin Marion Warmuth und Dr. Antje Hammon vom Lichtenfelser Veterinäramt.

Zillig hat den Vollerwerbsbetrieb seines Vaters ausgebaut. Der Großvater hatte einst 1968 den ersten Bullenstall gebaut mit damals 50 Plätzen, 1978 folgte eine Erweiterung. Wenn der 26-Jährige von der Historie des Betriebs und seiner heutigen Arbeit erzählt, wird deutlich, dass es für ihn nicht „irgendein“ Beruf ist, sondern einer, den er „lebt“ und der ihm Freude bereitet.

„Unsere ,Fresser‘ bleiben in der Region. Das ist Teil des Tierschutzes, der uns am Herzen liegt.“
Robert Zillig, Vollerwerbslandwirt

Einen wichtigen Bestandteil des landwirtschaftlichen Betriebs macht die Aufzucht von „Fressern“ aus. So nennt man in der Fachsprache Rinder, die etwa zwischen sechs und zwölf Monaten alt sind. In diesem Hauptwachstumsstadium fressen die Tiere sehr viel, daher der Name. „Wir kaufen die etwa vier Wochen alten und 80 Kilo schweren Milchkälber, ziehen sie auf, gewöhnen sie an festes Futter“, erklärt er. Zu gegebener Zeit werden sie dann weiterverkauft.

Wie auch die übrigen Vertreter der Landwirtschaft sieht Zillig keinen Sinn darin, lebende Tiere über irrsinnig weite und so für sie belastende Wege bis ins Ausland zu transportieren, wie es anderswo noch immer praktiziert wird. Bewusst nimmt er auch die Politik in die Verantwortung: „Die EU-Transportbeihilfen gehören heruntergefahren. Unsere ,Fresser‘ bleiben in der Region. Das ist Teil des Tierschutzes, der uns am Herzen liegt“, geht Zillig auf eine wichtige Grundprämisse seines Betriebes ein. Alle aufgezogenen Bullen des Hofes werden in Bayreuth geschlachtet. Zum Glück gibt es noch eine Reihe von Schlachthöfen in der Region. „Wenn es diese hier nicht mehr gibt, wird den Regionalvermarktern der Garaus gemacht“, betont Hans-Jürgen Rebelein hierzu.

Die Fleischqualität leidet

Allein schon den Tieren zuliebe müsste hier der regionale Sektor (wieder) mehr gefördert werden. Doch stattdessen würden durch bürokratische Hürden eher noch Steine in den Weg gelegt, so der Tenor beim „Stallgesprächs“. BBV-Kreisgeschäftsführer Rebelein spricht etwa die hohen Auflagen von Schlachtstätten an, auch die Fleischbeschau ist teuer. „Wir wollen alle die Hausschlachtung, aber dann müssen wir auch die Weichen dafür stellen“, meinte Rebelein.

Neben dem Tierschutzgedanken durch Vermeidung langer Transporte ist auch die Fleischqualität ein weiterer Aspekt. „Hoher Stress der Tiere macht das Fleisch hart und fest, deshalb waren die Hausschlachtungen ja schon früher immer so beliebt“, erklärt BBV-Kreisobmann Michael Bienlein.

2015 hat Robert Zillig seine Ausbildung zum „staatlich geprüften Wirtschafter für Landbau“ abgeschlossen, 2016 wurde ihm sein Meisterbrief ausgehändigt. Zusammen mit seinem Vater baute er mit Fertigstellung in 2016 einen neuen „Fresserstall“ mit 60 Plätzen. Ganz bewusst hat sich Zillig für einen Warmstall mit verlegten Gummimatten entschieden. Der Staat empfiehlt und fördert hingegen Kaltställe mit Stroh. „Deshalb habe ich den neuen Stall ohne staatliche Hilfe realisiert, ohne staatliche Gelder.“ Das Strohprinzip sei aus fachlicher Sicht schwer umzusetzen, so die Erfahrung des Landwirts. Auch die unbestreitbaren Nachteile des Strohprinzips dürfe man nicht aus den Augen verlieren, unterstreicht in diesem Zusammenhang Hans-Jürgen Rebelein: „Das Stroh muss trocken sein, sonst entstehen Schimmel und Keime. Ich find es daher einfach nicht richtig, dass man uns mit aller Gewalt die Strohställe aufzwängen will.“

Im Warmstall umgesehen

Robert Zillig führt die Gäste des „Stallgesprächs“ in den neuen Warmstall. Die jungen Kälber schauen blicken die Besucher neugierig an, schnuppern ein bisschen – und fressen dann in aller Seelenruhe weiter. Hier fehlt es ihnen an nichts. Die Tiere seien fit, bestätigt Zillig den positiven Eindruck. Hygiene ist ein wichtiger Faktor, es wurden Wärmetauscher installiert, die Fenster sind dreifach verglast und es gibt eine durchdachte Lüftung. Robert Zillig hat hier nicht gespart. Das macht letztlich betriebswirtschaftlich Sinn und dient auch dem Tierwohl, denn das eine schließt das andere nicht aus. Diese Sichtweise kennzeichnet die Berufsauffassung Zilligs. „Ich gebe lieber dem Gasmann 50 Euro, als zum Tierarzt gehen zu müssen.“

Michael Bienlein als Kreisobmann der Bauernschaft wünscht sich zum Abschluss des Treffens vor allem eines: „Wir sollten zu einer sachlichen Diskussion zurückfinden und mit den Landwirten sprechen, nicht über sie.“ Veranstaltungen wie das „Stallgespräch“ in Ebensfeld leisten einen wichtigen Beitrag hierzu.