OBERLEITERBACH

Energiegenossen beeindrucken erneut

Interessiert lauscht ALE-Leiter Anton Hepple (li.) den Ausführungen von Reiner Zapf-Wilmer (EGO) zum Nahwärmenetz im Bio...

„Überspitzt gesagt, sind wir in Oberleiterbach energetisch autark.“ Reiner Zapf-Willmer hält im Heizhaus der Energiegenossenschaft (EGO) inne, blickt mit spitzbübischem Lächeln in die Runde der Gäste, lässt die oberfränkische Regierungsdirektorin Dr. Corinna Boerner ebenso staunen wie Bambergs stellvertretenden Landrat Johann Pfister, Behördenleiter Anton Hepple vom Amt für Ländliche Entwicklung und Christoph Henzel von Bayernwerk.

Die Energiegenossen des 279-Einwohner-Orts, der sich seit einiger Zeit und voller Stolz Bioenergiedorf nennen darf, haben mit seinem Nahwärmenetz ein Ausrufezeichen gesetzt und damit im Vorjahr den Bürgerenergiepreis Oberfranken gewonnen. Nun geht die Ausschreibung in eine neue Runde: 10 000 Euro sollten an „Energiehelden“ ausgereicht werden, so Henzel und Boerner.

„Wir müssen das Bewusstsein schärfen, wie man mit Energie umgehen muss, wie Energie gespart werden kann – und welche Potenziale in erneuerbaren Energien stecken.“
Dr. Corinna Boerner, Regierung von Oberfranken

Harald Hümmer, Vorstandsmitglied der Energiegenossenschaft, erläuterte gemeinsam mit Zapf-Willmer die Grundkomponenten des Bioenergiedorfs. Die Abwärme der Biogasanlage deckt rund 80 Prozent des Wärmebedarfs, den die Abnehmer im Dorf – immerhin 55 Prozent der Haushalte – brauchen. Für Spitzenlasten, aber auch zur Absicherung bei Ausfällen und Wartungen, gibt es eine 500-Kilowatt-Heizung, die derzeit mit Hackschnitzeln befeuert wird und auch mit Pellets betrieben werden kann. „Alle unsere Anlagen entsprechen modernster Technik. Die Rohrleitungen im Dorf sind ring- und sternförmig verlegt“, erklärten die Fachleute.

Über USB-Leitungen kann der ganze Betrieb von der Schaltzentrale aus überwacht und reguliert werden, selbst die einzelnen Hausanschlüsse. Die Rohrleitungen wurden vorausschauend so gelegt, dass innerörtliche Bauplätze und neue Baugebiete am Ortsrand angeschlossen werden könnten. Dass in Oberleiterbach seit einigen Jahren die Dorferneuerung läuft, kam den Machern gerade recht: So wurden die Leitungen bei den Straßenbauarbeiten gleich mit eingebracht.

Darüber hinaus gibt es auch keine weiten Lieferwege: Sowohl die Rohstoffe für die Biogasanlage als auch die Hackschnitzel werden in einem Umkreis von maximal 20 Kilometern gewonnen. „Ganz von alleine“ läuft darüber hinaus die zwölf Hektar große Photovoltaikanlage, die 3,5 Megawatt produziert – das Fünffache an Energie, die das Dorf benötigt. Johann Pfister, der stellvertretende Landrat, lauschte aufmerksam, fragte interessiert nach, hakte ein – und lobte die Oberleiterbacher.

Für Christoph Henzel, Leiter Kommunikationsmanagement der Bayernwerk AG, und Dr. Corinna Boerner von der Regierung für Oberfranken hätte die Vorstellung dieses mustergültigen Projekts keine bessere Steilvorlage für die Neuauflage des Bürgerenergiepreises sein können. Die Auszeichnung wird heuer zum vierten Mal vergeben, mitmachen können alle Bürger des Regierungsbezirks, aber auch Schulen, Vereine, Verbände und Ehrenamtliche.

„Wir erleben durch die Energiewende eine Veränderung, und dafür brauchen wir Akzeptanz in der Bevölkerung“, erklärte Henzel. „Wir wollen, dass die Bürger selbst Impulse setzen, denn die Energiewende ist keine Aufgabe alleine für Staat und Energiewirtschaft.“ Damit diese gelinge, müssten alle einen Beitrag leisten. „Oft sind es die einfachen, kostengünstigen Möglichkeiten, mit denen sich sehr viel bewegen lässt.“

Regierungsdirektorin Dr. Corinna Börner lobte das EGO-Nahwärmenetz als „beispielgebendes Projekt, mit dem gezeigt wird, wie viel ein Ort bewegen kann“. Oberleiterbach profitiere dabei von seiner intakten Dorfgemeinschaft, was sich auch im Bereich der Dorfverschönerung zeige.

„Energiezukunft geht alle an“

„Die Energiezukunft geht uns alle an“, stellte die Fachfrau für Energiewirtschaft heraus. „Veränderungen brauchen Zeit, aber eben auch Akzeptanz. 40 Prozent der End-Energie wird in privaten Haushalten verbraucht, weshalb wir das Bewusstsein schärfen müssen, wie man mit Energie umgehen muss, wie Energie gespart werden kann – und welche Potenziale in erneuerbaren Energien stecken.“

Deshalb suche die Regierung von Oberfranken in Zusammenarbeit mit der Bayernwerk AG vorbildliche Projekte, wie im privaten Bereich die Energiewende umgesetzt werden könne, „um die Chancen der Energiewende greifbar und für manchen auch begreifbar zu machen. Denn jeder kann etwas tun!“

Werbung für Bioenergie

Die Energiegenossenschaft Oberleiterbach hat sich im vergangenen Jahr das Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro mit drei anderen Gewinnerprojekten geteilt. „Wir werden von unseren 3000 Euro eine große Informationstafel am Gemeinschaftshaus anbringen, wie unser Nahwärmenetz funktioniert, und was es mit der Bioenergie und dem Bioenergiedorf auf sich hat“, erläuterte Reiner Zapf-Willmer. Darüber hinaus wird eine Internetseite gestaltet und eine weitere Tafel über das Dorf an sich erstellt. Als Information, zur Kommunikation – und letztlich als Werbung für mehr Bioenergie. „Alleine das ist schon wieder preiswürdig“, sagte Christoph Henzel danach beeindruckt – und lächelte.

EGO-Vorstandsmitglied Harald Hümmer erläutert die Funktionsweise des Nahwärmenetzes. Foto: Markus Drossel
Geben gemeinsam den „Startschuss“ für den Bürgerenergiepreis Oberfranken: (v. li.) Anton Hepple (Amt für Ländliche Entwicklung), Zapfendorfs Bürgermeister Volker Dittrich, Harald Hümmer (Vorstandsmitglied Energiegenossenschaft Oberleiterbach), Dr. Corinna Boerner (Regierung von Oberfranken), Christoph Henzel (Bayernwerk) und der stellvertretende Landrat des Landkreises Bamberg, Johann Pfister. Foto: Markus Drossel
„Modernste Technik“: Reiner Zapf-Wilmer erklärt das Rohrleitungssystem des Nahwärmenetzes im Bioenergiedorf Oberleiterbach.