publiziert: 10.04.2016 17:10 Uhr
aktualisiert: 18.04.2016 03:33 Uhr
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Balanceakt auf dem Felsvorsprung

Fränkischer Bund hisst Frankenfahne auf dem Staffelberg – Wind und Wetter fordern Tribut
  • Der Fränkische Bund hisst die Fahne auf dem Staffelberg unter den aufmerksamen Blicken der Schaulustigen. 
  • Gerd Backert und der „Frankensima“ Phillip Simon Goletz singen die Frankenhymne. 
    Fotos: Markus Häggberg
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Nun weht sie. Im Herbst wird sie dann wohl ausgefranst sein, aber bis dahin Wind und Wetter trotzen und rot-weiß. Wenn der Fränkische Bund eine Fahne hisst, ist das ein Statement gegen bayerisches Weiß-Blau. Auf dem Staffelberg allemal.

„Zerschlag der Bayern Übermacht, wir wollen es dir danken“, heißt es in einer launigen siebenten Strophe der „Franken-Hymne", einer Strophe, die dem Dichter Viktor von Scheffel so wohl nie in den Sinn gekommen wäre. Dafür aber dem Michelauer Gerd Backert, der solche Textzeilen gemeinsam mit dem als „Frankensima" bekannten Philipp Simon Goletz zu Gitarre und Akkordeon sang, während Markus Geiger aus Kronach auf schmalem Felsvorsprung stehend und mit Seil gesichert, an einer Halterung hantierte. Gegen 15 Uhr sollte er dazu beitragen, etwas auf dem Plateau aufzurichten, was seit 1999 nahezu alljährliche Tradition auf dem „Berg der Franken“ hat.

Kulturregion

Mit der stetigen Erneuerung der Frankenfahne wolle der Fränkische Bund „unsere altbayerischen Freunde südlich des Weißwurstäquators an die Worte des Lichtenfelsers Dr. Thomas Dehler erinnern, der klar definierte: “Franken sind keine Bayern“, so schwarz auf weiß eine Erklärung Joachim Kalbs. Das klingt auf Krawall gebürstet. Der 2. Vorsitzende des Fränkischen Bundes will freilich nur von einer „Kulturregion Franken" und „nicht von einem abgegrenzten politischen Raum" reden.

„A Zentrale ist uns nicht geheuer.“
Joachim Kalb, 2. Vorsitzender des Fränkischen Bundes

Auf der Webseite des Vereins gibt es diesen abgegrenzten politischen Raum aber irgendwie doch: Man spricht sich für ein Bundesland Franken aus, mit fünf Millionen Einwohnern und einer Größe, die bereits von vielen Studien empfohlen worden sein soll.

Doch was macht es seiner Meinung nach so notwendig, Franken so hervorzuheben? „Wir wollen nicht unter dem Label Bayern laufen", erklärt der Weidenberger. Der Mann weiß einiges an Seitenhieben gegen Bayern und seine Landeshauptstadt München anzuführen, vor allem, dass man „nicht zentralistisch" sei. Selbst mit Nürnberg als fränkische Kapitale mag er sich nicht anfreunden. „Eigentlich wurscht", erklärt er zur Hauptstadtfrage und meint: „A Zentrale ist uns nicht geheuer." Mit „uns" meint auch sein Schriftführer Peter Purrucker die Franken, denen er eine andere Wesensart als die der Bayern bescheinigt. Eine „Mir-san-mir-Mentalität“ sei für den Franken undenkbar, denn er stelle sich öfter infrage. Schon darum, weil er in der Mitte Europas sitze und von je her „vielfältigen Einflüssen ausgesetzt" war. Und sich selbst grün war der Franke auch nicht immer: manche katholisch, manche evangelisch.

Und was Purrucker nicht unerwähnt lässt, ist die Abwerbung fränkischer Firmen nach Altbayern. Aber dann lächelt Purrucker, besinnt sich auch auf den Spaßcharakter der Fahnenveranstaltung und fügt einem fränkisch-bayerischen Vergleich an: „Nebenbei haben wir die besseren Schäufele.“

Das Hissen der Fahne weit vor dem Tag der Franken geschah ohne Landrat Christian Meißner, ohne Bad Staffelsteins Bürgermeister Jürgen Kohmann. Etwa Protest an der Teilnahme seitens dieser CSU-Lokalpolitiker? Kaum, denn das muss Joachim Kalb zugeben: Der Landrat wurde ja gar nicht eingeladen. Bei Kohmann habe es sich hingegen anders verhalten.

Mit Sebastian Eidloth und Klaus Sommerkorn war auch „der politische Arm“ Frankens gekommen. So nennen die beiden Erlanger die Partei, die sich „auf politischem Weg für Franken stark macht“.

Auf politischen Weg gemacht

Mit mehr Rückhalt als die FDP hat, mit diversen Stadträten und Bezirkstagabgeordneten. Aber auch die beiden Männer haben eine fröhliche Note an sich, wirken nicht politisch verbissen. Nicht fränkisch, sondern eher norddeutsch winkt Sommerkorn ab, als die Frage nach einem Salutieren vor der Fahne auftaucht: „Bloß kein Gedöns."

Humoriges Gedöns nach Noten aber machen Backert und Goletz zum Vergnügen von wohl um die 50 Schaulustigen oder überzeugten Franken.

„Ich geh' früh auf und bin Frank“, erklärt der Michelauer Backert auf die Frage, wie er dazu kam, eine Zusatzstrophe zur Franken-Hymne zu texten. Dann stimmt er mit Goletz ein Loblied auf den 1. FC Nürnberg an und wird noch ein paar Mal „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein" für sein Franken singen. Die Fahne wehte dazu im Wind und wird es bis in den Herbst hinein tun. Das liegt an ihrer verbesserten Verarbeitungsqualität. Sie kommt aus Thüringen.

Von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg
    
    

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