BAD STAFFELSTEIN

Warum am Ende doch nicht alles aus ist

Das Ehepaar Hamisch an ihrem Kunstgewerbestand, mit dessen Verkaufserlösen sie seit Jahren das Franziskanerprojekt direkt in Syrien unterstützen. Foto: red

„Ist am Ende alles aus? Da muss doch noch was kommen!“ – Diese Fragestellung stand im Raum, als Klinikseelsorger Christoph Kreitmeir in der Adam-Riese-Halle zum Thema Tod und Sterben sprach. Mehr als 200 Interessenten lauschten dem Ingolstädter, den viele wohl noch von seinem Wirken im Franziskanerkloster Vierzehnheiligen kannten.

„Die unumstößliche Tatsache unseres Lebens ist, dass wir alle einmal sterben müssen. Unsere Lebenszeit ist begrenzt und endlich“, so Kreitmeir. „Die meisten Menschen meiden eine Auseinandersetzung mit diesem Thema und reagieren nicht selten hilflos, wenn es dann soweit ist.“ Nicht selten überwiege im Lebensprozesss des einzelnen die „ars vivendi“ (Kunst des Lebens) mehr als die „ars moriendi“ (Kunst des Sterbens). „Sterben und Leid hat wenig Platz in unserer von Globalisierung und Konsumdenken geprägten Gesellschaft.“

Klares Anliegen von Christoph Kreitmeir ist es, den Menschen Hilfestellungen für den schwierigsten Lebensabschnitt mit auf den Weg zu geben. Der Klinikseelsorger ist bestens vertraut mit diesem Lebensthema, sowohl in persönlicher als auch in beruflicher Hinsicht, begleitet er täglich Menschen auf ihrer letzten Wegstrecke.

Mut und Zuversicht

Gleichzeitig schenkt der Referent aufgrund seines reichen Erfahrungsschatzes Mut und Zuversicht und fordert auf, uns bereits zu Lebzeiten auf das Thema „Sterben“ einzulassen und aktiv in unser Leben zu integrieren. „Wir sollten den Prozess des Sterbens als etwas Normales wahrnehmen und in Situationen des Abschieds uns nahestehende Menschen liebevoll begleiten und angstfrei damit umgehen.“

Ein kurzer Ausblick in die Historie und die Jenseitsvorstellungen der Weltreligionen, wie Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus zeige, dass sich die Menschen seit Urzeiten mit der Thematik des Sterbens befassen, und – interessanterweise – proklamiere jede dieser Glaubensüberzeugungen, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist. „Hier ist insbesondere unser christlicher Glaube hervorzuheben, der besagt, dass nach dem Tod unser Lebensweg durch Gott vollendet wird. Vor allem die hoff-nungsvollen Bilder der Bibel vom Sterben wollen uns ermutigen, mit Vertrauen auf den Tod zuzugehen. Sie wollen uns beim Schritt durch das Tor die Zuversicht geben, dass wir nicht allein sind.“

Jesus geht voran

Jesus sei den Menschen diesen Weg vorangegangen und begleite sie, so der Referent. Doch was passiert eigentlich mit unserer „vermeintlichen“ Seele? – „Zweifler dürfen versichert sein, dass aufgrund von psychologischen Erkenntnissen Seelenreisen und Traumbilder eine Annäherung an metaphysische Zustände und Begegnungen ermöglichen.“ Nach dem bekannten Psychoanalytiker C.G. Jung trügen die Menschen viele, für uns selbst unbekannte und unerforschte „Räume“ in sich. Es seien Ahnungen und Begegnungen mit ihrer Seele, die nicht an Raum und Zeit gebunden sind, und dadurch Verbindungen zwischen dem Diesseits und Jenseits schaffen können. „Viele heilende Bilder vom Leben nach dem Tod finden wir vor allem in der Bibel. Sie wollen uns die Zuversicht geben, dass wir nicht alleine gehen müssen und Jesus, der uns vorangegangen ist, uns begleitet“, so Kreitmeir. „Symbolisch vergleichbar ist das menschliche Sterben mit der Verwandlung einer Raupe hin zum Schmetterling, seiner eigentlichen Bestimmung. “ Erst durch die Verpuppung der Raupe und das anschließende komplette Auflösen der Raupe in der Puppe entstehe etwas völlig Neues, der Schmetterling. Dieser Prozess der Metamorphose sei auch den Menschen zugesagt, wenn sie sich im Tod „auflösen“ und bei Gott ganz neu werden.

„Was letztendlich bleibt, ist ein rational nicht zu erfassender Mythos, der uns nicht ängstigen muss, sondern eher heiter und zuversichtlich stimmen soll, wenn wir unser Lebensfundament auf den Glauben an Jesus Christus und seiner Zusage bauen“, bilanzierte der Klinikseelsorger und zitierte aus dem Matthäus–Evangelium: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,18-20). Einige kurze Dialoge mit dem Publikum beschlossen die Veranstaltung. Wer wollte, konnte sich darüber hinaus am Stand der Syrienhilfe über deren Wirken informieren.