KUTZENBERG

Chefarzt schnürt gern die Laufschuhe

Das Wohl der Patienten mit Copd, Lungenkrebs oder Asthmaerkrankungen liegt ihm am Herzen: der neue Chefarzt der Kutzenberger Lungenfachklinik, Dr. Saleh Al Hamoud (42). FOTO: red Foto: Mario Deller

Dr. Saleh A. Hamoud heißt seit Anfang Oktober der neue Chefarzt der Klinik für Erkrankungen der Atmungsorgane, Allergologie, Umweltmedizin und Schlafmedizin am Bezirksklinikum Obermain. Der in Syrien aufgewachsene 42-Jährige freut sich auf die neue Herausforderung, beleuchtet im Gespräch wichtige Facetten der Lungenmedizin und verrät, wie er selbst mit Stress umgeht.

Wer als Besucher oder Patient in Kutzenberg weilt, dürfte dem stets freundlich dreinblickenden Mediziner womöglich schon das eine oder andere Mal begegnet sein. In seiner bisherigen Eigenschaft als leitender Oberarzt in der BKO-Lungenfachklinik seit Juli 2015 kennt er bereits die Strukturen, fühlt sich im Team mit Medizinerkollegen und übrigem Klinikpersonal sehr wohl. Seine sympathische Art in Verbindung mit der aus 17-jähriger ärztlicher Tätigkeit gewachsene fachliche Kompetenz waren sicherlich ausschlaggebende Faktoren, um ihm das Vertrauen als neuen Chefarzt auszusprechen.

In Aleppo aufgewachsen

Hamoud ist in der syrischen Zwei-Millionen-Metropole Aleppo aufgewachsen, zog 2007 nach Deutschland. Stationen seines beruflichen Werdegangs waren die Universitätskliniken in Aleppo und Ulm, die Lungenklinik Löwenstein in Baden-Württemberg sowie, vor seiner Tätigkeit in Kutzenberg, im Lukas-Krankenhaus im westfälischen Bünde. Seit 2010 ist er Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie mit den Zusatzbezeichnungen Schlafmedizin und Medikamentöse Tumortherapie.

„Unser Ziel muss es

stets sein, dem Patienten Lebensqualität zurückzugeben oder diese zu erhalten.“

Dr. Saleh A. Hamoud, Chefarzt

„Schon in der Schule wollte ich Arzt werden“, sagt er im Gespräch. Mit der Lungenmedizin hat er sich auf einen Bereich spezialisiert, der sich, betreffend seiner gesellschaftlichen Relevanz, hochaktuell wie vielschichtig präsentiert. Augenscheinlich wird dies, wenn man sich das Spektrum der Klinik in Kutzenberg ansieht. Das Behandlungsportfolio der Fachabteilung mit 75 Betten reicht von Asthmaerkrankungen und verschiedenen Atemwegserkrankungen über den schlimmen Lungenkrebs bis zum Schlafapnoe-Syndrom.

„Volkskrankheiten“

Auch Patienten, die unter Asthma oder Copd leiden (aufgrund ihrer Häufigkeit redet man hier umgangssprachlich von „Volkskrankheiten“), werden in Kutzenberg kompetent betreut. Die Erkrankung Copd ist in aller Munde. Hier gibt es zwar keine Heilung, aber dennoch lässt sich auf medizinisch-therapeutischem Wege viel erreichen. „Unser Ziel muss es dabei stets sein, dem Patienten Lebensqualität zurückzugeben oder diese zu erhalten und ihm zu ermöglichen und zu helfen, mit der Krankheit umzugehen“, so Hamoud.

Dieser Prozess beinhaltet zum einen die auf den Einzelfall abgestimmte medizinische und therapeutische Behandlung. Ohne erhobenen Zeigefinger, sondern in sachlich-freundlichem Ton thematisiert der Mediziner aber auch den Lebensstil als unbestreitbarem Faktor. Beides sollte im Interesse Hand in Hand gehen.

„Es geht hier nicht darum, einen Marathon zu laufen, aber Bewegung ist das A und O. Regelmäßig spazierengehen ist schon besser als nur vor dem Fernseher zu sitzen“, erklärt Hamoud, der einst an der Philipps-Universität im hessischen Marburg über pulmonale Hypertonie, sprich Lungenhochdruck, promovierte.

Erkenntnisse dank Schlaflabor

Als oberfrankenweit erstem Standort eines Schlaflabors anno 1994 nahm das Bezirksklinikum in Kutzenberg einst in der Region eine Vorreiterrolle ein – und auch heute wichtige Anlaufstelle für Betroffene. Der neue Chefarzt thematisiert die Erkenntnisse, die dank moderner Technik ein Schlaflabor bietet. Wie oft sich der Patient in der Nacht dreht, wie er sich bewegt, wie oft oder atmet oder Atemaussetzer hat, selbst die REM-Phasen: Dies alles und noch mehr wird mit Sensoren und Kamera aufgezeichnet. Es dienst als Grundlage für Diagnose und Behandlung. Im Gespräch mit Hamoud fällt aber auch das wichtige Stichwort „Schlafhygiene“. Ohne Vorwürfe, sondern weil es dem Patienten dienlich ist, dürfen falsche oder für den Schlaf nachteilige Verhandlungsmuster, die sich jahrelang „eingeschliffen“ haben, nicht tabuisiert werden. „Der laufende Fernseher im Schlafzimmer ist so eine Gewohnheit, andere erledigen, wenn sie nicht schlafen können, Rechnungen oder rauchen auf dem Balkon“.

Hand in Hand

Der neue Chefarzt weist zudem darauf hin, wie wichtig im Sinne des Patienten die fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Disziplinen sowie die enge Abstimmung mit den zuweisenden Kollegen ist. Zu nennen ist hier auch die Zusammenarbeit mit den Hausärzten, die „ihre“ Patienten gut kennen. Tumor: Das Wort allein lässt selbst gesunden Menschen schon innerlich frieren. Wie mag es dann erst selbst Betroffenen gehen, wenn sie diese Hiobsbotschaft vom Arzt erhalten und ihr bisheriges Leben von einen Moment auf den anderen wie ein Kartenhaus zusammenbricht? – Hamouds Gesichtszüge werden nachdenklich. „Das ist für denjenigen schlimm, keine Frage. “ Er betont, wie wichtig in solchen Momenten ein sehr sensibler und einfühlsamer Umgang ist. „Die Diagnose Lungenkrebs bekommt man nur einmal.“ Umso wichtiger sei es, dass das Bezirksklinikum in Kutzenberg mit den „Onko-Schwestern“ psychologisches Fachpersonal mit entsprechender Zusatzausbildung bietet. Auch seelsorgerischer Beistand, der am Bezirksklinikum auf Wunsch ebenfalls gewährleistet ist, kann helfen, mit der schlimmen Nachricht umzugehen.

Mittelfristig soll ein gemeinsames Lungenkrebszentrum zusammen mit dem Klinikum Bamberg gebildet werden.

Parallel in Bamberg tätig

Hamoud, der über seine Tätigkeit als neuer Chefarzt in Kutzenberg parallel auch als Leitender Oberarzt des Bamberger Klinikums beschäftigt ist, spricht den den umfangreichen Anforderungskatalog an, den es in puncto Lungenkrebszentrum einzuhalten gilt. Diese Richtlinien beinhalten vor dem Hintergrund der zusätzlichen seelischen Belastung Betroffener personelle Vorgaben im Bereich der psychologischen Betreuung. Als Chefarzt der Kutzenberger Lungenfachklinik ist Dr. Saleh Al Hamoud fachlich wie mental gefordert. Um mit manchmal unvermeidlichen Stresssituationen gut umzugehen, geht er in Sachen Bewegung selbst mit gutem Beispiel voran: „Ich jogge etwa viermal die Woche, in der Regel abends ab 22 Uhr. Das tut mir einfach gut zur Entspannung.“ In der Tat macht der 42-Jährige einen sehr fitten Eindruck, aber das ist auch wichtig angesichts des gleichermaßen verantwortungsvollen wie kräftezehrenden Chefarztberufs. In den wärmeren Monaten des Jahres radle er auch gerne, plaudert der Vater von vier Kindern aus dem privaten Nähkästchen.

Gesundheitsforum im Festsaal

Am Samstag, 25. November, findet ab 13.30 Uhr das Kutzenberger Gesundheitsforum statt. Bei dieser informativen Veranstaltung bekommen interessierte Bürger im Festsaal des Bezirksklinikums in Kutzenberg in zwei Vorträgen wertvolle Informationen zu wichtigen Themen, die so manchen von uns entweder selbst oder indirekt als Angehöriger betreffen. „Husten und Atemnot: Copd kann tödlich sein – was kann ich tun?“ ist das Referat von Dr. Dietmar Geiger überschrieben. Dr. Saleh Al Hamound spricht über das Thema „Immuntherapie bei Lungenkrebs – neue Hoffnung für Betroffene?“ Um 15.30 Uhr werden aufgrund der erfahrungsgemäß oft großen Besucherresonanz die beiden Vorträge wiederholt.

Zum Welt-Copd-Tag am Mittwoch, 15. November: „Nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören“

Am 15. November ist Welt-Copd-Tag. Das Bezirksklinikum nimmt diesen zum Anlass, um eindringlich vor den Gefahren des Rauchens zu warnen. Schon alleine deshalb, weil Deutschland 2004 zwar das Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs ratifizierte, seither aber nicht konsequent in nationales Recht umsetzte. So ist Tabakwerbung beispielsweise an Außenwerbeflächen und Verkaufsstellen immer noch erlaubt.

„Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören und gegen eine schwächer werdende Lungenfunktion aktiv vorzugehen“, sagt Dr. med. Saleh Al Hamoud, Chefarzt am Lungenzentrum des Bezirksklinikums Obermain in Kutzenberg. Die Entstehung sowohl von Copd als auch von Lungenkrebs werde maßgeblich durch das Rauchen von Tabakerzeugnissen begünstigt. „Der Welt-Copd-Tag muss uns allen, insbesondere der Gesundheitspolitik, Anlass sein, nicht nur vor den Gefahren des Rauchens zu warnen, sondern auch endlich ein absolutes Werbeverbot für den Lungenkiller Tabak durchzusetzen. “ Bedenke man das große menschliche Leid, dem betroffene Patienten und ihre Angehörigen ausgesetzt sind, sollte in der neuen Legislaturperiode die bundesdeutsche Gesundheitspolitik nun endlich mit einem kompletten Werbeverbot den Einstieg in das Rauchen verhindern helfen und den Ausstieg fördern.

Zirka 5,8 Prozent der in Deutschland lebenden, erwachsenen Menschen litten 2015 laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts an der lebensbedrohlichen Krankheit Copd, der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird Copd im Jahr 2030 die weltweit dritthäufigste Todesursache sein. Die Konsumenten von Tabakwaren, auch Passivraucher, bilden in Deutschland die Hauptrisikogruppe.